Wohin es führt, dass jeder Normalo jederzeit rund um den Erdball düsen kann, um sich irgendwo am Strand zu aalen

Tourismus ist ein Killer

tourismus_betonburgenBei Licht betrachtet ist die Tourismusindustrie in all ihren Facetten symptomatisch für die zerstörerische Kraft des Kapitalismusses. Und auch dafür, dass eine Tätigkeit erst dann zum ökologischen und sozialen Problem wird, wenn sie von Massen massenhaft ausgeübt wird. Begonnen hat der Tourismus einst unter dem Etikett “Reisen”. Aus Spaß an der Freud’ ist bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts praktisch niemand gereist. Wer die Mühen auf sich genommen hat, zu Fuß, auf dem Pferd oder in der Kutsche von A nach B zu reisen, tat das selten freiwillig, sondern um etwas zu erledigen, bestenfalls um etwas zu erforschen. Die ersten Bekloppten, die aus Vergnügen unterwegs waren, rekrutierten sich aus den Kreisen des gelangweilten britischen Adels. Ein wichtiger Faktor war die Erfindung und großflächige Einführung der Eisenbahn, die Vorstellung vom “Abenteuer” und … der Sport! Alles in allem ist das, was wir heute Tourimus nennen, kaum 150 Jahre alt. Zwischen etwa 1860 und 1960 waren Vergnügungsreisen allerdings den Wohlhabenden vorbehalten. Und den Mutigen, die sich mit unzulänglichen Verkehrsmitteln in unwegsamen und gefährlichen Gebieten bewegten, um den Daheimgebliebenen später zu berichten. Die erste große Tourismuswelle war übrigens die der Engländer in die Schweizer Berge. Irgendwelche Earls hatten in Davos oder St.Moritz Einheimische beim Skilaufen gesehen und es ihnen nachgetan. Zuvor waren irgendwelche Lords schon mit Schweizern auf deren Berge geklettert. Und der europäische Adel hatte ein Faible dafür entwickelt, den Sommer an der Cote d’Azur oder sonstwo zu verbringen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren Arbeiter und Kleinbürger von dieser Tätigkeit fast vollkommen ausgeschlossen. Es waren ausgerechnet die Nationalsozialisten, die das Thema “Urlaub” für Normalos aufs Tapet brachten. Das “Kraft durch Freude”-Programm beinhaltete auch organisierte Massenferien; zum Beispiel an der Nord- und Ostsee sowie an den bayerischen Seen. So schlug möglicherweise die Geburtsstunde des Tourismusses, der zu der Zeit in den mediterranen Ländern völlig unbekannt war, in Frankreich, Belgien und den Niederlanden sowie Skandinavien eher etwas für Großbürgerliche war. Es gab ja an den Orten, die sich für die Massenerholung anboten, auch noch keine Infrastruktur.

Erholsame Orte
Etwas älter ist der schöne deutsche Begriff “Sommerfrische” – er entstand im Zusammenhang mit dem Adel und später den kapitalistischen Großbürgern. Letztere hausten ja vorwiegend in den Städten, wo sie auch ihre Fabriken und Handelshäuser betrieben. Und gegen Ende der Gründerjahre waren die Städte höllische Orte: laut, dreckig, stinkend, verseucht. Um dem zu entfliehen, erwarben die Reichen Immobilien auf dem Land. Und weil Gesundheitsexperten damals eine erste Vision vom Nutzen der frischen Luft hatten, taten sie dies in Gegenden weit weg von qualmenden Schloten: in der Provinz, an der See, in den Bergen. An allen Orten, an denen auch Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Sanatorien entstanden, in denen die durchsichtigen Bürgermädchen ihre Schwindsucht auskurieren ließen.

Wieder war es die Schweiz, die entsprechende Infrastrukturen hervorbrachte; schnell kopiert von Österreich, Südfrankreich und Italien. Plötzlich galt es als chic, an die Adria zu reisen und Stunden am Strand zu verbringen. Im gleichen Maße wie Sport gesellschaftsfähig wurde, sich also das kollektive Körperbewusstsein in den fortschrittlichen europäischen Ländern veränderte, verbreiterte sich das Angebot an Betätigungen in der Sommerfrische: schwimmen, turnen, wandern, reiten, ballspielen.
Exemplarisch für die Entwicklung ist die Geschichte des Lido di Venezia nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Auf einer sumpfigen, mückenverseuchten länglichen Insel wurde eine Straße gebaut. Parallel zum Strand. Und dort entstand eine Reihe von Luxusherbergen. Jede mit einem eigenen Strand und allerlei Einrichtungen dort. Hotelgäste konnten sich dort in geräumigen Kabinen umziehen und sich unter ausladendenden Sonnenschirmen auf Stühlen an Tischen bedienen lassen. Der Bademeister wurder erfunden als Lehrer für die Reichen, die das Schwimmen erlernen wollten. Nach und nach kamen billigere Pensionen dazu, in denen das einfachere Volk in den Sommermonaten lebte. Und Strandabschnitte, die keinem Hotel zugeordnet waren. Dann die ersten Strandpächter, die den Normalos ähnliche Services boten.

