Zwischenbilanz: 9 Tage Obama
Ist der kleine Barack hyperaktiv?
Der moderne Mensch neigt dazu, ungewöhnliches Verhalten als krankhaft abzuqualifizieren. So ist es heute in aller Blödmänner Munde, einen Menschen, der etwas tut und in Bewegung ist, als “nervig” und hyperaktiv zu brandmarken und ihm die tägliche Dosis Ritalin zu empfehlen. Da es nimmt nicht weiter wunder, dass flachhirnige Zeitgenossen das Treiben des neuen US-Präsidenten Barack Obama nach diesem Muster beurteilen und sich fragen, was der denn im Rest seiner Amtszeit machen will, wenn er schon in den ersten neun Tagen derart viele Baustellen aufmacht und bearbeitet. Derartige Fehleinschätzungen dürften ihren Grund darin haben, dass vor Obama zwei ausgesprochene Faultiere den Sessel im ovalen Office des weißen Hauses vollfurzten. Legendär sind die ersten 100 Tage des zigarrentunkenden Bill Clinton, dessen Team der Unerfahrenen ein Mordschaos anrichteten, sodass die Administration erst nach fünf Monaten aus dem Quark kam.
Beim leicht unterbegabten George W. Bush dauerte es noch länger. Der schaffte es zwischen der Inauguration und dem 11. September 2001 gerade mal, zwei Initiativen in Gesetze umzumünzen und durch den Kongress peitschen zu lassen. Okay, die Clintonista hatte es ihm und den seinen aber auch nicht leicht gemacht und die Infrastruktur des Weißen Hauses in Schutt und Asche gelegt; wer erinnert sich nicht noch daran, dass beim Einzug von Dubya alle W-Tasten an den Computern fehlten?
Das Ende der journalistischen Deutungshoheit
Dergleichen fanden Barack Obama und sein Team anscheinend nicht vor. Dafür aber eine technisch extrem rückständige Kommunikationsinfrastruktur. Damit hatten die Betreiber der Obamania aber offensichtlich gerechnet und sich auf eine Internetisierung der Regierung bestens vorbereitet. Schon am 21.01.2009, also am Tag nach Baracks Amtseinführung, ging die brandneue Whitehouse-Website online – inklusive Blog! Soviel Transparenz war nie, und die verwöhnte White-House-Journaille jault erwartungsgemäß auf. Dass Obama seine wöchentliche Ansprache (Weekly Address) nun per eigenem Youtube-Kanal verbreitet, ist ja für die Schreibfinken schon schwer zu ertragen. Dass seine Medienmädels und -jungs aber dem vom Vater auf den Sohn vererbte Journalistenrecht auf einen Platz in der Präsi-Pressekonferenz jede Exklusivität nimmt, macht sie radekastendoll. Es geht um die so genannten “Pool Reports“, eine Sammlung von Fakten und Eindrücken der priviligierten Berichterstatter, die diese den weniger gut gestellten Kollegen zur Verfügung stellten. Obamas Presseabteilung ließ die in den ersten Tagen per Mail an den kompletten Verteiler schicken, und es stand zu befürchten, dass die gemischten Berichte auch auf der Website des Weißen Hauses jedermann zugänglich sein würden. So weit kam es nicht. Die Deutungshoheit der akkreditierten Korrespondenten, die sich in der exklusiven White House Correspondents’ Association (WHCA) zur Wahrung ihrer Privilegien versammelt haben, schwindet dahin.
Ähnlich ging es zu Zeiten von John F. Kennedy übrigens den Radioreportern, die noch unter Dwight D. Eisenhower für die Verbreitung präsidialer Botschaften und deren Deutung zuständig waren. Aus dieser Zeit stammt übrigens die berühmte Weekly Address. Auch wenn Kennedy nicht bewusst auf die Information seiner Bürger per TV zielte, so wurde er doch der erste Fernsehpräsident der USA. Aus dieser Zeit, den frühen 60ern des vergangenen Jahrhunderts stammen teilweise noch Fossile wie Bernard Kalb, die immer noch das bestimmen, was das amerikanische Stimmvieh im Fernsehen aus dem Weißen Haus erfahren soll. Aber auch diese dynastische Clique an Talkmastern, Meinungsköpfen und Ankermännern der Nachrichtensender kommt nun zu kurz. Das erste größere Interview im US-Fernsehen hat Obama dieser Tage dem NBC-Mann Matt Lauer gegeben. Gesendet wird es- sensationell! – während der Pre-Game-Show vor dem Superbowl am kommenden Sonntag. Das ist ein Coup, der zweierlei zeigt: Die massive Kompetenz der Obama’schen Medienmannschaft und die Furcht der Fernsehmacher, sie könnten mittelfristig wegignoriert werden.
Taten und Worte
Bei Barack Obama den Spruch abzulassen, er würde Taten vollbringen statt Worte zu produzieren, geht daneben. Denn der Mann kann beides: Reden und Machen. Und das sogar fast simultan. Als aktiver Linkshänder zählt er offensichtlich zu der Sorte, die – kaum ist die Campinggruppe am geplanten Übernachtungsplatz angelangt – SOFORT Anweisungen erteilt, während er gleichzeitig und eigenhändig die Zelte aufbaut. Nein, er hat ja auch keine Zeit zu vergeuden, denn es gibt viel zu tun in den USA und in der Welt, was durch Aussitzen à la W und Kohl nur schlimmer würde. Schon am Morgen nach der Inauguration unterzeichnete der gute Barack einen Stapel Anweisungen – vor allem, um die schädlichsten Dinge aus Bushs Erbe zu entschärfen.
