Hamas und Israel gegen das Volk

Kein Brot in Gaza

brot_fuer_gaza.jpgKrieg ist Scheiße, immer. Es gibt keinen gerechten Krieg, und wer einen Krieg als Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung beschönigt, macht sich mit den Kriegsverbrechern gemein. Wo Militärs das Sagen haben, geht die Wahrheit verloren. So auch in diesen Stunden, in denen der Staat Israel nach wie vor Angriffe auf Ziele im Gaza-Gebiet fährt. Was uns die Generäle und ihre willigen Helfershelfer weismachen wollen, ist dass die israelische Luftwaffe “chirurgische Eingriffe” gegen die terroristischen Arschlöcher der Hamas durchführt. Diese menschenfeindliche Lüge haben schon die Amerikaner in ihren Golfkriegen über die gleichgeschalteten Medien verbreitet. Der Staat Israel tut es ihnen nach und verhindert die freie Berichterstattung über das, was sich seit acht Tahen in Gaza abspielt. So kann man sich eine unabhängige Meinung praktisch nur aus den Blogs von Menschen bilden, die in Gaza sitzen und bloggen oder Augenzeugenberichte aus erster Hand bekommen und verbreiten.

Aus diesen Berichten wird klar, dass die Schuld am ganzen Desaster auf zwei Seiten säuberlich verteilt liegt: Auf denen der Hamas, einer menschenfeindlichen Terrororganisation, die ein Volk als Geisel hält, und auf denen der Verantwortlichen des Staates Israel, die diesen Krieg befohlen haben. Krieg ist immer Scheiße, weil er immer auch Menschen betrifft, die sich nicht beteiligen wollen. Wie viele der rund 400 Toten und etwa 2.000 Schwerverletzten, die ohne ausreichende medizinische Betreuung in den Krankenhäuser liegen, tatsächlich Mitglieder der Hamas oder deren Kämpfer sind, weiß niemand. Es werden nicht alle sein, und da die Hamas seit ihrer Machtergreifung das palästinensische Volk mit allen Mitteln einer Diktatur unterdrückt, wird selbst der Anteil an Symphatisanten unter den Opfern gering sein. Was die Hamas seit mindestens zwei Jahren vorbereitet, ist eine Neuauflage der Intifada. Zu diesem Zwecke hat sie in ihrer Eigenschaft als regierende Partei die Wirtschaft in Gaza systematisch runiniert. Nur eine zunehmende Verelendung im Verein mit einer ständigen anti-israelischen Propaganda würde den Widerstand der Palästinenser wieder hochkochen. Der Staat Israel war dumm genug, diesen miesen Schachzug durch die Abriegelung des Gaza-Gebiets noch zu verstärken. So ist die Versorgungslage in Gaza nicht erst seit Kriegsbeginn destatrös – Strom-, Wasser- und Brotversorgung entwickeln sich seit Anfang 2007 stetig abwärts. Dafür verantwortlich ist die Hamas, die als gewählte Partei vollständig versagt und ihre Macht zu menschenfeindlichen, radikalislamistischen Zwecken missbraucht hat. Insofern ist es richtig, zu versuchen, die militärische Macht der Hamas zu schwächen.

Nur tut der Staat Israel das auf dieselbe Weise wie sie es im Falle der Hisbollah im Libanon in 2006 getan hat: Durch massive und rücksichtslose Kriegführung, die im Wesentlichen zu Lasten der Zivilbevölkerung geht. Diese besteht sowohl im Südlibanon wie in Gaza zum größten Teil aus palästinensischen Flüchtlingen der ersten, zweiten und dritten Generation. Jeder Krieg, den der Staat Israel gegen Gruppen geführt hat, die von sich behaupten die Rechte der Palästinenser zu verteidigen, hat zur Stärkung der militanten Anhänger dieser Gruppen geführt. Jeder dieser Kriege, angefangen mit dem Krieg im Libanon 1982, hat den radikalislamistischen Terroristen – ob Hisbollah oder Hamas – Zustimmung unter den Palästinensern gebracht und eine grundlose Solidarität der Moslems in aller Welt. Aus einem Konflikt um die Nutzung des Landes von Palästina ist so über 30 Jahre ein Religionskrieg geworden – und das ist der Grund dafür, dass der Konflikt andauert.

