Warum die Show wirklich weitergehen muss
Gestern ist der georgische Rennrodler Nodar Kumaritaschwili tödlich verunglückt. Mit über 140 km/h ist er bei einem Trainingslauf in der Bahn von Whistler hinter der Ziellinie rausgeflogen und mit Kopf und Rücken gegen einen Stahlträger geprallt. Auf dem Weg ins Krankenhaus starb er. In den Nachrichten von ARD und ZDF sah man prächtige Bilder vom Unfall; es fehlte bloß noch, dass Zeitlupen und Vergrößerungen eingeblendet wurden. Sichtlich geschockt berichtet allein der ZDF-Reporter vom Ort des Geschehens. Er hatte, auf dem Dach der Reporterkabine stehend, den Sturz aus knapp 15 Metern Entfernung mitbekommen. Und dann hatte man den IOC-Vizepräsident Thomas Bach ins ARD-Olympia-Studio geladen. Und da saß diese heuchlerische Funktionärsmumie dann und versuchte abzuwiegeln.
Rodeln sei nun mal ein Rennsport und gefährlich. Als der Moderator kritisch nach der Sicherheit der Bahn fragte, wurde Bach aggressiv. Man erinnere sich: Diese Type, die seit Jahren den Posten des IOC-Bosses anstrebt, hatte einen Beratervertrag mit Siemens, der ihm neben 400.000 Euro Jahresgebühr auch noch 5.000 Euro Tagesspesen eintrug. Das passt zu dieser semi-kriminellen Vereinigung, deren Geschäft das Heucheln ist.
Ob IOC-Präsident Jaques Rogge bloß schauspielte, ob er bloß Sorgen hatte, die Spielen könnten ausfallen, oder ob er echte Trauer um Nodar empfand, weiß niemand, sein Gesülze über die Sportler, die sich ihren Traum erfüllen wollen, war unerträglich.
Nein, Leistungssportler sind nicht mehr und nicht weniger als Kleinunternehmer, als Freiberufler, die ihren Körper verkaufen. Dafür riskieren sie ihre Gesundheit und ihr Leben. Geht’s gut, werden sie so gut honoriert, dass sie nach dem Ende der Karriere nie wieder ernsthaft arbeiten müssen. Geht’s schief, sind sie tot, gelähmt, beschädigt, krank, arbeitsunfähig und/oder verarmt.
Diesen Freelancern noch mit dem Klischee vom Zusammentreffen der Jugend der Welt zum friedlichen Wettkampf zu kommen, ist nicht nur bigott, sondern menschenverachtend. Der Leistungssport allgemein und die olympischen Spiele insbesondere sind ein Teil der Entertainment-Industrie. Und wie jede Industrie, die mit menschlichen Körpern handelt (wie auch die Pornobranche), ist auch diese extrem brutal. Die olympischen Spiele finden nur statt, um Fernsehbilder zu produzieren, die dann als Umfeld für Reklame dienen.
Deshalb müssen die Spiele weitergehen, deshalb muss auch auf der Todesbahn von Whistler weitergerodelt werden, damit weiter Bilder produziert werden können, für deren Nutzung viel Geld bezahlt wird. Darum geht es. Und um eine solche zynische Veranstaltung zu betreiben, braucht man solche miesen Funktionärstypen wie den Bach oder den Mann, den Joseph Beuys ein Arschloch genannt hat.
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Ich frage mich welcher kranke Regisseur es zu verantworten hatte, dass sich zur besten Fernsehzeit mein Magen umdrehte. Ist es nicht schlimm genug dass die “harmloseren Amerikaner” die Kurven mit reißerischen Namen lobhudeln, um deren Gefährlichkeit zu unterstreichen? Muss man einen so vorhersehbaren Tod so anschaulich zum Medienereignis werden lassen? Danke an die Verantwortlichen, dass ich 1:1 sehen musste wie sich ein Mensch um einen Pfeiler wickelt.
Und da regen wir uns über Kinder auf, die sich gefakte Morde auf dem Handy anschauen….
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