Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Sardana spielen wollt
Im Sommer 1982 machten zwei Familien Urlaub auf Mallorca. Während die Mütter mit den Klienstkindern dorthin flogen, fuhren mein bester Freund, seine sechsjährige Tochter und ich mit dem Auto quer durch Frankreich und Katalanien, um dann von Barcelona aus mit der Fähre überzusetzen. Die vorletzte Etappe führte uns von Clermont l’Herault nach Caldes d’Estrac, was etwa 40 Kilometer nordöstlich von Barcelona liegt, also an der Costa del Maresme, die südlich der Costa Brava folgt. Der Ort wurde damals allgemein Caldetas genannt und leidet fürchterlich darunter, dass ihn die Schnellstraße N-II auf Stelzen in knapp 200 Meter Entfernung vom Strand zerschneidet. Und darunter verläuft dann auch noch die Bahnlinie.
Gegen jede Vernunft und weil Caldetas wegen des Wochenendes überfüllt war, nahmen wir in Zimmer in einem Hotel, dass direkt an der Hochstraße lag; der Balkon meines Raums befand sich exakt auf Höhe der Fahrbahn.
So saßen wir im Herzen Katalaniens. Da es noch recht früh am Nachmittag war, beschlossen wir, ein bisschen im Meer schwimmen zu gehen. Obwohl viele Katalanen (und Spanier?) am Strand lagerten oder flanierten, waren wir fast die Einzigen, die ins Wasser gingen. Dann nahmen wir ein Abendessen und gingen noch ein wenig runter zur Promenade. Ein paar Leute trugen Klappstühle herbei. Elf Musiker kamen, setzen sich und begannen zu spielen. Eine fremdartige Musik mit eigenartigem Rhythmus. Wie aus dem Nichts traten Menschen verschiedensten Alters vor die Band und begannen zu tanzen. In der Truppe gab es einen Kontrabass, drei Trompeten und sieben Klarinetten oder Sayophone. Später erfuhren wir, dass es sich um die Sardana, den Volkstanz der Katalanen handelt, der bis auf den heutigen Tag überall stattfindet, wo es Katalanen gibt.
Eine solche Band nennt man eine “Cobla“; sie besteht immer aus elf Musikern, die zwölf verschiedene Instrumente spielen, von denen maximal eines ein Saiteninstrument ist. Und das hört sich so an:
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Am folgenden Tag fuhr ich mit dem Zug nach Barcelona und stromerte stundenlang durch die Stadt. So gelangte ich am späten Nachmittag an den Mercat del Guinardó. Und was fand dort statt? Richtig: Eine Cobla spielte und zehn, zwölf Tanzkreise bewegten sich dazu…
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