Alle Artikel in der Rubrik "Literatüren"

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Mythen und Realitäten

Fred Vargas: Der verbotene Ort

vargas_verbotenerortEs passiert an dieser Stelle selten, dass ich ein Buch ganz uneingeschränkt empfehle. Aber bei “Der verbotene Ort” der französischen Schriuftstellerin mit dem Pseudonym Fred Vargas muss ich das tun, obwohl es sich bloß um einen Krimi handelt. Denn dieser Roman ist, gemessen in Krimi-Kategorien, von ungeheurer Qualität – ich würde sagen, wie ein Krimi von van de Wetering plus 10 Prozent. Zudem bewegt sich der Text auch als “normaler” Roman auf höchstem schreiberischem Niveau. Das wundert nicht weiter, denn Fred Vargas ist vielleicht die größte Krimi-Autorin der Jetztzeit. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 21.06.09
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Kinder kriegen

Hornby: Slam

hornby_slamSam ist vierzehn, seine alleinerziehende Mutter knapp über dreißig. Wer so früh Kinder in die Welt setzt, braucht lange, um ein eigenes Leben bauen zu können – das weiß der Verfasser aus eigener Anschauung. Also hat Sam die diffuse Angst, zu früh Nachwuchs zu zeugen. Dann lernt er Alicia kennen, sie schlafen miteinander, und durch ein Versehen wird sie schwanger. Sam ist eigentlich ein kleiner Junge, dem das Skaten über alles geht und dem das Skateboard-Idol Tony Hawks den fehlenden Vater ersetzt. Soweit die Problematik, die sich in einem Beinahe-Happy-End auflöst. Hornby wagt es, die Geschichte aus der Perspektive Sams zu schildern und dessen Jugendsprache zu übernehmen. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 06.06.09
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Was vor Hamlet geschah

John Updike: Gertrud und Claudius

updike_gertrudSchon oft wurde John Updike als kommender Literatur-Nobel-Preisträger gehandelt. Und er hätte es verdient. Natürlich stehen die Romane der Rabbit-Reihe im Mittelpunkt seines Schaffens. