Ökoheuchelei der Bourgeoesie macht alles noch schlimmer
Liebe Abkömmlinge des Klein-, Mittel- und Großbürgertums dieses Landes, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein, denn ihr tragt die Schuld daran, dass der Planet die Menschheit abschütteln will, ja, ihr seid persönlich verantwortlich dafür, dass die Menschen in den armen Ländern massenhaft verhungern und elend verrecken. Es ist euer Verhalten, das dazu geführt hat, dass das Ökosystem Erde nicht mehr zu retten ist. Natürlich könnt ihr jetzt sagen, ihr könntet nichts dafür, eure Eltern seien schuldig. Ja, eure Eltern, die Schule, die Politiker und die Medien, die haben euch so zugerichtet, dass ihr nichts anderes in euren kleinen Köppen tragt als für euer kleines, privates Glück zu sorgen – koste es, was es wolle. Aber die Organe der Gesellschaft haben auch dafür gesorgt, dass eure Denk- und Urteilsfähigkeit einigermaßen funktioniert – was bei den Insassen der Unterschicht und den systematisch vernachlässigten Migrantenkindern nicht der Fall ist. Ihr hattet es also in der Hand, euch vom Wachstum zu verabschieden, euch sozial zu verhalten und globale Verantwortung zu übernehmen.
Statt dessen habt ihr komplexe Rechtfertigungsapparate aufgebaut und eine widerliche Dauerheuchelei entwickelt, die tagtäglich Leichen produziert. Ihr Menschen, die ihr zwischen etwa 25 und 55 Jahre alt seid und in wirtschaftlich einigermaßen gesicherten Verhältnissen aufgewachsen seid, ihr habt’s verkackt. Ihr hab weggehört als die ersten ökologisch denkenden Menschen Ende der siebziger Jahre vorgerechnet haben, dass es so nicht weitergehen kann mit dem Wachstum und dem Konsum, der für Wachstum sorgt. Anstatt auf den Ökokiller Auto zu verzichten, greift ihr in ekligster Bigotterie alle vier Jahre zu einer neuen Kiste, die bisschen weniger Sprit verbraucht, aber in der Herstellung beispielsweise fast eine Viertelmillion Liter Wasser frisst. Um EINEN sparsamen Koreaner von Busan nach Bremerhaven zu schiffen, wird genauso viel Brennstoff verbraucht wie der im Normalbetrieb in vier bis sechs Jahren verbrennt.
Und für eure irre Autofahrerei findet ihr immer wieder tolle Argumente. Draußen auf dem Land und in der Vorstadt, da ist ja der ÖPNV nicht so dolle, da ginge es ohne ein, zwei, drei Autos nicht. Warum seid ihr denn dahingezogen? Um den Kindern eine Kindheit in der Natur zu ermöglichen? Euren Kindern … auf Kosten anderer Kinder in Afrika, Asien und Lateinamerika! Warum muss Mutti ein SUV haben? Weil Vati Mutti zeigen will, dass er sich um sie sorgt und deshalb automobile Sicherheit anschafft?
Ihr reist mit den Blecheimern durch ganz Deutschland und halb Europa, um Urlaub zu machen. Da fährt eine vierköpfige Familie beispielsweise 1.300 Kilometer an einen französischen Strand. Damit verbraucht der Clan auf den rund 3.000 Kilometern (inkl. Rumfahren vor Ort) etwa achtmal so viel Energie wie gebraucht würde, um die vier Menschen samt Gepäck im Zug zu transportieren. Oder ihr fliegt mit Kind und Kegel in vier Stunden auf die Kanaren. Im Vergleich zu einer etwa gleich weiten Autoreise (also etwa von Flensburg bis nach Sizilien) wird dabei pro Kopf 32-mal so viel Energie verschleudert. Und: Bei einem einzigen Ferienflug nach Tunesien wird so viel Energie verschleudert wie eine Zwölfpersonenfamilie in den Philippinen in 10 Jahren verbraucht!
Aber auch dafür findet ihr immer wieder gute Gründe. Es sei halt bequemer als mit dem Auto stundenlang im Stau zu stehen. Hey, ihr SEID der Stau! Weil ihr mit euren ampitierten Moralsystem meint, ihr hättet ein Recht darauf, in die Ferne zu fahren, gibt es so viele Idioten, die mit umweltmordenenden Blechkisten durch die Gegend kariolen. Und wer dann beispielsweise nach Übersee fliegt, um die unberührte Natur im Westen Kanadas zu erleben oder auf den Galapagos-Insel alte Schildkröten zu streicheln, ist einfach nur ein Krimineller.