Beschwerliches Reisen
Bis zu Verbreitung der Schnellzüge, des Automobils und des Verkehrsflugzeugs war das Verreisen eine beschwerliche Angelegenheit. Deshalb bestand der Tourismus bis zu jener Zeit fast ausschließlich aus Kurzstreckenreisen. Berliner, die an die Mittelmeerküste fahren wollten, mussten mit drei bis vier Tagen Reisezeit rechnen. Deshalb verbrachten die Berliner Großbürger ihre Ferien eher an der Ostsee. Münchner reisten an die Österreichischen Seen, Düsseldorfer an die niederländische Küste, Hamburger nach Nordfriesland und so weiter.

Nicht nur die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur machte den Urlaub zur Anstrengung. Gerade Angehörige der Bourgeosie mussten ja auch in den Ferien standesgemäß auftreten. Und das bedeutete: Massen an Garderobe. Was mancher als “Überseekoffer” oder “Schrankkoffer” aus dem Film kennt, war ja tatsächlich ein Möbel, das nicht so einfach zu bewegen war. Deshalb entstand rund um den anschwellenden Tourismus der Beruf des Gepäckträgers oder – wie er charmant im Süden des deutschen Sprachrraums heißt – “Dienstmann”. Das war ein Dienst(Sic!)leister, der sich ums Reisegepäck kümmerte. Man schickte nach dem Gepäckträger, wenn man sich auf Reisen begab. Der kam ins Haus und transportierte die Koffer und Taschen mit seinem Handkarren zum Bahnhof, wo er das Gepäch in den Gepäckwagen verlud. Nicht ohne vorher Zettel auf jedes Stück zu kleben, aus dem der Zielort hervorging. Angekommen luden Bahnbeamte alle Stücke aus, die für den jeweiligen Ort bestimmt waren. Nun rief man einen Gepäckträger, zeigte ihm die eigenen Koffer und Taschen, die dieser dann wiederum ins Hotel schaffte.

Urlaub statt Alltag
Menschen meiner Generation werden sich daran erinnern, dass in den fünfziger Jahren “Ferien” und “Wegfahren” nicht synonym waren. Wer als Großstädter Verwandte auf dem Land hatte, war fein raus, denn der konnte dort seine Ferien verbringen. Wer einen gutverdienenden Vater hatte, genoß das Privileg, in einen Bade- oder Kurort zu verreisen. Erst die Massemotorisierung ermöglichte es auch Normalverdienern zu verreisen. Traumziel für viele Nord- und Westdeutsche waren zunächst Bayern und – beinahe schon exotisch – Österreich. Traumziel für viele Süddeutsche waren dagegen Nord- und Ostsee. Etwa ab 1955 begann die kurze, aber heftige Ära der Ferienzüge. Reiseveranstalter, deren Namen heute längst vergessen sind, charterten ganze Züge, die Urlauber aus den Zentren an die See oder in die Berge brachten. Im Sommer 1968 bin ich so mit meinem Freund Jörg, dessen Bruder und dessen Mutter so in die Ferien nach Travemünde gereist. Der Zug kam, wenn ich mich recht erinnere, aus Köln, hielt außer in Düsseldorf noch in den Ruhrgebietsmetropolen, um dann von Dortmund aus durchzufahren.

Die Begeisterung der Deutschen fürs Auto führte aber rasch zu Konkurrenz für die Eisenbahn. Wer einen eigenen Wagen besaß und es sich leisten konnte, fuhr nun in Urlaub – so weit weg wie’s eben ging. So kamen Ende der Fünfziger die Deutschen nach Italien, vorzugsweise an die Adria. Auch in Südfrankreich landeten einige, und manche schafften es bis nach Spanien an die Costa Blanca.

