Die Fahrt im Fan-Bus. Oder: Was es ausmacht, Fan zu sein.
Ach, was sind das für arme, arme Schweine, die nicht Fan eines Fußballvereins sind. Ja, was sind das für bedauernswerte Menschen, die ihre Mannschaft nie zu einem Auswärtsspiel begleiten. Und auf was verzichten die Auswärtsfahrer, die sich im fremden Stadion nicht auf die Stehplätze trauen! Denn nur wer das – zumindest ab und an – tut, kann den Kern dessen erkennen, was das Fansein wirklich ausmacht. Zum Beispiel in diesem Kuchenstück im Neuen Tivoli zu Aachen, in das man die Schlachtenbummler der Gegner verklappt. Dort wird es bei voller Füllung sehr, sehr eng. Aber eng kann ja auch sehr, sehr schön sein. Das war es gestern Abend ganz bestimmt. Du stehst da Körper an Körper mit wildfremden Menschen und fühlst dich durch und durch verstanden und sicher, weil alle Umstehenden genau dasselbe wollen wie du: Dass unse Jungs gewinnen! Da spielt die Altersklasse keine Rolle, der Beruf, der Kontostand oder die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht oder Klasse. Da sind alle nur noch Fans. Wir waren gestern die Fortuna-Fans, und wir waren laut und mächtig. Wer dergleichen nie miterlebt hat, weiß nicht, wie sich Fußballemotionen anfühlen. Das Ganze gekrönt durch die Fahrt im SCD-Bus, der voller lustiger, netter und interessanter Menschen steckte. [weiterlesen...]
Wofür hat das Rheinstadion eigentlich ein Schiebedach
Mühsam und redlich ernährt sich das Eichhörnchen, indem es von Ast zu Ast hopst. So könnte man auch das beschreiben, was die glorreiche Fortuna derzeit aus dem Tal der Zwotligaunterränge bis auf Platz 11 (nein, nicht der von Bremen II… wenn ihr wisst, was ich mein) gehievt hat. Mühsam ist beinahe jeder Sieg, und redlich kann man das Auftreten der Herren in Rotweiß auch nennen. Da schüttelte sich der gemeine F95-Fan anfangs vor Wundern, denn in der ersten Viertelstunde traten die von Herrn Meier angeleiteten Burschen nahezu brasilianisch auf. Das erste und einzige Tor fiel in der neunten Minute nach einer Serie feinster Spielzüge samt feiner Flanken, die teilweise vom jungen Herrn van den Bergh im Stile eines Weltklassekickers in den Sechzehner geschlagen wurden. Im konkreten Fall hielt sich dort der unermüdliche Herr Rösler auf und seine Birne hin, sodass die Pille alsbald im Netz zappelte. Danach war wieder Alltag. Passend zum Wetter. Diese war kalt und nass und eklig und fies und böse und ausgesprochen unangenehm. Nun ist man als Schlachtenbummler wenigstens unter Dach, während die bezahlten Balltreter ihr Werk im Freien zu verrichten haben. [weiterlesen...]
Wie mein Freund einmal die Freuden des Auswärtsspiels kennen lernte
Berlin, Berlin, ich war grad in Berlin. Von wegen dem Fußballspiel. Bei der Gelegenheit Freunde besuchen. Mein alter Freund A. sachte gleich: Au ja, da geh ich mit. So besorgte ich ihm in Düsseldorf eine Auswärtskarte. Man muss dazu sagen, dass A. a) Grieche ist und b) mit Fußball wenig am Hut hat – außer wenn die griechische Nationalelf unter Otto Rehakles Europameister wird. In seiner Jugend – er stammt aus Athen – hat er wohl eine Zeitlang die Spiele von Panionios, aber als sich einige Kameraden dem gewalttätigen Anfeuern zuwandten, wurde er Fan der Basketballer desselben Vereins. So hat er mit seinen 45+ Jahren auch noch nie in einem Auswärtsblock gestanden und ist mit den Freuden und Risiken dieses Tuns wenig vertraut. Zumal er auch, ähem, vergessen hatte, dass wir NICHT ins Olympiastadion zur Hertha, sondern in die Wuhlheide zu den Blechbüchsen, die sich “eisern” nennen, mussten. Das liegt in Köpenick, also im wilden Osten und mitten im Wald. Aber wozu hat der geneigte Grieche ein iPhone mit Navi? Genau: Um sich leiten zu lassen. Wenn man dann aber die Stimme des Fones missachtet, gerät man in komische Situationen. Zumal es natürlich auch schon ein Abenteuer für sich ist, an einem Freitagnachmittag um 3 vom Bahnhof Spandau aus die gut 30(!!!) Kilometer quer durch den Moloch zu fahren. Wir hatten eigentlich noch gemütlich einen Kaffee trinken wollen. Ich hatte empfohlen, spätestens gegen halb fünf in der Nähe des Stadions einen Parkplatz zu beziehen, um dann in Ruhe zum Gästeblock zu kommen und einen netten Platz zu haben. A. fand das komisch… Er konnte ja auch nicht wissen, dass man Auswärtsfans in Deutschland in Käfigen hält, deren Eingänge immer möglichst schlecht zu erreichen sind. [weiterlesen...]
