Alle Artikel in der Rubrik "Außenpolitik"

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Oder: Warum es im Turbokapitalismus einen starken Staat braucht

Freiheit, Gleichheit oder Brüderlichkeit

staatsmachtAn irgendeiner Stelle im Geschichtsunterricht in der Oberstufe nahmen wir auch die Französische Revolution durch. Und landeten natürlich auch beim berühmten “Liberté, Egalité, Fraternité”. Geprägt durch die eher nationalkonservative Gesinnung des amtierenden Lehrers nahm die Debatte einen unerwartet interessanten Verlauf. Es ging um die Frage, ob ein Staatswesen vorstellbar sei, in dem sowohl die Freiheit aller Bürger, als auch die Gleichheit aller Insassen sowie eine grundsätzliche Solidarität untereinander herrschen könne. Später lernte ich, dass wir Pennäler da in eine alte Diskussion aus den späten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts geraten waren. Und zwar einer, die zum bürgerlichen Liberalismus führte. Der hat seine Wurzeln allerdings schon in der Aufklärung im siebzehnten Jahrhundert und vor allem während der englischen Revolutionen. Die Grundidee: Die Freiheit des Individuums – besonders gegenüber dem Staat – sei das erstrebenswerteste Ziel. Aus dieser (humanistischen) Vorstellung entstand die Idee vom Individualismus, nicht umgekehrt! Es geht auch um das individuelle Glück und den Weg dorthin. Aus der Sicht der inhumanen Auswüchse jener Zeit ist das alles verständlich und nachvollziehbar – aber von der Vorstellung das Recht auf Freiheit müsse für jeden gelten, waren die Liberalen bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts weit entfernt. » weiterlesen »

» Kurzessay von Chefred am 23.09.14 um 20:53 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Feuilleton,Innenpolitik
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Korsika und die Franzosen

J’aime la France (2)

Ein Original-Stehklo, wie man es in Frankreich immer noch überall findetDa die damalige Dame meines Herzens, die später meine Gattin und Mutter meiner Kinder werden sollte, wie schon geschildert ein äußerst intimes Verhältnis zu Frankreich hatte und die Landessprache mit extremer Perfektion beherrschte, zog es sie immer wieder in das große Land zwischen Nordsee und Mittelmeer. Eher zufällig war sie im Mai 1977, kurz bevor wir uns kennenlernten, mit ihrer besten Freundin nach Korsika in Urlaub gefahren, nach Calvi. Also reisten wir im Sommer 1979 auch dorthin, weil’s ihr auf der Ile de Beauté so gut gefallen hatte. Immerhin sprach man da Französisch. Dass die Einheimischen gerade in jenen Jahren einen derben Hals auf die Franzacken hatten und dass es eine korsische Sprache gab, wussten wir zunächst nicht. Außerdem wollten wir doch in der wunderbaren Bucht von Calvi bloß einen netten Strandurlaub verleben. Wir hatten eine kleine, feine und ziemlich preiswerte Ferienwohnung jenseits des Hügels gefunden. Da gab es wenig Menschen und zum Glück auch wenig Verkehr. Um aber nach Calvi zu kommen, brauchte es gut 25 Gehminuten. Und zum Strand war es dann nochmal eine Viertelstunde. Aber wir waren ja jung und verliebt, hatten kein Geld, aber Zeit. » weiterlesen »

» Reiseberichte von Chefred am 13.09.14 um 21:40 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Feuilleton,Interna
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Das Problem mit den frankophilen Käselutschern

J’aime la France! (1)

Delacroix - Die Freiheit auf den BarrikadenJetzt sehe ich mich schon bemüßigt, mich für den Frustbericht über unseren Urlaub im Süden Frankreichs rechtfertigen zu müssen. Weil das, was Franz-Josef Degenhardt so zutreffend mit “frankophile Käselutscher” diffamiert hat, sofort anti-französische Ressentiments wittert, wenn man sich nicht euphorisch über das Land ihrer weinfeuchten Träume äußert. Denen sage ich: Wer nicht kritisiert, was er liebt, der liebt nicht. Natürlich gibt es gerade bei eher sozialdemokratisch sozialisierten Menschen eine tiefe Frankreichsehnsucht – vielleicht weil man immer noch die brennenden Döschwos der Barrikaden im Pariser Mai von 1968 wittert und sich selbst dort mit Baskenmütze auf dem Hirn, Maispapierzichte zwischen den rotweingefärbten Lippen und einem Baguette in der schweißnasse Achsel gegen die CRS-Bullen kämpfen sieht. Für die Freiheit! » weiterlesen »

