Demos, Streiks und Riots werden brutal niedergeschlagen
Südafrika ist das Land mit der weltweit größten Schere zwischen arm und reich. Das Ende der Apartheid hat der afrikanischen Bevölkerung keine Verbesserung ihrer sozialen Situation gebracht. Eher sogar im Gegenteil: So liegt die Arbeitslosigkeit in manchen Regionen erheblich höher als zu Zeiten der Rassentrennung. Das heißt natürlich nicht, dass Apartheid klasse war, sondern dass noch lange keine Gerechtigkeit entsteht, wenn man die schlimmste Unterdrückung abschafft. Nach wie vor ist Südafrika ein Land der Tagelöhner, Wanderarbeiter und Arbeitslosen. Wenn hierzulande irgendwelche Promidioten über die Sicherheit “da unten” spekulieren, dann erzählen sie gern von Überfällen auf Weiße und massenweisem Diebstahl von Touristenhabe. Dass es für viele afrikanische Familie eine Frage des Überlebens ist, den reichen Weißärschen was zu klauen, wird ignoriert. Und hat der liebe weiße Onkel dem Neger einen Job verschafft, dann soll der gefälligst dankbar sein und das Maul halten. Hat er aber nicht, aber die versammelten und verrotteten Medien haben den Aufstand der WM-Stadienordner geflissentlich übersehen. Qualitätszeitungen wie der englische Guardian natürlich nicht. Jetzt ist zudem bekannt geworden, dass es bei den Riots am 14.06.2010 ein Todesopfer auf Seiten der Demonstranten gegeben hat. [weiterlesen...]
NED vs DEN 2:0 / JPN vs CMR 1:0 / ITA vs PAR 0:0 / NZL vs SVK 1:1 / CIV vs POR 0:0 / BRA vs PRK 2:1
In meinem langen Leben, das schon annähernd 50 Jahre währt, habe ich bloody viel Fußballspiele gesehen. Früher mehr als in meiner Hool-Ära; da lagen die, ähem, Prioritäten woanders. Als kleiner Junge und heranwachsender Lad sah ich Begegnungen zwischen Typen auf Plätzen – das glaubt mir keiner. Asche war da noch der komfortablere Untergrund, Schotter an der Tagesordnung. Und doch, ja, damals, schnüff, da gab es ihn noch, den Straßenkicker, der ein Pannini am Ball war! Den Zauberer, den Artisten, den Fußballsymphoniker. Und dann tu ich mir die Partien der diesjährigen WM rein und stelle fest: Hey, Kettering Town versus Barrow United, ein Spiel der viertklassigen Conference, war im Vergleich dazu echte Fußballkunst. Die Spieler der Favoriten kicken mit vollsten Höschen, die Underdogs sind mehr under als Dogs. Da muss man jetzt gar nicht wieder die Aussies schlecht machen – das haben die schon selbst erledigt. [weiterlesen...]
ALG vs SLO 0:1 / SRB vs GHA 1:0 / GER vs AUS 4:0
Als ich Sonntagfrüh aus der Kneipe kam, wandelte ich an einem Porzellanladen vorbei. Wow, dachte ich in meinem trunkenen Hirn, wenn nun der Elefant einträte, das wär aber ein Scherbengericht. Und musste angesichts der hilflosen WM-Deko im Schaufenster grinsen. Das trötete ein paar Häuserblocks entfernt jemand auf seinem Hörnchen, und ich zuckte zusammen – immer noch das Rüsseltier im Gedanken. What the fuck, dachte ich weiter, was glaubt der Besitzer des Laden mit dem schönen Namen “La porcelaine blanche” eigentlich? Dass die Fans in den Trikots mit den komischen Mützen und Tröten und bunten Flecken auf den Backen ihm die Bude einrennen werden, um ihre Aussteuer zu vervollständigen? Mir latte, weil ich dieser Tage auch ohne Porzellan auskomme und meinen heiligen Eid nicht brechen muss. [weiterlesen...]
KOR vs GRE 2:0 / ARG vs NGA 1:0 / ENG vs USA 1:1
Die Lads nannten mich damals, als Fußball noch was für Männer war und kein Entertainment für die ganze Familie, gern auch das “menschliche Megafon”. Keiner grölte “Rule Britannia” lauter als ich, und manches mitteleuropäische Weichei entwich allein beim Hören meiner mächtigen Stimme. Dies war – ähnlich wie bei der sportlichen Seiten meines Hooliganismusses – das Ergebnis harter Arbeit und steten Trainings. Als ich nun gestern in Vorbereitung auf das Spiel der Dreilöwenauffemhemd gegen die sinnlosen US-College-Boys zum Supermarkt in der Nähe des Hotels ging, kreuzte ich unterwegs eine Apotheke. In deren Schaufenster Reklame gemacht wurde für die selbst in Yorkshire wohlbekannten Emser Pastillen. Und was musste ich sehen? Die Paotheken-Tussis hatten nicht an sich halten können, die Werbung mit Fußbällchen und Fähnchen zu umgeben! Was für mich bedeutete: Fresse halten, da die Lutschdinger zur Regeneration der Stimme für mich nicht mehr in Frage kommen. Wegen meines heiligen Eides, während der WM kein Produkt zu kaufen und zu benutzen, für das mit der WM geworben wird. [weiterlesen...]
