Wenn einer nicht anders kann, als politische Lieder singen...
Nein, POPulär ist der heute gesuchte Musiker hierzulande nicht. Zumal hierzulande seine Musik auch gar nicht als Popmusik betrachtet wird. Folgerichtig hatte der hierzulande auch nie einen Chart-Erfolg. Und ist in seinem Land doch ein Titan der volkstümlichen Musik. Und das schon sehr lange. Am berühmtesten wurde er in Europa dadurch, dass er eine der Hymnen schrieb, spiel und sang, die sich mit einem Gefangenen des Postkolonialismus befasste.
1) Wie heißt der Musiker: Hugh Masekela
Der moderne Mensch verträgt keinen echten Geschmack mehr
Ob das Fräulein Lena Meyer-Landshut sich in ihrem Lied vom Satellite mit einem gewissen Olaf befasst oder ob auch sie das Thema entdeckt hat, das jetzt hier angesprochen wird, ist unklar. Jedenfalls geht es um den Geschmack, um das Gewürz und um das Gegenteil: Laffe Speisen. Und das schöne Wort “laff”, dass haben die Grimm-Brothers schon in ihrem Wörterbuch definiert:
laff, geschmacklos, unkräftig, ungesalzen [Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm]
Ich komme drauf, weil ich neulich irgendwo las, dass der weiße Spargel in den letzten Jahren zunehmend daraufhin gezüchtet wurde, weniger bitter zu sein. Und weil mir dass bei der ganzen Spargelesserei schon aufgefallen war, dass die weißen Stangen fürher intensiver schmeckten. [weiterlesen...]
Hitler has only got one ball...
An dieser Stelle muss ich ein Geständnis ablegen: Als Jugendlicher Kinogänger bevorzugte ich Kriegsfilme. Ja, wirklich, ein in der Wolle gefärbter und von Hause aus antimilitaristischer Kriegsdienstverweigerer rannte sonntags in die Matinee-Vorstellungen, wenn man Filme gab, in denen der Ami dem Japsen das Fell gerbte oder der Tommy unsere Landser vertrimmte. Kann an einer frühkindlichen Prägung liegen, denn im Jahr 1958 – ich war gerade fünf Jahre alt – war der Streifen “Die Brücke am Kwai” das, was die Medienidioten heute einen Blockbuster nennen (ohne zu ahnen oder wahr haben zu wollen, dass dieser Begriff wörtlich bedeutet “Wohnblock-Knacker” bedeutet, was sich auf Fliegerbomben gleichen Namens bezieht, die im Zweiten Weltkrieg verwendet wurden). In diesem Kassenschlager (den ich einige Jahre später sah) geht es um einen Trupp britischer Soldaten in japanischer Gefangenschaft, die in Birma eine Holzbrücke über den Fluss namens Kwai bauen sollen. Die Jungs widersetzen sich, und es gibt Stress mit dem fiesen Oberjapsen. Beim Marschieren flöten die Tommys dann den in Großbritannien hoch beliebten Colonel Bogey March. [weiterlesen...]
Der Atpunkt hat's gelöst! Und sogar denselben Lösungsweg gefunden wie euer Quizmaster
Das heute gesuchte Stück spiegelt in allen Facetten wieder, wie die europäischen Imperialisten, also die Nachkömmlinge der sklavenhaltenden und -handelnden Kolonialisten mit der Musik der Afrikaner umgehen. Nämlich so ähnlich wie mit den anderen Rohstoffen, die der Kontinent bietet. Man holt sich, was einem gefällt oder was man braucht, und hinterlässt den Afrikanern wenig, nichts oder verbrannte Erde. Die Geschichte des gesuchten Titels ist wirr und verwirrend und reicht zurück bis ins Jahr 1968. 1971 zuckte es zum ersten Mal, 1978 zum zweiten Mal. Und von da poppte das Ding immer wieder auf – interessanterweise so gut wie nie unter dem Namen des beteiligten Machers.
1) Wie heißt das Stück: Burundi Black
2) Wie geht die kürzeste Verbindung zu Edouard Manet: Über das Cover einer Bow-Wow-Wow-LP
Jörg hat den Film an diesen 15 Sekunden Musik erkannt!
