Das Ende aller Ölvorräte schon in Sichtweite
Während Millionen Flachköpfe – vor allem in den reichen Schmarotzer- und den so genannten “Schwellen”-Ländern – immer noch glauben, sie könnten in 20, 30 Jahren immer noch mit stinkenden, lärmenden und Erdölprodukte verbrennenden Mordinstrumenten auf Rädern durch die Pampa kariolen, bestätigt jetzt sogar die notorisch industriefreundliche Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem “World Energy Outlook 2010“: Peak Oil ist da oder sogar schon überschritten. Bis zur Veröffentlichung dieser Studie galt der Begriff “Peak Oil” als polemisches Kampfwort radikaler Umweltschützer; jetzt benutzt selbst die IEA ihn. Gemeint ist der Zeitpunkt, ab dem die Fördermenge von Erdöl nicht mehr steigt, sondern absinkt. Das ist notwendigerweise so, denn die Vorräte an fossilen Rohstoffen sind von Natur aus begrenzt. Eine eher unscheinbare Grafik [Klick aufs Bild macht's groß] in der Studie zeigt, dass die Fördermengen aus den bekannten Ölfeldern (dunkelblau) schnell und drastisch abnehmen werden und vermutlich gegen 2050 auf nahe Null absinken werden. Im Klartext: Werden keine neuen, bereits bekannten Felder erschlossen und/oder keinen neuen Felder entdeckt, gibt’s ab diesem Zeitpunkt kein Rohöl mehr, aus dem man Benzin, Diesel. Kunststoff etc. herstellen kann.
Aber selbst wenn die bekannten Ölfeldern rasch erschlossen würden, ließe sich das Ende des Ölzeitalters vielleicht um 30, 40 Jahre hinauszögern. Ob wirklich noch einmal Lager entdeckt werden, die mit wirtschaftlich sinnvollem Aufwand erschlossen werden können, gilt unter Fachleuten als fraglich. Auch die so genannte “inkoventionelle Ölförderung” – also das Ausquetschen von Ölsand und -Schiefer – hilft nicht weiter. Annähernd stabil und auf relativ längere Zukunft nutzbar bleiben Erdgasvorräte.
Übrigens: Die in der Studie skizzierte Entwicklung hat die industriekritische Energy Watch Group bereits im Jahr 2006 in ihrer Erdölstudie vorhergesagt.
Was aber geschieht, wenn es keine Erdölprodukte mehr gibt? Ganz sicher aussterben werden Verbrennungsmotoren. Während für landgebundene Indvidual- und Massenverkehrsmittel (Pkw, Bus etc.) der Elektroantrieb als Alternative vorstellbar ist, wird die Seeschifffahrt in Schwierigkeiten geraten; der Luftverkehr könnte sogar ganz zum Erliegen kommen. Aber auch das “Elektroauto” selbst hat eine Art Peak Oil in Sichtweite: So lange die Akku-Technologien auf Lithium oder andere Elemente aus dem Kreis der Leichtmetalle setzt, stellen die Förder- und Recycling-Mengen diese Grenze dar – bei Lithium könnte die ebenfalls schon in diesem Jahrhundert erreicht werden.
Alles in allem wird diese Rohstoffentwicklung heute noch (fast) unvorstellbare Veränderungen in den Bereichen Transport und Verkehr auslösen. Denkbar ist das völlige Ende von Urlaubsreisen zu Zielen, die nicht mit dem Zug zu erreichen sind. Hochwahrscheinlich ist das explosionsartige Ansteigen von Warentransportkosten, die den globalen Handel zum Erliegen kommen lassen könnten. Die Produktion aller möglicher Waren müsste wieder dezentralisiert werden. Alles würde teurer, Wachstum gäbe es nicht mehr…
Und die schlechte Nachricht für Freunde der “sauberen” Atomkraft: Peak Uranium hat die Menschheit schon seit Längerem hinter sich; die Stromerzeugung aus radioaktiven Stoffen wird gegen 2060, 2070 zum Erliegen kommen. Wenn die Entwicklung der erneuerbaren Energien aus natürlichen Ressourcen (Sonne, Wind, Wasser etc.) bis etwa 2050 nicht soweit fortgeschritten ist, dass damit der GESAMTE Energiebedarf der dann auf dem Erdball lebenden Menschen gedeckt werden kann, sieht es zappenduster für die Menschheit aus.