Wie der Kaizer-Chiefs-Fan Freddie 'Saddam' Maake die Tröte erfand
Nachdem in Fußballfankreisen heftig über die südafrikanische Tröte debattiert wird, entstehen auch sehr merkwürdige Theorien über die Herkunft der Vuvuzela. Befürworter des nervigen Teils reden immer gern davon, es sei halt Element der südafrikanischen Fankultur. Wer sich besser informiert fühlt, gibt an, die Tröte sei seit etwa 20 Jahren in den Stadien da unten verbreitet. Und dann gibt es auch noch Verwirrte, die uns glauben machen wollen, zwei “Düsseldorfer Jungs” hätten die Vuvuzela erfunden. Die bisher beste Darstellung der Historie findet sich aber in einem tollen Artikel der südafrikanischen Zeitung “Mail & Guardian” vom 08.01.2010:
He points at the first picture taken in the 1970s, of him holding a long aluminium vuvuzela. “This is the father of all the vuvuzelas you see today.” Maake says the instrument was banned from the stadium as authorities ruled that it was a dangerous weapon. He admits to having used it once or twice in scuffles with rival fans and feels the ban was justified. [Quelle: M&G vom 08.01.2010]
Kurz gefasst hört sich die Geschichte des Freddie “Saddam” Maake so an: [weiterlesen...]
RSA vs MEX 1:1 / FRA vs URU 0:0
Hab ich eigentlich erzählt, dass ich das Rauchen aufgegeben habe? Okay, ich muss sagen: “aufgegeben hatte”, denn gestern habe ich wieder angefangen. Und das kam so. Als ich gegen Mittag das Hotel verließ und die Straße überquerte, sah ich ein Tabakgeschäft. Also einen Laden, wo es alles zum Rauchen (Sportzigaretten mal ausgenommen…) gibt und Zeitungen und Lotto. Kennen wir in England nicht. Jetzt kommt’s. In keinem der Schaufenster fand sich irgendwas mit Fußball! Keine Reklame für nix! Paradiesisch. Klar warum. Zwar machen die Firmen, die uns mit miesem Convenience-Food vergiften oder unsere Kinder dem Akholo zuführen, gern und massiv Werbung rund um die Kickerei, aber die Zigarettenindustrie darf nicht. Ätsch, dachte ich, und bestellte eine Camel ohne samt Feuerzeug. Denn das war der zweite Grund für das Wiederanfagen: Jederzeit wieder mit einem Feuerzeug rumlaufen zu können. Getreu der offiziellen WM-Hymne “Burning Flag” hatte ich nämlich einen Job zu tun. [weiterlesen...]
Auf der Suche nach der werbefreien Zone
Howdie, ihr kleinen deutschen Arschlöcher! Ja, genau, ich bin’s, Jurs Trulie aka Nick der Hool. Schon während der EM 2000 hab ich euch die Hölle heiß gemacht – und den ganzen Weicheiern aus diesen anderen Loser-Ländern auch. Plastikstuhl rulez! Okay, Sheila hat mich mit den Jahren weichgespült, und so hab ich meine Quarzhandschuhe an den Nagel gehängt und schon von der EM in der Österschweiz eher vom Fressen berichtet. Nun meinte ja der Sblatter, der Worldcup müsse auch mal in Afrika stattfinden. Die Reise konnte ich mir nicht leisten. Außerdem bin ich ja nun auch freier Handelsvertreter – für Stühle und Stuhlbeine jeder Art. Da hab ich die Gelegenheit bei den Eiern gepackt, und eine Verkaufsreise nach Deutschland geplant. Und da bin ich. Versteckt eure Weiber und stellt schon mal mein Bier kalt. Denn mit einem Jurs macht man nicht herum. Gestern kam ich in D. an und nahm Quartier in diesem Hotel, dass nach unserem Aufenthalt 1988 abgerissen werden musste und nun wieder aufgebaut ist. Und dann machte ich einen Spaziergang. [weiterlesen...]
25 Jahre nach der Katastrophe im Brüsseler Heyse-Stadion
Es war ein schöner Frühsommertag. Wir saßen in einer Gartenwirtschaft in Düsseldorf-Kalkum, weil Freunde dort ihre Hochzeit feierten. Gegen halb acht kam jemand aus dem Gastraum und sagte: Da gibt’s schlimme Krawalle in Brüssel. Die wenigsten wussten auf Anhieb, wovon der Typ sprach. Bis ich anmerkte: Da findet gerade das Endspiel um den Europacup statt; zwischen Liverpool und Turin. Wer an Fußball interessiert war, ging rein, um zu sehen, was geschah. Es handelte sich um den Vorfall vom 29.05.1985, der heute als die Katastrophe von Heysel bekannt ist. Wir standen schockiert vor dem Fernseher und sahen die eingequetschten Zuschauer, wir sahen die Mauer fallen und die leblosen Körper auf der Laufbahn. Das Spiel wurde übrigens mit anderthalbstündiger Verspätung angepfiffen. Juventus Turin gewann den Pokal zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. [weiterlesen...]