Die Legende von der Werbewirkung des European Song Contests
Update: Onkel Dirk, der diplomierte Hausmeister des Hochadels und OB der Stadt Düsseldorf, gibt rund 9,8 Millionen für den Schlagerkäse aus und meint dann auch noch:
“Die Stadt muss den Song Contest leben. Er muss überall sichtbar sein.“ – “Kurzum: Wir sind alle Lena.”
Übrigens: Die Ausgabe wurde am 08.10. als Eilbeschluss von Elbers himself und Strack-Zimmermann abgezeichnet und erst gestern (also 5 Wochen später!) am Ende der Ratssitzung nach 8 Stunden im nicht-öffentlichen Teil durchgepeitscht. Die doofen Sozen und die blöden Grünen haben gegrummelt, aber zugestimmt.
Wissen Sie noch, wo der 48. Eurovision Song Contest im Jahr 2003 stattfand? Moment, nicht googlen, nicht schummeln! Sehense: So doll ist die weltweite Werbewirkung dieser Schlagerveranstaltung, dass durch den/die/das Event im Mai 03 die lettische Hauptstadt mit einem Schlag auf die Weltkarte katapultiert wurde. Millionen doller Unternehmen haben sich in der Folge am bottnischen Meerbusen angesiedelt, und blühende Landschaften entstanden. Nun hat sich meine geliebte Heimatstadt gegen den Willen einer Mehrheit der Eingeborenen (nicht: Einwohner – das ist hierzustadt ein gewaltiger Unterschied!) um die Ausrichtung dieses Eurovision Song Contest 2011 – den man unter Schnöseln liebevoll “ESC” abkürzt – beworben. [weiterlesen...]
Jung & Volke - das perfekte Fahrradgeschäft
Einem radfahrenden Düsseldorfer was über Jung & Volke zu erzählen, hieße Tulpen nach Amsterdam zu werfen. Natürlich kennt jeder, der sich für den Individualverkehr per Velo interessiert, diesen Laden an der Jahnstraße, der immer noch als Großhandel firmiert. Und das schon seit Jahren am selben Ort mit (fast) denselben Experten an Bord. Denn dass jeder einzelne Mechaniker und Verkäufer ein Kenner seines Fachs ist, steht außer Frage. Um es vorwegzunehmen: Natürlich gibt es auch andere empfehlenswerte Geschäfte für den Radfahrer – man denke nur an “Radab” an der Friedrichstraße oder “Düsselrad” auf der Konkordiastraße. Die haben sicher die viel schöneren Websites und massives Know-how, sind aber nicht dermaßen kultig – um dieses doofe Wort hier mal zu verwenden. Mein aktueller Drahtesel, genannt “Stevie” wurde hier montiert und mir verkauft. Bei diesem Kauf lernte ich mal wieder sachkundige Beratung schätzen. Ein Blick genügte dem Fachmann um zu erkennen, dass das neue Rad mein Gewicht würde aushalten müssen und deshalb besonders stabil zu sein hatte. [weiterlesen...]
Über den Dächern Düsseldorfs im Grafenberger Wald
“…gelb die Stoppelfelder // und der Herbst beginnt. // Rote Blätter fallen, // graue Nebel wallen, // kühler weht der Wind.” So dichtete der weniger wichtige Poet Johann Gaudenz von Salis-Seewis im Jahre 1782 sein Volkslied zur dritten Jahreszeit. Tatsächlich ist der Herbst die wahre deutsche Jahreszeit, denn da zieht es den Deutschen in den deutschen Wald. So auch mich. Und zwar mit Hund und in den nächstgelegenen Wald. Das ist der Grafenberger Wald, eine stark bewaldete Hügelkette oberhalb der Stadt, etwa zwischen dem Staufenplatz und dem Wildpark einerseits, und dem Rolander Weg und der Rennbahn andererseits. Wie andernorts schon erwähnt sagt der gemeine Düsseldorfer zu allem, was östlich der Stadt liegt “Grafenberger Wald” – tätsächlich heißt der größere Teil Richtung Ratingen “Aaper Wald”. Und dann gibt es da auch noch den “Gerresheimer Wald”… Orientierung liefert dieser Lageplan des hiesigen Forstamtes. Nachdem das klargestellt ist: Nach langer Zeit hatte ich heute mal wieder den Teil im Blick, dessen höchster Punkt zurecht “Schöne Aussicht” heißt. Dorthin führt ein Weg mit dem schönen Namen “Serpentine“, der direkt am Staufenplatz seinen Anfang nimmt. Dorthin kommt man öffentlich-rechtlich mit der Straßenbahn 709 und dem Bus 730. [weiterlesen...]