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Kleine Anregung, abseits des Automobilbashings: Ein ganz beträchtlicher Teil des Erdöls bzw seiner Produkte (ca. ein Viertel) wird nicht verbrannt, sondern verarbeitet, weil es die einfachste Quelle für Kohlenwasserstoffe ist. Soll heißen, die meisten Produkte der organischen Chemie, die irgendwie Großindustriell hergestellt werden, basieren auf Erdölprodukten. Farben, Lacke, Kunststoff, Medikamente, Plastik, Düngemittel, Textilfasern, alles. Ohne Rohöl also kein oder zumindest wesentlich, wesentlich teurere Nylonstrumpfhosen,
Was wiederum heißt: Die Energieseite von Peakoil könnte bei weitem das kleinere Problem sein.
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Rainer Bartel Antwort vom 12.11.10 13:53:
Danke für diese wichtige Anmerkung!
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Werter Hr. Bartel,
neulich bei dieser Veranstaltung (https://www.uni-rostock.de/nc/en/news-publications/veranstaltungen/event/?tx_cal_controller%5Bview%5D=event&tx_cal_controller%5Btype%5D=tx_cal_phpicalendar&tx_cal_controller%5Buid%5D=7022&tx_cal_controller%5Blastview%5D=view-list%7Cpage_id-54952%7Coffset-1&tx_cal_controller%5Byear%5D=2010&cHash=d6a198b2cd – leider sind die Präsentationen noch nicht freigeschaltet worden) wurde ein Verfahren vorgestellt, das ähnlich der Photosynthese über den Umweg der Ameisensäure zur Produktion von Kohlenwasserstoffen führt, die dann (auch) wieder als Brennstoffe für Kraftfahrzeuge fungieren. Sehr interessant, informativ und einen Weg aufzeigend, der die Elektrofahrzeuge in 30 Jahren auch wieder alt aussehen lassen kann.
Auf dieser Veranstaltung hat übrigens ein Mitglied der Sachverständigen Rates der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU) etwas zur Entstehung und Definition der Ausgangsszenarien für das “neue” Energiekonzept erzählt (der SRU war nicht in die Erstellung des Konzeptes eingebunden). Ich habe darauf gewartet, dass er dieses Energiekonzept als “konterrevolutionär” bezeichnet (hat er aber leider nicht).
Apropos Elektrofahrzeuge, unter Berücksichtigung der Umwandlungsverluste und Speicherverluste liegen die besten Autobatterien momentan wohl bei einer Effektivität von etwa 15%. Bis die Elektrofahrzeuge größere Reichweiten haben, wird es noch dauern. Aus meiner Sicht wollen die großen Energieversorger auf diesem Weg nur ihren Absatzmarkt vergrößern (bzw. den Grundbedarf an Strom weiter hochhalten).
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Rainer Bartel Antwort vom 12.11.10 13:52:
Zunächst: Die im letzten Absatz genannte Meinung vertrete ich auch zu 100 Prozent.
Das Problem des Ende des Öls ist nicht nur eins, das mit Energieversorgung von Verbrennungsmotoren zu tun hat; es geht natürlich immer auch um die Schadstoffe, die bei der Verbrennung freigesetzt werden. Umweltfreundlich im wahren Sinn des Wortes wären nur Indvidualfahrzeuge, die ihre Energie autonom aus erneuerbaren Quellen ziehen – vor allem also welche mit Solarzellen.
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Tagedieb Antwort vom 12.11.10 15:12:
Das war ja der Clou an dem Konzept, das auf der Veranstaltung vorgestellt wurde.
Die natürliche Photosynthese wird unter Nutzung von Strom, der mittels Photovoltaik, Windkraft, whatever, nur eben erneuerbar, im Reagenzglas mit Hilfe von Enzymen nachgestellt und Kohlenhydrate hergestellt. Diese werden im folgenden über den Umweg/Einsatz von Ameisensäure zu langkettigen Kohlenwasserstoffen umgewandelt.
Dann hat man wieder flüssige Treibstoffe, die genauso flexibel eingesetzt werden können, wie alle Erdölderivate. Und das CO2-neutral.
Noch eine Ergänzung zu den Elektroautos (ich kann noch einen drauf setzen): Die Aussage, die Elektroautos würden als Speicher von überschüssigem Strom fungieren, grenzt in diesem Zusammenhang an Schwachsinn. Als ob die Autos den nichtverbrauchten Strom nachts wieder in das Netz einspeisen würden.
[Antwort]
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