Zur Stunde demonstrieren hier in Düsseldorf einige Tausend Menschen gegen die israelische Kriegsführung. Vor dem Bäcker sah ich eine verschleierte Frau deren ebenfalls verschleierte Tochter eine palästinensische Flagge trug. Im Moment hört man den Hubschrauber über dem Bahnhofsviertek kreisen. Es werden etliche Radikalislamisten unter den Demonstranten sein, und sie werden die Gunst der Stunde nutzen und neue Mitkämpfer rekrutieren. Sie werden ihre islamistischen Lügen verbreiten, und die Menschen werden ihnen glauben, weil man sie in den Moscheen dumm hält. Nur wenn es gelingt, in Palästina, aber auch in den mehrheitlich von Moslems bewohnten Ländern der Welt, den Einfluss der Religion durch Bildung für alle zurückzudrängen, wird es Frieden geben. Nur dann.


» Bericht von Rainer Bartel am 03.01.09 um 13:21 » in Kategorien: Ausland » 795 x gelesen » 2 x kommentiert
» Schlagworte: , , , , , ,   

  1. Ihr Wort in Gottes Ohr!

     
    Kommentar von Joachim Reinhold am 03.01.09 um 17:23
  2. Das ganze dreht sich doch in einem ewigen Kreis. Die gemordeten Kinder und Unbeteiligten auf beiden Seiten (für die der zynische Begriff “Kolateralschäden” kreiert wurde) haben weder die Hamas noch die israelischen Falken gewählt. Ihre Eltern, die auch Kinder dieses Konflikts sind, sind entweder von dem (auch) hier beschriebenen medialen/radikalen/demagogischen Brainwashing entweder geblendet oder aufgrund von Verlusten Angehöriger von Hass/Rachsucht getrieben. Dass der Ursprung in der desastöre Politik der Briten liegt, ist insofern irrelevant, da in den vergangenen Jahrzehnten kein(e) Politiker, sei es national noch international, entweder geschafft oder zumindest ernsthaft versucht hat (haben), diesen britischen GAU umzukehren oder zu begradigen. Ich frage mich immer, welche Interessen bestimmte “Weltpolitiker” an der Aufrechterhaltung dieses Konflikts eigentlich haben, denn mit einem für beide Seiten auf Respekt basierendem Ansatz hätten die letzten Jahrzehnte gereicht, eine tragbare Lösung herbeizuführen. Die Machtgelüste einiger auf beiden Seiten finden leider anscheinend auch ihre jeweiligen Unterstützer. Ich jedenfalls kann weder das Volk der Israeli pauschal als Unterdrücker noch das Volk der Palästinenser pauschal als Terroristen sehen und umgekehrt. Beide (Völker!) sind für mich Opfer einer menschenverachtenden Machtpolitik, die nicht nur innerhalb dieser beiden Länder gesteuert wird. Ich selbst drehe mich mit meiner “Meinung” auch nur im Kreis. Ich habe in “meinem” Kibbutz abends noch mit Freunden gefeiert, die zwei Tage später von den Golan-Höhen im Sarg nach Hause gebracht wurden, daher steht für mich (zumindest in Verbindung mit den von den “Nachbarländern” ausgehenden Aggressionen im Sechs-Tage- und Yom-Kippur-Krieg) die Selbstverteidigung der Israeli nicht in Frage. Andererseits hat die Politik Israels in den letzten Jahrzehnten keinen Ansatz einer friedlichen Lösung mit den Palästinensern gezeigt, sondern sie haben immer die zionistisch gesteuerten Hardliner an die Macht gebracht.

    Israel ist ein Vielvölkerstaat mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die allein der jüdische Glaube (irgendwie) verbindet. Daher möchte ich an das Ende stellen, was mir Israeli immer wieder gesagt haben und heute noch sagen: Dass nur der Druck von außen das israelische Volk zusammenhält, denn ohne diesen Druck würden in Israel schwere innere Konflikte ausbrechen. Betrachtet man die seit langem bestehende tiefe Kluft zwischen europäisch-amerikanischen und afrikanisch-asiatischen Juden, sollte man diesen Aspekt nicht außer Acht lassen.

    Salam und Shalom

     
    Kommentar von Raf am 04.01.09 um 01:07

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL

Sie müssen eingelogged sein um kommentieren zu können.

blogoscoop