Immer mehr Läden sperren Hunde aus - angeblich seien die Vorschriften so...
Ja, ja, ich weiß: Es gibt keinen vernünftigen Grund, in der Stadt einen Hund zu halten. Ja, ich weiß inzwischen auch, dass so ein Köter einen Riesen-CO2-Abdruck hinterlässt (aber Katzen auch!). Nun ist es aber so, dass wir einen Hund halten. Unsere Pina ist eine knapp siebenjährige, spanische Windhündin vom Stamm der Galgos. Man glaubt es kaum, aber so ein Windhund ist eine prima Stadttöle. Erstens weil sie, ähem, geistig recht anspruchslos sind und nicht ständig entertaint werden muss, zweitens weil sie zuchtbedingt wenig Ausdauer hat, also mit laaaangen Spaziergängen eher überfordert ist. Galgos sind sehr sensibel und anhänglich; es gibt für sie kein größeres Glück als mit ihren Menschen zusammen zu sein. Auch draußen. Und wenn so ein Galgo genügend Sicherheitsgefühl getankt hat, schwindet auch die Angst vor Autos, vor allem Bussen und Lastwagen, und man kann sie prima in der Straßen- oder S-Bahn mitnehmen. Deshalb ziehe ich inzwischen bei fast jeder Erledigung mit dem Hund los. Zum Beispiel zum Einkaufen. Und das ist nicht ganz einfach, weil viele Ladenbetreiber den Fiffi draußen haben wollen. [weiterlesen...]
Schlusskonzert des Düsseldorfer Kulturfestivals Altstadtherbst
Ach, könnte nicht das ganze Jahr über Altstadtherbst sein? Sodass mindestens jede Woche einmal etwas auf der Bühne zu sehen, was neu oder besonders oder frisch oder wild oder einfach nur gut ist? Vermutlich würden dann nicht (fast) alle Veranstaltungen ausverkauft sein. Das war in diesem Jahr, bei der mittlerweile 20. Auflage dieses wunderbaren Kulturfestivals nämlich der Fall. So auch heute Abend beim Schlusskonzert, das einen weiteren Höhepunkt bot: die Deutschlandpremiere des Projekts “Yemen Blues” des Sängers Ravid Kahalani. Zuerst denkst du: Na ja, mal wieder Weltmusik. Aber dann entfalten die neun großen Musiker einfach große Musik. Und die lässt sich nicht einfach kategorisieren. Insgesamt ist der Sound somewhat arabisch. Aber dann ist es doch eher Funk, Soul, ja, recht eigentlich Jazz. Wer Folklore wollte, wurde enttäuscht. Wer lernen wollte, wo der Blues und damit der Jazz, der Funk und auch die Soul-Musik herkommt, der war hier richtig. Auch wenn der offizielle Pressetext dummerweise darauf abhebt, dass hier Leute aus Brooklyn, dem Jemen und wasweißichwoher friedlich miteinander musizieren, ist der Kern ihrer Musik doch … Afrika. Ja, der Kontinent, von dem all unsere Musik stammt. Mali, der Tschad, auch Burundi, der Sudan. Über den Golf nach Jemen, hoch nach Palästina durch Arabien. Die Türkei, aus der die Griechen ihre Musik mitgenommen gaben. Und so weiter. [weiterlesen...]
