Demos, Streiks und Riots werden brutal niedergeschlagen

Mafifa-WM: Fröhliche Spiele

Südafrika ist das Land mit der weltweit größten Schere zwischen arm und reich. Das Ende der Apartheid hat der afrikanischen Bevölkerung keine Verbesserung ihrer sozialen Situation gebracht. Eher sogar im Gegenteil: So liegt die Arbeitslosigkeit in manchen Regionen erheblich höher als zu Zeiten der Rassentrennung. Das heißt natürlich nicht, dass Apartheid klasse war, sondern dass noch lange keine Gerechtigkeit entsteht, wenn man die schlimmste Unterdrückung abschafft. Nach wie vor ist Südafrika ein Land der Tagelöhner, Wanderarbeiter und Arbeitslosen. Wenn hierzulande irgendwelche Promidioten über die Sicherheit “da unten” spekulieren, dann erzählen sie gern von Überfällen auf Weiße und massenweisem Diebstahl von Touristenhabe. Dass es für viele afrikanische Familie eine Frage des Überlebens ist, den reichen Weißärschen was zu klauen, wird ignoriert. Und hat der liebe weiße Onkel dem Neger einen Job verschafft, dann soll der gefälligst dankbar sein und das Maul halten. Hat er aber nicht, aber die versammelten und verrotteten Medien haben den Aufstand der WM-Stadienordner geflissentlich übersehen. Qualitätszeitungen wie der englische Guardian natürlich nicht. Jetzt ist zudem bekannt geworden, dass es bei den Riots am 14.06.2010 ein Todesopfer auf Seiten der Demonstranten gegeben hat.

Eine Frau starb an den Verletzungen, die ihr von der vorwiegend weißen Polizei zugefügt wurden. Worum ging’s? Die südafrikanische Sicherheitsfirma, die denn offiziellen Auftrag ergattert hatte, den Ordnungsdienst in den WM-Stadien zu stellen, hatte a) seine Mitarbeiter nicht termingerecht bezahlt und wollte b) wesentliche geringere Gehälter zahlen als vereinbart. Darauf traten die Stewards in einen Streik und führten in Durban nach dem Spiel der Deutschen gegen Australien eine Demo durch. Die südafrikanische Polizei schlug mit maximaler Härte zu (siehe auch das Video auf Guardian.co.uk).

Nach langem Hin und Her und massivem Einwirken des FIFA-Orga-Kommitees wurde der Sicherheitsfirma der Auftrag entzogen und diese dazu gezwungen, die Ordner auszuzahlen. Ihren Job sind die aber nun los. Um Sicherheit und Ordnung an den Einlässen der Spielstätten zu gewähren, wurden jetzt massive Polizeikräfte zu diesem Dienst abkommandiert – u.a. rund 500 Polizeikadetten. Das hat zur Folge, dass der Einlass erheblich länger dauert und viele Zuschauer -wie bei einigen Spielen gestern und heute zu beobachten war – erst mit massiver Verspätung ihre Plätze einnehmen konnten. Zudem wurde der Streifendienst vielerorts so eingeschränkt, dass ein südafrikanischer Polizeisprecher Touristen empfahl, sich “auf die veränderte Sicherheitssituation” einzustellen.

Was als kleine Demo begann, zieht nun größere Kreise. Einige Gewerkschaften haben nun zu Demonstrationen gegen due Ungerechtigkeit im Land aufgerufen. Auch vonStreiks war schon die Rede. Beklagt wird, dass vom Ereignis wieder nur die Reichen profitieren und die etwa 35 Mio Euro, die der Staat aufgebracht hat, den Armen auf lange Sicht fehlen werden.

Und was lernen wir daraus: In einem ungerechten Land kann man den Menschen fröhliche Spiele nur vorgaukeln. Und das tun die Medien mit dem üblichen Zynismus.


» Bericht von Rainer Bartel am 16.06.10 um 19:04 » in Kategorien: Ausland,Sport » 1 x gelesen » 4 x kommentiert
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  1. Hallo Rainer,

    in einer Sache muss ich Dir sagen, Du schreibst Bullshit: “…, die ihr von der vorwiegend weißen Polizei zugefügt wurden.” Schau Dir das Video an und Du wirst keinen einen weißen Polizisten sehen! Alles schwarze Polizisten. (Siehst Du einen weißen Polizisten, dann sag es mir.)

    Was ich viel interessanter finde sind die Tonfas der Polizisten. Genau die selben gibt es in Deutschland auch (und in GB, USA, Frankreich, Belgien, etc. wahrscheinlich ebenfalls). Ich bin mir sicher, dass es auch in den letzten Jahren mehrere Projekte gab, die vond er Bundesregierung zum Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen im Polizeiwesen Südafrikas gab. Und so etwas kommt dabei raus. Solche Projekte kann man auf den Nenner bringen: Wie schlage ich meine Bevölkerung rechsstaatlich korrekt zusammen? Oder: Wie schlage ich meine Bevölkerung so zusammen, dass es guter internationaler Praxis demokratischer Staaten entspricht?

    Tagedieb

    Rainer Bartel Antwort vom 16.06.10 22:23:

    Sorry, das ist kein Bullshit: Die Polizisten in Südafrika sind überwiegend weiß. Wie das in Durban ist, weiß ich natürlich nicht…

    Tagedieb Antwort vom 17.06.10 16:29:

    Rainer, das mag sein, dass die meisten Polizisten weiß sind. Wobei ich das nicht glauben kann, denn die erste schwarze Regierung wird alles daran gesetzt haben, den Polizeiapparat loyal auszugestalten, sprich, alle Führungspositionen durch Schwarze zu ersetzen, anyway.

    Schau bitte einfach mal das Video an, da findest Du Schwarze (aller Schattierungen) und auch indisch anmutende Gesichter, aber kein einziges weißes. Deshalb schrieb ich “Bullshit”.

    Tagedieb

     
    Kommentar von Tagedieb am 16.06.10 um 22:20
  2. In der Halbzeitpause Frankreich-Mexiko brachte “heute” einen kurzen Bericht über die Streiks. Was mir auffiel war 1.) die Aussage, die Security-Mitarbeiter streikten für höhere Löhne, ohne aber zumindest zu erwähnen, dass diese vorher willkürlich um 4 Euro gekürzt worden waren und 2.) die WM weiterhin absolut sicher sei. Also im im Sinne, dass der Konsument hier oder vor Ort sowohl sein Brot als auch die Spiele bekommt.

     
    Kommentar von Raf am 18.06.10 um 00:22

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