So lange ihr nicht aufhört, euch selbst zu bescheißen, wird sich gar nichts ändern. So lange ihr eure Autos “Baby” nennt oder “Rosie” oder “Hubert” oder sonstwie, so lange ihr euch in den Blechkisten einrichtet als seien sie mobile Wohnzimmer, so lange wird sich an der Umweltzerstörung durch den Indvidualverkehr nichts ändern. Und wenn ihr meint, ein, zwei, drei oder mehr Hunde oder Katzen zu halten, sei Tierschutz, dann treibt ihr den Blödsinn auf die Spitze. Eine Mietzekatze ist so umweltschädlich wie ein VW Golf, ein Rottweiler kommt in SUV-Regionen, und eigentlich sind nur Hamster und Kaninchen, die mit selbstgepflücktem Wildfutter ernährt werden, klimaneutral.
Und dann habt ihr ein schlechtes Gewissen, wenn ihr mal einen McDonalds-Burger fresst. Ja, ein-, zweimal im Jahr brauch ich das, sagt ihr dann mit einem verlegenen Grinsen. Jeder Fastfood-Hamburger zieht ökologische Folgekosten in Höhe von mindestens 200 US$ nach sich! Die Massentierhaltung in Deutschland hat an der CO2-Bilanz den mit Abstand größten Anteil – noch vor Industrie, Hausbrand und Autoverkehr. Für die Rindfleischerzeugung in Südamerika fällt jedes Jahr Wald einer Fläche, die in etwa Thüringen entspricht. Um Masthähnchen vom Mastbetrieb zum Schlachthif zu transportieren wird in Deutschland in der Summe so viel Energie vergeudet, dass damit die Warmwasserversorgung von Großberlin gesichert werden könnte.
Nein, ihr versteckt euch hinter eurer Heuchelei oder hinter offensivem Egoismus. Ihr seid nicht Opfer dieser Erdvernichtung, ihr seid Täter. Spätestens dann, wenn ihr diese typischen, kreativen Berufe ergreift, die sich darum drehen, den Konsumenten immer mehr Scheiß anzudrehen, den sie nicht brauchen und sich oft nicht leisten können, seid ihr vollends auf der falschen Seite gelandet: auf der Anklagebank.
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Kann ich nen Haken hinter machen: erledigt!
Für mich selbst sind Deine Forderungen bereits seit 25 Jahren Realität. Kein(e): Autos, Urlaubs-Flugreisen, Nahrungsfleisch, Fastfood, Haustiere.
Nach Überprüfung aller damals vorliegenden Fakten fand ich es ökologisch unsinnig und erkenntnistechnisch tieffliegend, wider besseres Wissen das alles auch selbst zu tun. Und wundere mich noch immer, wie angeblich intelligente Menschen ihre Augen wissenentlich verschließen.
Freiwilliger Verzicht (bööööses Wort in deutschen Ohren) genau in diesen Bereichen war meine Antwort auf kapitalistisch verdummte Konsumgeilheit.
Gut bis sehr gelebt habt ich trotzdem, auf andere Art. Und auch Öko-Dummheiten gemacht. Aber nicht dauernd, und nicht ohne Änderung meines Lebenstils NACH der jeweiligen Erkenntnis.
[Antwort]
Rainer Bartel Antwort vom 06.09.10 18:31:
Um 2 Dinge deutlich zu machen:
- Es ist ein Problem der Bourgeosie.
- Es ist die Heuchelei, die mich so ankotzt – nicht das “falsche” Verhalten.
Wenn hysterische Tierschützer/innen irgendwelche Straßenköter vom Mittelmeer, von den Kanaren oder aus Südosteuropa über Tausende Kilometer einfliegen und herankarren lassen, dann ist das einfach nur bescheuert. Und das dann noch irgendwie als moralisch hochstehend zu bewerten ist eklig.
Sich offensiv vegetarisch zu ernähren, aber drei Katzen und einen Hund zu halten ist irrwitzig bigott. Und so weiter.
Diese Art, sich scheinbar verantwortlich zu verhalten, aber tatsächlich das eigene planetschädigende Verhalten nur immer und immer wieder zu bemänteln und zu vertuschen, das ist zutiefst bürgerlich. Das kriegen wir Proletarier so nicht hin…
[Antwort]
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/video-podcast/weltbilder624.html
Rund 1.700 Liter Wasser verbraucht jeder Bali-Urlauber. Doch den Einheimischen mangelt es an sauberem Wasser zum Trinken und Waschen – Krankheiten breiten sich aus.
[Antwort]