Der tollkühne Arnim Dahl
…als einen Monat arbeiten.” Diese Zitat schreibt man allgemein einem Helden meiner Kindheit zu – dem tollkühnen Artisten und Stuntman Arnim Dahl. Mit seinen schiefen Zähnen und seinem milden pommerschen Akzent tauchte er gegen Ende der fünfziger Jahre im Fernsehen auf. Unvergesslich seine Auftritte in der legendären Kindersendung “Sport, Spiel, Spannung”, wo er – teilweise live – nervenzerfetzende Darbietungen brachte. Mir lag Arnim Dahl auch deshalb besonders am Herzen, weil er ein Schulkamerad meines Onkels war; beide wurden 1922 in Stetting geboren, und Onkel Harald wusste zu berichten, dass der Arnim immer schon ein Teufelskerl gewesen sei. Auch (wie in Wikipedia korrekt wiedergegeben…) er erzählte, dass der Arnim mal deutscher Meister im Turmspringen war und nach dem Krieg zum Zirkus ging. Bald aber landete er beim Film. [weiterlesen...]
Song-Quiz (75)
Eine der bestürzendsten Traditionen der Popmusik ist es, zu Weihnachten das blödeste und kitschigste, was den Musikern eingefallen ist, auf den Markt zu werfen. Neben dem unsäglichen, ekelhaften und widerwärtigen “Last Christmas” des Georgios Michelangelopoulous tummeln sich da die absurdesten und dümmlichsten Dinger der durchamerikanisierten Xmas-”Kultur”. Da ragen die wenigen rockigen oder relaxten Stücke heraus wie hoffnungsträchtige Leuchttürme – man denke nur an die unterschätzte Band Slade in den frühen 70ern. Der dieses Jahr gesuchte Weihnachts-Song ist der vermutlich entspannteste und stammt von einem wirklich großen Musiker, der eine feine Gitarre spielt, eine markante Stimme hat und sehr viel Blues in der Adern hat. Zu allem Überfluss ist der Text des Liedes auch noch annähernd kitschfrei, und das will was heißen.
1) Wie heißt der Musiker?
2) Wie heißt der Xmas-Song?
Das Prinzip Hoffnung
Als der greise Jazz-Vibraphonist Lionel Hampton irgendwann in den achtziger Jahren ein grandioses Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle nach der vierten Zugabe endgültig beendete, trat er ans Mikrofon und gab dem enthusiastischen Publikum mit einem breiten Lächeln folgenden Satz mit auf den Weg: “There’s still hope.” In Zeiten wie diesen, die uns in kürzester Zeit alle möglichen Krisen servieren, muss es auch immer um Hoffnung geben. Nun ist die Wortfolge “Prinzip Hoffnung”, die sich auf den Titel des Hauptwerks von Ernst Bloch bezieht, mittlerweile zur Allzweckphrase verkommen, die jeder halbverblödete Spochtrepochter erbricht, wenn einer der Wettkämpfer oder eine der Mannschaften hoffnungslos zurückliegt. So ist die Bourgeosie mit der einzigen linken Philosophie umgegangen, die jede Herrschaft des Menschen über den Menschen negiert, selbst die Diktatur des Proletariats, dass ein hoffnungsloser Zustand mit dem Etikett “Prinzip Hoffnung” beklebt wird. Denn im Sinne des ausschließlich quantitativ messenden Turbokapitalismusses ist dann jede Hoffnung gestorben, wenn dem Subjekt im Rahmen des ihn fesselnden Systems keine Handlungsmöglichkeiten mehr gegeben sind. [weiterlesen...]