Spannende Sache: Der Convento Nachwuchs-Jazzpreis NRW in der Jazzschmiede
Update: Gewonnen hat, wie ich eben erfahre, die vierte Band – wer auch immer das gewesen sein mag…
In Düsseldorf gibt es seit dem September 1995 die Jazzschmiede. Das ist ein Veranstaltungsraum auf dem ehemaligen Gebiet der Jagenberg-Werke in Düsseldorf-Bilk unweit der Uniklinik. Bewirtschaftet wird der Raum vom Jazz in Düsseldorf e.V., einem Club vorwiegend älterer Jazzliebhaber, teilweise mit aktiver Vergangenheit und Gegenwart. Wir verirrten uns irgendwann im Winter 95/96 dorthin und wurden eine Zeitlang Stammgäste. Pflichttermine waren die Auftritte des begnadeten Bassisten Hartmut Kracht, der bei wechselnden Projekten mittat. So hörten wir in den Folgejahre eine Menge feinen Jazz. Und wenn wir dienstags nichts vorhatten, gingen wir zur Jam Session, da war der Eintritt frei. Leider hapert es bei diesem tollen Veranstaltungsort mit der Öffentlichkeitsarbeit. [weiterlesen...]
Wie die Master Drummers of Burundi einmal Düsseldorfer Bildungsbürger verschreckten
Der deutsche Bildungsbürger muss ja wegen der dunklen Vergangenheit ein Herz für Neger haben. Auch wenn die spezifisch deutschen Gräueltaten zu Zeiten der kaiserlichen Kolonialisierung familiengeschichtlich völlig verdrängt wurden durch den real existierenden Faschismus, an dem die Bildungseltern mehr oder weniger aktiv teilgenommen haben. Das alles macht den Bildungsbürger multikulti, aber sowas von! Derselbe linksgewendete Sozialbeamte, der sich vom Trommeln der Schützenzüge angwidert abwendet (Spießer!), findet es total spannend, wenn Neger trommeln. Aber die sollen sich mal ein bisschen an unsere Hörgewohnheiten anpassen. Auf dergleichen Befindlichkeiten können die Master Drummers of Burundi keine Rücksicht nehmen. Und so kam es, dass nach etwas mehr als einer Stunde der Exodus der genervten Kulturbeflissenen einsetzte, denen das wilde Gedröhn tierisch auf die Nerven fiel. Nein, Zugeständnisse machten sie nicht, die zwölf Herren in den grün-weiß-roten Gewändern mit den dicken Baumstämmen, denen sie Tierhaut übergezogen haben. Da muss der knüppeldicke Stock drauf; das gehört so. [weiterlesen...]
Es gibt keinen guten Grund dafür, ein privates Auto zu besitzen
Liebe Pkw-Besitzer, die ihr ein Auto gekauft habt und aus Spaßvergnügen betreibt, ihr habt se doch nicht mehr alle! Ist euch bewusst, dass noch die jämmerlichste Kiste mit dem sparsamsten Motor und optimaler Haltbarkeit euch Monat für Monat mindestens 300 Euro kostet? Dass ein stinknormaler Golf Diesel mit durchschnittlicher Ausstattung sogar echte Kosten von um die 450 Euro erzeugt? Dass eines dieser verkackten SUVs, mit dem die Vorstadtmutti ihre Blagen zum Flötenunterricht kutschiert, sogar bei 500 bis 600 Euro pro Monat liegt? Wie, werdet ihr jetzt einwenden, ich hab den doch pauschal für 99 Euro im Monat geleast! Wartung inklusive. Siehste, antworte ich, jetzt rechne noch die Verbrauchskosten drauf und, schwupps, biste bei 200 Ocken. Städter mögen das mal auf alternative Mobilitätskonzepte umrechnen. Für 200 Steine kriegt man in Düsseldorf vier Ticket-1000-Abos, die einen berechtigten, jedes öffentliche Verkehrsmittel im Stadtgebiet zu benutzen. Wenn man sich in Düsseldorf monatlich 8-mal mit der Droschke von Benrath im Süden nach Stockum im Norden chauffieren lässt, wird man 200 Euro los. Und so weiter. Nun ist ja jedem mit Vernunft begabten Menschen klar, dass für den Besitz eines Pkw in der Stadt nur emotionale Gründe sprechen. Also Argumente, die keine sind, die aber von der Reklameindustrie in die Hirne der Menschen gebrannt werden. [weiterlesen...]