Nach langer Pause nun wieder ein Film-Quiz. Der wird zukünftig immer montags hier erscheinen. Dabei gibt es neues Format: Ich lass euch ein Stückchen der Filmmusik hören, und ihr müsst raten, aus welchem Film das ist. Hier geht’s los:
1) Wie heißt der Film: Betty Blue – 37.2° le matin
2) Von wem stammt die Vorlage: Philippe Djian
Zwischendurchunterhaltung beim ESC mit Tausenden Tanzenden
In der üblichen Pause vor der Bekanntgabe der nationalen “Votes” brachte das norwegische Fernsehen ein nettes Zwischenspiel. Zwei Herren machten so einen Mittanzsong, und überall in Europa tanzten die Menschen mit. Wer allerdings in der Telenor-Arena mitmachen wollte, wurde von baumstarken Security-Ärschen rüde zur Seite gestoßen. Merke: Nicht immer wenn man zum Mitmachen aufgefordert wird, darf man auch wirklich. Wie auch immer. Unter den Städten, in denen es angeblich zu tanzenden Flashmobs gekommen ist, war auch die schönste Stadt am Rhein. Und tatsächlich machte der Düsseldorfer Auftritt die beste Figur im Reigen. Wie das am 23.04. aufgezeichnete Ding enstand, zeigt folgender Clip: [weiterlesen...]
Was wir Deutschen alles mit Lena Meyer-Landrut anstellen können
Natürlich ist dieses “Satellite” ein extremer Ohrwurm. Natürlich sieht Lena Meyer-Landrut nett aus. Und natürlich lebt der deutsche Michel in der Geschmacksrichtung “Bürger” momentan am Rande des Nervenzusammenbruchs. Denn alles, was der Mittelschicht, die sich so gern bürgerlich gibt, lieb und wert ist, wird zunehmend teuer. Eigentlich geht alles den Bach runter. Nehmen wir nur mal die Bourgeosie-Sprößlinge, die sich entschieden haben, was mit Medien oder Marketing zu machen. Diese braven Bälger werden ihren Erzeugern angesichts der anschwellend prekären Verhältnisse bis deutlich ins dritte Lebensjahrzehnt auf der Tasche liegen. Da ist dann so ein neunzehnjähriges Früchtchen, das mal eben paar Millionen mit Trällereien abräumt, ein prima Rollenvorbild. Ja, “die Lena” (so dürfen wir alle jetzt vertraulich sagen…) ist recht eigentlich eine Ikone des trotzigen Bürgertums. Dessen Insassen sind ja per Gehirnwäsche am besten auf die Rolle als Extremstindividualisten vorbereitet, deren einziger Trost Party und Konsum sind. Die Welt ist am Arsch? Egal, lass ma Party machen. Der Golf ist vergiftet? Kauf ich mir trotzdem 60-Zoll-Flachglotze. Man gönnt sich was, so lange es geht. Und lässt sich ablenken. Vor allem, wenn während des Unterhaltenwerden ein bisschen Ficken winkt. Prototypisch dafür sind Public-Viewing-Veranstaltungen. [weiterlesen...]
Cuarteto Trombones de Costa Rica spielt die Tokata und Fuge in D-moll
Zwischen den Tagen hier der ausgefallene Blasmusiktipp zum Pfingsfest. Es handelt sich um eine der renommiertesten Posaunen-Gruppen der Welt, das Cuarteto Trombones de Costa Rica. Da wundert sich der Freund des singenden Bleches natürlich, dass ausgerechnet eine Bananenrepublik, die Küsten zur Karibik und zum Pazifik hat, derlei hervorbringt. Tatsächlich haben die Mannen, die seit 1991 beisammen sind, zwar die Herkunft gemeinsam; studiert haben sie alle woanders. Und dass sie sich gegenseitig als Costaricanern erkannten, ergab der Zufall. Das Cuarteto Trombones sieht sich als Kammermusikensemble und fühlt sich der klassischen Musik verpflichtet. Dass sie sich mit ihren Tröten aber auch an den ollen Bach rantrauen und seinen für die Orgel geschriebenen Gassenhauer, Tokata und Fuge in D-moll, intonieren, zeugt von Chuzpe. [weiterlesen...]