Dazu zählt der Befehl, mit den Vorbereitungen zur Auflösung des Folterlagers in Guantanamo zu beginnen. Tatsächlich arbeitet sich der neuen Präsident an der Liste seiner Wahlversprechungen ab, was so kaum ein gewählter Volksvorturner jemals versucht hat. Dabei setzt er seine Prioritäten streng nach dem Eisenhower-Prinzip. Das besagt, dass man alle anstehenden Aufgaben in einer Matrix mit zwei mal zwei Feldern anordnen und beurteilen kann. Die X-Achse steht für die Wichtigkeit, die Y-Achse für die Dringlichkeit. Todos, die weder eilig, noch wichtig sind, landen im Mülleimer. Ist etwas zwar dringlich, aber von minderer Bedeutung, wird es delegiert. Dinge, die wichtig, aber nicht eilig sind, werden in die Planung aufgenommen. Und im Quadranten B2 stehen dann die Aufgaben, die SOFORT angepackt werden müssen.
Dazu zählen aus Sicht des US-Präsidenten No.44 und seiner Berater natürlich die schwere Krise der Ami-Wirtschaft und das Bekämpfen der Kriegsbrandherde in der Welt. Während hierzulande Konjunkturpakte für die Reichen und Schönen gepackt werden, muss sich Obama drüben mit einem wahren Steppenbrand rumschlagen, der die USA bis zu 30% ALLER Arbeitsplätze kosten und innerhalb weniger Jahre ein Absinken auf das Wohlstandsniveau von – sagen wir mal – der Türkei eintragen könnte. Insofern war klar, dass einer wie Obama nicht bloß Vorschläge diskutiert, sondern lieber gleich Befehle erteilt. Ob das für die Welt außerhalb Nordamerikas so erfreulich wird, bleibt abzuwarten.
Ein genialer außenpolitischer Schachzug gelang dem Oberamerikaner mit seinem Interview auf dem arabischen Sender Al-Arabija, in dem er ausdrücklich erklärte, dass die USA nicht (mehr) jeden Moslem als Staatsfeind betrachten und allen wohlmeinden Islamgläubigen auf der Welt eine partnerschaftliche Hand reichen. Man stelle sich vor, ein muslimischer Bauer in Indonesien erfährt, dass ein US-Präsident mit dem zweiten Vornamen Hussein derartiges erklärt. Da verfliegt der Anti-Amerikanismus, den die durchgeknallten Mullahs der islamischen Welt mühevoll aufgebaut haben, doch in Minuten.
Klar dass dafür Al-Arabija herhalten mussten, denn der Sender zählt inzwischen zu einem saudischen Konzern. Und keiner hat die Hosen in Richtung radikaler Islamisten so voll wie die Demokratieallergiker von der arabischen Halbinsel. Das Ziel der Übung war aber im Wesentlichen, den Antreiber von dshihad-ähnlichen Vorhaben den militanten Wind aus den Segeln zu nehmen. Warum soll sich der 16-jährige Achmed vor einem amerikanischen Hotel in die Luft sprengen, wenn die Amerikaner nicht mehr der böse Feidn des Islams sind?
Damit legen Obama und seine äußere Hillary auch den Grundstein für eine langfristige Befriedung Palästinas, denn hassen und bekämpfen kann nur, wer etwas zum Hassen und Bekämpfen vorfindet. Gut möglich, dass diese neue Middle-East-Politik auch die Falken aus der israelischen Regierung treibt. Und das wäre der notwendige Anfang für alles andere.
Zielstrebig und fleißig
Wie gesagt: Derart ereignis- und ergebnisreiche erste Tage hat in der Geschichte bisher kaum ein US-Präsident abgeliefert. Es muss am Wesen Obamas liegen, der offensichtlich nicht nur ehrgeizig und rhetorisch begabt ist, sondern auch enorm fleißig und zielstrebig. Damit unterscheidet er sich um mindestens 90 Prozent von seinen Vorgängern der letzten 16 Jahre. Das lässt zumindest die Amis auf bessere Zeiten hoffen. Ja, er kann.
Was haben der schwarze Messias und G. “ex Bundeskanzler” Schröder gemeinsam? Sie nennen sich beide Demokraten. Und sonst? Vermutlich nicht viel. Der größte Unterschied sind wohl aber wirklich die ersten 9 und vermutlich auch 100) Tage. Ich frage mich bis heute noch wie man nach 16 Jahren mit dem “ewigen Kanzler” kein Konzept in der Schublade hat und es in nicht mal nach acht Jahren schafft vor allem für Hartz IV in den herzen der Menschen zu bleiben.
Für Obama wünsche ich mir dass er wenigstens einen Bruchteil seiner großen und inspirierenden Reden umsetzt, denn damit wäre Amerika schon geholfen. Aber so schön wie seine Reden sein mögen…. es ist nicht alles Gold was glänzt.
Und Ritalin passt wirklich nicht zu Obama. Straterra vielleicht schon ein wenig besser.