Waren die KdF-Angebote noch vor allem durch den Wunsch nach “Volksgesundheit” motiviert, stand jetzt die Sehnsucht nach der Ferne und Fremde im Mittelpunkt. Ehemalige Wehrmachtssoldaten wie mein Vater, meine Onkel und verschiedene Bekannte hatten ja im Krieg “die Welt gesehen” – nur leider immer als Eroberer, als Feinde der Einheimischen. Jetzt wollten sie als Gäste in Gegenden kommen, deren Schönheit sie gesehen, aber nicht hatten genießen können. Die Deutschen wollten nicht mehr Eroberer sein, sondern friedliche Sommerfrischler. Und lernten andere Kulturen kennen.
Jetzt ließ man sich von der legeren Art der Italiener inspirieren, von der Fröhlichkeit der Alpenbewohner und der Bodenständigkeit der Bayern. Nun entstand die Sichtweise, dass der Urlaub anders zu sein habe als der Alltag. Die Idee, man müsse sich “erholen”, entstand. Und wurde gehirnwäschenartig von den Medien verbreitet. Der Alltag wurde zunehmend als stressig und frustrierend erlebt, der Urlaub als das faule und entspannte Gegenteil. Aus einem Volk mit hohem Arbeitsethos wurde eine Gesellschaft, die darüber stöhnte, für Geld arbeiten zu müssen.

Strukturwandel
Mit wachsenden Urlauberzahlen wurde deutlich, dass ein industrieller Massentourismus extreme Gewinnspannen für Veranstalter und Vermittler ermöglichte. Denn in den Zeiten vor der Europäischen Union und der gemeinsamen Währung gab es astronomische Unterschiede zwischen Kosten und Preisen in Deutschland und im europäischen Ausland – besonders im mediterranen Raum. Aber selbst in Bayern war das Wirtshausessen um etliches billiger als de Mahlzeit im Düsseldorfer Restaurant. Mein Vater liebte – zum Leidwesen seiner Kinder, die lieber ans Meer gefahren wären… – die Berge. Deshalb verbrachten wir in der ersten Hälfte der sechziger Jahre die Ferien immer in Bayern.
Und das war eine ziemlich exotische Gegend in jenen Jahren. Bis auf die wenigen Industriestandorte war der Freistaat nicht nur durchweg agraisch, sondern auch extrem zurückgeblieben. Hochdeutsch wurde auf dem Land nicht gesprochen, aber oft auch kaum verstanden. Die Kinder besuchten die Schule nur in dem Maße, in dem es das Gesetz vorschrieb, und mancher Gastgeber gestand, dass die Buben natürlich während der Ernte mithelfen mussten und so den Unterricht schwänzten.

Schön war’s im Bayernland. Sauber, unverbaut, ursprünglich. In den Flüssen, Seen und Bergbächen konnte man unbedenklich baden. Dafür war das Entertaiment-Angebot in den Zeiten der Beatles geradezu absurd altmodisch: Heimatabende wurden veranstaltet, bei denen welche zitherten, andere bliesen, machen herumhopsten und einige in merkwürdigen Zungen eigenartige Geschichten erzählten. Aber immer reichlich zu essen.
Tatsächlich, das sagte mein Vater mal, kostete eine Mahlzeit im Gasthaus für die fünfköpfige Familie in Bayern kaum die Hälfte von dem, was zuhause fällig gewesen wäre. Das natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Eingeborenen, so sie nicht Landbesitzer waren, erbärmlich wenig verdienten. Das Bruttosozialprodukt Bayerns war bis Ende der sechzige Jahre so schwach, dass der Freistaat von anderen Bundesländer im Wege des Strukturausgleichs finanziert wurde. Und in den Zeiten des Aufbaus war es vor allem das Ruhrgebiet mit seiner immensen Wirtschaftskraft, das Bayern vor dem Verarmen schützte.

Neben der Landwirtschaft gab es nur den Tourismus, der die Landbevölkerung ernährte…

Ferienflieger
Die Grundlage für das rasante Anwachsen des Tourismusses war die Erfindung der Pauschalreise. So sehr der Deutschen Italien und das Fremde liebte, so sehr hatte er auch Angst davor, vom Spaghettifresser oder dem südlichen Schlitzohr betrogen und ausgenommen zu werden. Dass man in den besseren Restaurants in Italien allein dafür eine Gebühr bezahlen muss(te), einen Platz einzunehmen und das Gedeck zu nutzen, empfand der deutsche Urlauber als Abzocke, nicht ahnend, dass dies dort traditionell schon immer so war. Dass italienische Kellner ein Trinkgeld in Höhe von mindestens 10 Prozent der Rechnung erwarteten, fanden die Leute aus Teutonia unverschämt, nicht ahnend, dass der italienische Kellner bis weit in die siebziger Jahre hinein kein Gehalt bekam, sondern von den Trinkgeldern lebte.

