Wer verstehen will, was es mit Barack Obamas Rede vor der Siegessäule auf sich hatte, muss sich mit einem uramerikanischen Phänomen auseinandersetzen, dem der Predigt. Ja, liebe Freunde, die Predigt ist Amerika. Haben nicht schon die Gründerväter in ihren Predigten die heißen Eisen ihrer Zeit angefasst? Ja, das wollen wir jetzt auch tun. Das müssen wir auch tun. Dies ist der Moment. Tatsächlich ist Barack Obama ganz offensichtlich ein Erbe der charismatischen Prediger baptistischen Stils, den man nicht nur in den kleinen Kirchen des Südens findet, sondern überall wo Schwarze ihre spezifische Form des Christenglaubens leben, aber auch bei den evangelikalen Weißen, den radikalen Christen. Daher stammt seine spezifische Rhetorik, die uns Europäern charismatisch erscheint, weil wir sie aus unserem Alltag nicht kennen.
Kann sich jemand vorstellen, ein Typ vom Schlage Steinmeiers könne so reden? Nicht einmal der Schreckkanzler Schröder, der ja immerhin so etwas wie eine Schimanski-Ausstrahlung hatte, war dazu in der Lage. Nein, um so sprechen zu können, muss man in den USA studiert haben und am College Mitglied im Debattierclub gewesen sein. Dort üben sie das ein, die zukünftigen Lawyers, die später vor Gericht alles mit einem Pathos überziehen, wenn’s der Wahrheitsfindung nutzt. Rhetorik ist in den USA keine Kunst, sondern ein Handwerk, das vor allem Juristen und Pfarrer von klein auf lernen. Da der aktuelle George W. keins von beiden und dazu noch leicht sprachbehindert ist, bringt er derlei nicht zustande. Nur deshalb erscheint uns Barack Obama so groß … dabei ist er auch bloß ein Anwalt.
Auf diesem Hintergrund muss man die gestrige Rede des Präsidentschaftskandidaten verstehen und interpretieren. Er fischte gleich zu Beginn Komplimente, in dem er Berlin – gut 20 Jahre nach dem Mauerfall – zum Bollwerk der Freiheit westlicher Prägung stilisierte. In den ersten zehn Minuten seiner Rede sprach er das Wort “Berlin” handgestoppte 22 Mal aus! Das bereitete den Boden vor für seine üblichen Schlüsselwörter – wobei “Change” relativ kurz kam. Aber Begriffe wie “Schicksal” und “Pflicht” waren gut vertreten.
Eine bekannte rhetorische Figur besteht im Bilden von Gegensatzpaaren. Bei Obama waren das gestern die Wörter “Walls” und “Bridges”. Wie prophezeit bezog er sich deutlich auf den Reagan’schen Satz “Mr Gorbatchev, tear down this wall”. In voller populistischer Absicht forderte er zum Einreißen diverser, weltweiter Problemmauern auf. Und zum Bau einer transatlantischen Brücke.
Dass deutsche Medienschaffenden wie der Deppendorf und diese Hanni Hüsch angesichts eines solchen Auftritts recht feucht wurden und die medialen Kommentatoren heute einen Weltbürger Obama feiern, beweist die Wirkung der Predigt. Bei Lichte betrachtet war es aber im wesentlichen heiße Luft, die dem großen Mund des sympathischen Kandidaten entfleuchte. Aber das reicht, um ihn zum Popstar zu machen.
Es ist wie bei Robbie Williams: Es kommt nicht auf den Text an, sondern darauf, dass Robbie singt. Und am besten kommt’s, wenn man dem Robbie beim Singen zugucken kann.
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Ich musste heute morgen lachen, als im Radio aus seiner Rede zitiert wurde. danach wolle er verhindern, dass zukünftig neue Mauern zwischen den Völkern hochgezogen würden, dann kam noch irgendetwas von wegen “es dürfe keine Unterscheidung mehr nach Rassen geben”, und dann im Hintergrund Jubelrufe. Ich dachte sofort an: Mexiko!
Dann möchte ich noch daran erinnern, dass der Kerl vor kurzem erst als Abgeordneter im US-Kongress einem Gesetz zugestimmt hat, dass den US-Geheimdiensten weitgehende Befugnisse bei der Überwachung jeglicher elektronischer Kommunikation von US-Bürgern einräumt bzw. ein bisher gesetzeswidriges Handeln dieser Dienste legalisiert. Sprich, er schäubelt schlimmer als Schäuble. Und die Welt rettet er auch nicht, noch nicht mal die Wale und das Klima.
Zwei Beispiele, die diesen Kerl genauso unsymphatisch erscheinen lassen wie Bush. Nur kann er etwas besser reden. Ich habe gestern vielleicht zwanzig Sekunden zugehört und musste einfach den Quark ausschalten. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Blödsinn 4 öffentlich-rechtliche Kanäle blockiert.
[Antwort]
[...] promigeilen Medienmacher haben den Anwalt(!) aus Chicago ja systematisch in den Rang eines Popstars geschrieben und gesendet. Fragt man im eher links-alternativ angehauchten Umfeld, was den afroamerikanischen [...]