Für 60er-Freunde
Die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren popmusikalisch voller Merkwürdigkeiten, besonders was den Kleidungs- und Frisurenstil der Protagonisten angeht. Die heute gesuchte Band, die zwischen 1967 und 1972 insgesamt sieben Titel in die britische Top Ten brachte, begann in dieser Hinsicht reichlich beatlesk, um dann weniger Rücksicht auf den herrschenden Geschmack zu nehmen, was sich unter anderem im Vollbart eines Mitstreiters ausdrückte. Lange hielt die Band eh nicht, denn zwei der Mitglieder starteten 1971, noch vor der Auflösung der Gruppe, ein neues Projekt, das in Richtung Bombast (Streicher und so…) ging und insgesamt erfolgreicher wurde. Tja, und einmal (1968) besang die Truppe eine wichtige öffentliche Einrichtung mit allem Zick und Zack…
1) Wie hieß die Band?
2) Wie hieß deren Nachfolge-Band?
3) Wie heißt der gesuchte Song?
Für Ami-Freunde
Der Verlag behauptet, Richard Ford sei der amerikanischste aller Autoren. Was seine wirklich großen Romane “Unabhängigkeitstag”, “Sportreporter” und “Die Lage des Landes” angeht, kann man dem sicher zustimmen. Aber leider hat der gute Richard nicht nur große Romane geschrieben, sondern auch kleine. Einer der kleinsten ist sein Frühwerk mit dem Titel “Verdammtes Glück”. Der Vietnam-Veteran Harry Quinn ist im mexikanischen Oaxaca gelandet, um dort den Bruder seiner Ex aus dem Knast zu holen. In der Stadt kommt es zu einem Attentat, undurchsichtige Mafiosi und Anwälte spielen mit, und die Bedrohung ist allgegenwärtig. [weiterlesen...]
Für verschiedene Generationen
Heute dreht sich alles um einen Song, dessen Titel aus einem Wort besteht. Die Urversion stammt aus den frühen sechziger Jahren von einer Band, dessen Frontmann noch heute aktiv ist. Allerdings wurde das Lied zigfach gecovert, was dazu führt, dass die Insassen der jeweiligen Generation meinen, die aus ihrer Zeit stammende Fassung sei das Original. Das betrifft vor allem eine Version, die geradezu Kultstatus hat, aber die ist auch schon über 30 Jahre alt. Übrigens: Klassikfreunde werden das Wort, aus dem der Titel besteht, auch in musikalischem Zusammenhang kennen – wenn auch in einem völlig anderen.
1) Wie heißt der Song?
2) Von welcher Band wurde er bereits 1964 aufgenommen?
3) Von wem stammt das angesprochene Cover von 1975?
Frisch von der Prostata weg
Es ist das Zeitalter der Prostata. Nicht nur, dass dieses unscheinbare Organ in aller Mund (na ja…) ist, es bestimmt auch weite Teile der aktuellen Weltliteratur. Ob in Fords Lage des Landes oder Köhlmeiers Abendland: Die Helden haben’s an der Vorsteherdrüse, mussten sich die operativ entfernen lassen und sind anschließend nicht ganz dicht. So auch Nathan Zuckermann, der Protagonist in Philip Roths neuestem Altmännerroman. Dass der kastaniengroße Spender von Schmiermittel weg ist, hat aber auch den Vorteil der abhanden gekommenen Potenz. Die Herren können also vom Sex absehen und sich den großen Fragen des Lebens widmen. [weiterlesen...]
In Bremen beim Bund
Ich finde ja, dass die Romane von Sven Regener überschätzt werden. Und das ist nicht einmal böse gemeint. Tatsächlich sind die Bücher rund um Herrn Lehmann so tief in die jeweilige Epoche verstrickt, dass nur Menschen einer bestimmten Generation sie nachvollziehen können. Es handelt sich um Leute, die zwischen 1980 und 1990 jung und hoffnungsvoll waren. Nun neigen die betreffenden Jahrgänge 1950 bis 1965 ohnehin zur Selbstbespiegelung und zur Verklärung ihrer Jugend, da kommen die Regener’schen Texte gerade recht. Wo “Herr Lehmann” allerdings zwanghaft das Groteske suchte, da ist “Neue Vahr Süd” auf lakonische Art wahrhaftig. Das ist die wahre Stärke des Romans, dass Szenen und Dialoge realistisch bis zur Unerträglichkeit sind. [weiterlesen...]