» Geständnis von Chefred am 08.09.14 um 14:56 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Feuilleton,Interna
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Schwierige Tage im Süden

Le Frust Francaise

boulangerieNatürlich haben uns nicht DIE Franzosen den Urlaub vermiest. Aber unsere Sympathien für Frankreich und die Franzosen haben doch sehr gelitten. Vor allem, weil DER Franzose in seiner Eigenschaft als Autofahrer eine rücksichtslose, egoistische Drecksau ist. Und dumm dazu. Das zeigte sich schon bei der Anreise. Während die erste Etappe über Luxemburg bis nach Beaune im Burgund relativ stressfrei verlief (ausgenommen eine Pause auf einem Rastplatz des französischen Grauens…), wurden die restlichen rund 500 Kilometer zu einer Höllentour, die über neun Stunden dauerte. Gut, es war Samstag, und es gab unerklärlicherweise viel Reiseverkehr in den Süden, aber die Staus entstanden vor allem wegen der bekloppten französischen Verkehrsplaner und dem geradezu absurden Fahrstil der Franzosen. Mehrere Kilometer vor jedem stockenden Stück wird über Anzeigetafeln bekanntgegeben, dass irgendwo später Stau sein soll. Unmittelbar nach den Anzeigen gibt’s Stau, der sich nach ein paar Kilometern wieder auflöst – also nicht da, wo die Tafeln ihn ansiedeln. » weiterlesen »

» Reisebericht von Chefred am 05.09.14 um 16:00 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Interna
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Antisemitismus ist dumm und böse

Die Wurzeln des Übels

british_palestineImmer wieder löst der Konflikt zwischen dem Staat Israel und den Palästinensern niedere Instinkte aus – vor allem den hirn-, herz- und geschichtslosen Antisemitismus. Aber es ist auch tatsächlich nicht ganz einfach, zwischen dem Staat Israel, der israelischen Bevölkerung, dem Zionismus und den Zionisten und “den Juden” zu differenzieren. Nun ist Intelligenz eben Differenzieren. Also mmüssen gerade deutsche Bundesbürger als Nachfahren der Deutschen, die in den zwölf Jahren des deutschen Faschismus sechs Millionen Menschen jüdischer Herkunft umgebracht haben, nach Kräften differenzieren. Wobei das Problem schon bei der Frage danach beginnt, wer eigentlich “die Juden” sind. Hier muss man nämlich schon zwischen ethnischen, einer kulturhistorischen und einer religiösen Aspekten unterschieden werden. Denn seit den Zeiten des biblischen Volkes Israel war die Identität der Menschen, die sich selbst “Juden” nennen, immer unterschiedlich geprägt. Da fällt das Differenzieren beim palästinensischen Volk schon deutlich leichter. Denn diesen ethnischen Verbund gibt es – im Vergleich mit dem Volk Israel – noch nicht sehr lange. » weiterlesen »

» Überlegungen von Chefred am 11.08.14 um 21:47 » in Rubrik(en): Außenpolitik
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Den Sozialismus kann man ja überspringen...

