Der Dalai Lama und seine Tibet-Terrier
“Der Tibet-Terrier ist eine gesunde, robuste Rasse mit einer langen Vergangenheit als Gebrauchshund, aus einer rauen und kargen Umwelt. Er ist fröhlich, intelligent und lernwillig, anhänglich und kinderlieb, zurückhaltend gegenüber Fremden, aber niemals aggressiv oder streitsüchtig.”
(Quelle: Wikipedia)
Eigentlich müssten die ganzen Eso-Schnatzen, die den Dalai Lama mit kaum sublimiertem Sexualbegehren anhimmeln, sich Tibet-Terrier anschaffen, dann hätten sie so ein bisschen Dalai daheim. Den könnten sie dann den ganzen Tag puscheln und streicheln und sich wünschen, Tibet wär frei und der Dalai Lama käme mal auf ein Kuscheling vorbei. Da würden sie sich dann ganz superspirituell fühlen und dazu auch noch politisch korrekt. Wie es überhaupt enorm praktisch ist, sich geistig-moralisch und mehr klamm als heimlich für Tibet zu engagieren: Das kostet kaum etwas, tut niemandem weh und ist irgendwie so herrlich nutzlos. Statt Dalai Lama (fröhlich, intelligent und lernwillig, anhänglich und kinderlieb, zurückhaltend gegenüber Fremden, aber niemals aggressiv oder streitsüchtig) ginge auch Robbie Williams (och, nee, der iss ja kein Buddhistel!) oder Richard Gere (jau, eine Art Hollywood-Lama…), aber für die gibt es keine passenden Hunde.
Hierzustadt gab es mal ein asiatisches Restaurant, das hieß “Der böse Chinese” und war bei allerlei Kreativpack mega angesagt. Man nahm den Namen mit einem Augenzwinkern und dachte insgeheim an die Verließe des Doktor Fu-Manchu, wo auf Schlitzauge geschminkte Böswichtdarsteller westlichen Damen die Kleider in Fetzen rissen und ständig mit einem “Sie werden schon sehen, was Sie davon haben…” vieldeutig bedrohten. So stellte man sich den Chinesen vor. Auch Ex-Kanzlerersatz Kurt-Georch Kiesinger mahnte den Westen schon mit einem dreifach geraunten “Chinesen, Chinesen, Chinesen”. Inzwischen haben wir den Peking-Enten-Salat, und die ersten Schlitzaugen machen sich in guten toitschen Mittelstandsbetrieben als Chefs breit so wie sich der Chinese einfach mal so in Tibet breit gemacht hat.
Dem mittelstark gebildeten, linksdrehenden Mittelstandsdeutschen ist das Gefahr genug. In ihm denkt es, man müsse dem Chinesen nun aber mal seine Schranken zeigen. Und weil man den Chinesen ja schlecht aus dem ehemaligen Familienbetrieb in Baden-Würtenberch rauswerfen kann, macht man sich für das Selbstbestümmungsrecht des Tibet-Terriers stark. Mit seiner schlümmen Unterdrückerei soll er einfach nicht durchkommen, der Chinese.
Jetzt könnte man den Na-Gut-Menschen mal in eine Diskussion verwickeln, was denn passieren täte, würde der Chinese sagen: Okay, ihr Tibeter, ihr habt gewonnen. Da habt ihr euren Scheiß zurück, werdet selbstständig und glücklich mit eurem kargen Hochland. Käme als Antwort: Dann kehrte der Dalai Lama zurück, und alle Tibeter könnten fortan wieder in aller Ruhe vor sich hin meditieren und die Gebetsmühlen klingeln lassen. Ach, wändete ich ein, und was wird mit Zichhunderttausend Orginalchinesen, die per Privileg von der Partei dort anversiedelt worden sind? Dürften die auch bisschen mit meditieren? Und müssten die dann zur Strafe die Drecksarbeit machen? Oder würden die millionenfach rausgeworfen aus dem kargen Hochland, wo man Tee mit Butter säuft wie nix Gutes?
Da käme dann wohl wenig Antwort. Aber der Ziemlich-Gutmensch ist ja auch kein Problemlöser, sondern legt bisweilen einen winzigen Finger auf weltweite Wunden, damit ihm das Gewissen nicht so schwer schmerzt, dass er ja früher, ja früher, auch mal doll engagiert war für Frieden und Freiheit und Öko und so, aber nun doch zwischen der rechten und der linken Arschbacke der Gesellschaft angekommen ist, wo man Turbodiesel fährt und die Gattin nicht schlägt, sondern totschweigt. Da muss ein Free-Tibet-Aufkleberlein auf dem Schulranzen der unschuldigen Tochter schon reichen oder das Benicken einer Olympiaboykottforderung.
Ach wäre die Welt doch einfach, dann könnte man Tibet befreien und den Menschen da droben helfen, einen zwar globalen, aber total fairen Handel mit Tibet-Terriern aufzuziehen, und der Dalai Lama wär ein prima Aufsichtsratsvorsitzender.