Weil aber mit der Ausbreitung des Tourismusses nicht mehr nur die Mutigen, Weltgewandten und Abenteuerlustigen, die bereits und willens waren, sich auf die Eigenheiten der fremden Länder einzustellen, verreisten, kam der Wunsch auf, in der Fremde von Landsleuten umsorgt zu werden. Sich also nicht mehr selbst um Reise, Hotel und Verpflegung kümmern zu müssen. Zumal die Deutschen anfangs erhebliche Probleme mit einheimischer Ernährung hatten. Schwer vorstellbar, aber wahr: Noch 1963 empfahl einer Bekannter der Familie nach einem Spanien-Urlaub, man solle sich vom Olivenöl fernhalten, das löse bei Deutschen Durchfall aus. Ähnliches war zu hören über: Knoblauch, Lammfleisch, Zucchini etc.
Die Idee der Pauschalreise besteht darin, dem Käufer einer solchen Reise sämtliche Anstrengungen abzunehmen und ihm am Ferienort ein Leben nach seinen Wünschen zu ermöglichen. Da das in den bekannten touristischen Zentren jener Jahre kaum möglich war, mussten neue Destinationen her, am besten solche, die in touristischer Hinsicht jungfräulich waren. Die waren aber vorwiegend per Flugzeug zu erreichen. So kamen die Deutschen auf die Balearen und Mallorca zu den Segnungen des Massentourismusses.

Profit und Korruption
Das gilt für fast ganz Spanien: Lloret, Benidorm, Torremolinos. Überall konnte hingeflogen werden, überall war es billig, und überall konnten die Pauschalreiseveranstalter die örtlichen Anbieter zwingen, ihre deutschenfreundlichen Bedingungen zu erfüllen. Die spanischen Grundbesitzer lernten schnell. Um 1970 herum lag die Quadratmetermiete für eine Familienwohnung in Malaga bei umgerechnet etwa einer Mark. Ein Hausbesitzer, der beispielsweise 1.000 Quadratmeter zu vermieten hatte, nahm also rund 1.000 Mark monatlich ein. Derselbe Immobilieninhaber konnte aber mit einem Hotel bis zu 200 Mark pro Monat und Quadrameter bekommen – pro Monat also 200.000 Mark. Investitionen in touristische Bauten amortisierten sich in diesen Jahren teilweise innerhalb einer Saison!

Das rief natürlich alle Gierigen und Kriminellen auf den Plan. Es ging darum, an touristisch nutzbaren Grund und Boden zu kommen, an Kredite und an Gäste. Schnell verstanden die neuen “Investoren”, wo Deutsche (und bald auch Engländer, Holländer und Skandinavier) gern wohnen wollten. Und krallten sich die Grundstücke. Ganz uanabhängig davon, ob dort eine entsprechende Infrastruktur vorlag und an der jeweiligen Stelle gebaut werden durfte. Genehmigungen wurden durch Bestechung erworben, Ver- und Entsorgung improvisiert. Es gibt Fotos von Hotels an der Costa Blanca jener Jahren, bei denen aus einem dicken Rohr, das am Ende des Strandes unterhalb eines einsamen Hotels endete, das gesamte Abwasser inklsuive Fäkalien ins Meer läuft. Begünstigt durch die Strömungen landete das dann am offiziellen Hotelstrand…

Die Geschichte des touristischen Bauens seit den frühen Siebzigern ist fast überall eine Geschichte von Verbrechen und Korruption.

Zerstörungen
Man kann es rund ums Mittelmeer und auf den Mittelmeerinsel (sowie den Kanaren) jederzeit und unmittelbar sehen, wie touristische Bauten und touristische Infrastruktur Landschaften und Ökosysteme zerstört hat. Da kann heutzutage noch so viel von nachhaltigem oder gar “grünem” Tourismus geschwafelt werden: Was kaputt ist, ist kaputt und bleibt kaputt. Auch wenn inzwischen jedes Hotel und jede Pension an die Kanalisation angeschlossen ist und die großen Anlagen gar eigene Kläranlagen betreiben. Auch wenn in den sonnigen Regionen mittlerweile Strom oft aus Sonnenenergie gezogen wird: Allein der durch touristische Ansiedlungen hervorgerufene Verkehr schädigt die Umwelt vor Ort massiv.