Warum nicht mal Kommunismus?

kommunismusEiner dieser banalen Konsense geht so: “Der Sozialismus ist gescheitert.” Ja, da nicken sie alle, sogar einige von denen, die sich für Linke halten. Scheint eine Binse zu sein, ist aber nur blöd. Zu behaupten, der Sozialismus sei gescheitert, ist ungefähr so richtig wie zu meinen, Kernfusion mache sichere Energie. Hat nämlich noch niemand ausprobiert, diesen Sozialismus. Wer von den Konsenslingen jetzt mault, aber die Soffjetunion und die DDR und Rotchina erst, suhlt sich im Irrtum. Denn bestenfalls haben die Vorturner der genannten Staaten VERSUCHT, auf Basis der Lehren von Marx, Engels und Lenin ein Wirtschafts- und Staatssystem zu errichten und zu betreiben. Wie wir wissen, sind sie alle daran gescheitert. Also nochmal zum Mitschreiben: Die BISHERIGEN Versuche sind gescheitert. Ganz offensichtlich, weil die Herren was falsch gemacht haben. Also sind die Herren etwa ab Herrn Stalin aufwärts gescheitert, nicht der Sozialismus. Wenn jetzt demnächst der Kapitalismus die Grätsche macht, wird bestimmt keiner sagen: “Ui, jetzt ist auch der Kapitalismus gescheitert.” Nein, dann wird man darüber reden, wie man den marktwirtschaftlichen Kahn wieder flottkriegt. » weiterlesen »

» Debattenanstoß von Chefred am 31.07.14 um 14:01 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Innenpolitik
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Nicht alle Patrioten sind Nationalisten, aber alle Nationalisten sind scheiße

Von Fans und Fähnchen

SchlandianerWer in diesen Tages des globalen FIFA-Soccer-Entertainment-Events immer noch fußballresistent ist, hat’s gut. Am schlimmsten dran sind diejenigen, die sich außerhalb des Ausnahmezustands öffentlich als Fußballfans zu erkennen geben, denn die werden mit Diskussionsveruschen zur WM behelligt. “Sie sind doch auch Fußball-Fan…” so beginnt es oft. Wobei das “auch” dann schon den ersten Würgreiz auslöst. “Der Jogi muss den Lahm wieder hinten aufstellen, findest du nicht?” Genau: Beim Fachsimpelimitat beginnt die Duzerei, und es wird nachgeplappert. “Tschulligung,” sagen dann viele der so Belästigten, “mich interessiert diese WM eher gering.” Das rockt, das haut den Kerl gegenüber aus den Socken, das rafft er nicht. Dabei würde er doch einmal alle zwei Jahre so gern mitreden, wo er doch immer alle Nationalspiele im TV guckt und Champions-League auch. Da sollen die Bayern gewinnen, als deutscher Vertreter. Ergänzt der leicht genervte Fußball-Fan dann noch, dass er Spiele mit FCB-Beteiligung nur guckt, um die Scheißtruppe verlieren zu sehen, ja, auch wenn’s gegen Itaker geht, versteht der Typ die Welt nicht mehr. Er hechelt und gibt zu bedenken: “Aber, Deutschland!” » weiterlesen »

» Betrachtung von Chefred am 07.07.14 um 13:02 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Innenpolitik,Sport
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Oder: Warum Papst Franziskus recht hat...

Die große Trickle-Down-Lüge

Gemälde von Peter Hansen: Pferdeäpfelsammmler - Trickle-Down-TheorieIn seinem sensationellen apostolischen SchreibenEvangelii Gaudium” vom November 2013 kritisierte der wunderbare Papst Franziskus das Denken der Wirtschaftsliberalen äußerst scharf, u.a. mit dem Satz “In diesem Zusammenhang verteidigen einige noch die „Überlauf“-Theorien (trickle-down theories), die davon ausgehen, dass jedes vom freien Markt begünstigte Wirtschaftswachstum von sich aus eine größere Gleichheit und soziale Einbindung in der Welt hervorzurufen vermag. Diese Ansicht, die nie von den Fakten bestätigt wurde, drückt ein undifferenziertes, naives Vertrauen auf die Güte derer aus, die die wirtschaftliche Macht in Händen halten, wie auch auf die sakralisierten Mechanismen des herrschenden Wirtschaftssystems. Inzwischen warten die Ausgeschlossenen weiter.” Eine klarere Ablehnung des Kapitalismus und der Markwirtschaft hat bisher noch kein Papst formuliert. Grund genug katholisch zu werden. » weiterlesen »

» Essay von Chefred am 19.06.14 um 15:59 » in Rubrik(en): Außenpolitik,Wirtschaft
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