Was ist los? Die Jungs spielen ja wieder richtig Fußball.
Es gibt sie noch, die schönen Fußballabende im Düsseldorfer Rheinstadion. Die bekannt unkreativen Spochtschurnalisten der hierorts marodierenden Presse hatten zum Spiel den üblichen Schwampf vom dreckigen Sieg abgesondert. Die ahnen ja gar nicht, wie berechenbar und langweilig sie sind… Tatsächlich aber spielte das aktuelle Team der Fortuna die Burschen von RWO in der zweiten Halbzeit AN DIE WAND! Die Partie wurde mit spielerischen Mitteln gewonnen. Wer hätte das gedacht. Okay, die Herren aus Oberhausen haben sich aber auch extrem blöd angestellt. Wenn ein Verteidiger einen Angriff im Strafraum umreißt, während der Schiri mit freier Sicht kaim fünf Meter entfernt steht, dann würde jeder halbwegs vernünftige Trainer den Mann alsbald auswechseln. Wenn dieser Loser anschließend auch noch beim Referee meckern geht und dafür die Gelbrote kassiert, dann ist der eigentlich reif für einen Berufswechsel. Dass sich beim Deliquenten ausgerechnet um den ehemaligen Fortunen Hergesell handelt, darf unter Treppenwitze, Teil 1, abgebucht werden. Aber der Elfmeter, den der Herr Langeneke wieder auf seine bekannt riskante Weise versenkte, war aber nicht spielentscheidend. Denn nach dem 1:0 durch den oft unterschätzten Herrn Fink waren die Mannen mit dem F und der 95 auf der Brust den Jungs vom ruhrigen Niederrhein aber sowas von überlegen, dass die noch ein paar Stunden hätten weiterspielen können, ohne zu gewinnen. [weiterlesen...]
Die Legende von der Werbewirkung des European Song Contests
Update: Onkel Dirk, der diplomierte Hausmeister des Hochadels und OB der Stadt Düsseldorf, gibt rund 9,8 Millionen für den Schlagerkäse aus und meint dann auch noch:
“Die Stadt muss den Song Contest leben. Er muss überall sichtbar sein.“ – “Kurzum: Wir sind alle Lena.”
Übrigens: Die Ausgabe wurde am 08.10. als Eilbeschluss von Elbers himself und Strack-Zimmermann abgezeichnet und erst gestern (also 5 Wochen später!) am Ende der Ratssitzung nach 8 Stunden im nicht-öffentlichen Teil durchgepeitscht. Die doofen Sozen und die blöden Grünen haben gegrummelt, aber zugestimmt.
Wissen Sie noch, wo der 48. Eurovision Song Contest im Jahr 2003 stattfand? Moment, nicht googlen, nicht schummeln! Sehense: So doll ist die weltweite Werbewirkung dieser Schlagerveranstaltung, dass durch den/die/das Event im Mai 03 die lettische Hauptstadt mit einem Schlag auf die Weltkarte katapultiert wurde. Millionen doller Unternehmen haben sich in der Folge am bottnischen Meerbusen angesiedelt, und blühende Landschaften entstanden. Nun hat sich meine geliebte Heimatstadt gegen den Willen einer Mehrheit der Eingeborenen (nicht: Einwohner – das ist hierzustadt ein gewaltiger Unterschied!) um die Ausrichtung dieses Eurovision Song Contest 2011 – den man unter Schnöseln liebevoll “ESC” abkürzt – beworben. [weiterlesen...]