Wir wissen, dass Flugzeuge mit ihren Kerosin verbrennenden Turbinen zu den schlimmsten Ozonschichtkillern zählen, also zu einem wesentlich Teil an der kommenden Klimakatastrophe beteiligt sind. Es ist bekannt, dass eine Person, die beispielsweise von Deutschland aus nach Südafrika, in die Karibik, an die USA-Westküste oder nach Kanada fliegt, dabei höchstpersönlich mindestens EINTAUSEND Liter Treibstoff verbraucht. Jeder kann sich ausrechnen, wie hoch die Energieverschleuderung durch Transferverkehr an den Zielen und das sinnlose Umherfahren in Mietautos ist.

Der mit dem Tourismus verbundene Verkehr sorgt für die sinnloseste Energieverschleuderung, die man sich vorstellen kann.

Sünden
Meine Generation ist vermutlich die erste, für die touristische Reisen selbstverständlich war. Wir waren diejenigen, die für sich das Recht annahmen, die Welt zu erobern. Meinesgleichen waren es, die mit ihren ersten eigenen Autos erstmal nach Frankreich fuhren. Wir waren die ersten Flugtouristen, wir waren als erste in Amerika, in Thailand, in Australien und Südafrika. Und die folgende Generation war (und ist) es dann, die den Urlaub als Dauerparty erfanden, denen es kaum noch um ferne Länder, fremde Kulturen und das Kennenlernen von Menschen dort ging, sondern um den verdammten Spaß.

Diese zwei Generationen, die Jahrgänge von etwa 1940 bis 1980, sind es, die sich durch ihren unkritischen Tourismuskonsum schwer an der Welt versündigt haben.

Disclaimer: In den Jahren 1996 bis 2001 war ich selbst zu einem nicht kleinen Teil meiner Arbeitszeit am Tourismus beteiligt. In der Zeit arbeitete ich teilweise an Bord des Clubschiffs AIDA und bereiste so das gesamte Mittelmeer und die gesamte Karibik – Dutzende von Fernflügen inklusive.


» Unsortierte Gedanken von Rainer Bartel am 20.02.12 um 16:08 » in Kategorien: Ausland,Deutschland,Wirtschaft » 540 x gelesen » 3 x kommentiert
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  1. Blaise Pascal wird die Spruchweisheit zugeschrieben: “Alles Unheil dieser Welt rührt daher, dass die Menschen nicht still in ihrer Kammer sitzen können.” Dem ist in diesem Zusammenhang eigentlich nichts hinzuzufügen (außer vielleicht dem Hinweis, dass mir diese Gabe, Urlaub zuhause oder ohne großen Umtrieb anderswohin genießen zu können, erst in den letzten Jahren ein wenig abhanden kam).

    [Antwort]

    mschmitz Antwort vom 27.02.12 23:25:

    Ich wuenschte manchmal ich koennte den Urlaub zuhause oder zumindest im Lande geniessen. Obwohl, ganz ohne Sprit zu verfahren geht das auch wieder nicht.

    Statt dessen fliegen wir jedes Jahr um die halbe Welt um den Grossteil des Urlaubs bei Freunden und Familie zu verbringen … schon verrueckt, aber erst der Massentourismus macht’s ueberhaupt moeglich.

    Wenn die Menschen wirklich zufrieden waeren still in ihrer Kammer zu sitzen, waeren wir wohl bis heute nicht aus den Hoehlen in Ostafrika rausgekommen. Nicht nur das Unheil dieser Welt, auch aller Fortschritt ruehrt daher dass wir die Fuesse nicht stillhalten koennen.

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 28.02.12 11:01:

    Keine Frage: Das Wandern des Menschen hat Kultur geschaffen. Und natürlich sind Begegnungen mit fremden Kulturen im Prinzip wertvoll für beide Seiten – wenn denn nur Menschen reisen würden, die den nötigen Respekt vor den Menschen anderer Herkunft, Kultur & Religion aufbringen, reisen würden. Und wenn die Industrie nicht per Gehirnwäsche dafür sorgen würde, dass selbst Typen in die Ferne düsen, die von der Minderwertigkeit der am Ziel angetroffenen Eingeborenen überzeugt wären… Zum Beispiel…

    [Antwort]

     
    Kommentar von mark793 am 21.02.12 um 11:38

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