Und das Niveau geht doch noch tiefer...
Sagen wir mal so: Die wesentlichen Highlights dieses vom Scheiß-DSF erzwungenen Fußballabends fanden nicht auf dem grünlichen Rasen statt. Mal ausgenommen die merkwüdige Bude, die unser allseits geliebter Zoundi in der 84. Minute machte. Wer da ein Eigentor gesehen hat, hatte den falschen Standpunkt; von der Süd aus war klar: Wär auch ohne das Streifenbein reingegangen. Zu den Highlights zählte das Transparent, das die Einlaufkinder präsentierten: “Für eine multikulturelle Kurve” stand da. Und als ich mich so umschaute, fiel mir auf, dass es bei uns schon ganz schön multikulti zugeht. Da kann dieser eitle Deoroller, den wir demnächst aus dem Vorstand rausmobben, noch soviel Sarrazin-Müll auf Papier rotzen. Vielleicht war es ja auch dieser rechtslastige Bauunternehmer selbst, der einen Artikel in der Stadionzeitung “Fortuna Aktuell” verhinderte. Denn da ging es um einen jugendlichen Kriegsflüchtling aus dem Senegal, der in Deutschland nur geduldet ist und über Fortuna Anschluss an Gleichaltrige fand. [weiterlesen...]
Bauunternehmer Tecklenburg liebt Sarrazin
Eher durch Zufall stieß das Mitglied im Rat der Stadt Frank Laubenburg (Die Linke) auf die Anzeigen des Bauunternehmers Hermann Tecklenburg. Der hat sich in einem unscheinbaren Beilagenblättchen der Rheinischen Post im September und Oktober mit einer Kolumne geäußert. “Unser Straelen – das RP-Monatsmagazin für meine Stadt” heißt die 24-seitige Lokalbeilage, die auf äußerst betuliche Weise Dies und Das zum Nest am linken Niederrhein vermeldet. Nicht dass die Redaktion dem heimlichen König von Straelen Platz eingeräumt hätte – die Kolumnen sind Teile von ganzseitigen Anzeigen, die den Anschein erwecken sollen, sie seien redaktionell gefertigt. Diese Kolumnen hat sich Laubenburg nun angesehen und Erstaunliches festgestellt: Im September zieht der Bauunternehmer mit der Fußballleidenschaft über Hartz-IV-Empfänger her, und im Oktober outet sich der Glatzenmann, den sie hinter seinem Rücken den “Deoroller” nennen, als glühender Sarrazin-Fan. Wörtlich schreibt Tecklenburg:
Sarrazin ist überall
Ich bezeichne mich als guten Europäer, lebe gerne in Deutschland, bin stolz auf unser Land und ein Befürworter der Thesen von Thilo Sarrazin.
In den letzten Wochen sind zwei Filmbeiträge im Fernsehen gezeigt worden, die von türkischstämmigen Frauen produziert wurden. Beide Beiträge zeigen Situationen an deutschen Schulen, wo die Mehrheit der Schüler einen Migrationshintergrund haben. Deren dort gezeigtes Machogehabe und Beleidigungen gegenüber ihren deutschen Mitschülern waren unerträglich. [weiterlesen...]
Fortuna-Kicker verzichtet aufs Auto
Die BILD-Zeitung hat den Fortuna-Kicker Patrick Zoundi zu Deutschlands ungewöhnlichstem Fußballprofi erklärt. Und dass weil er freiwillig aufs Auto verzichtet, nicht in Discos geht, keine Playstation bespielt und Philosophiebücher liest:
Obwohl das Laufwunder aus Burkina Faso einen Führerschein hat, setzt er sich nie hinters Steuer. „Autofahren ist mir zu stressig. In der Bahn kann ich entspannen“, sagt Zoundi. Und lacht: „Da hupen mich auch keine Wahnsinnigen an.“ [Quelle: BILD vom 21.10.2010]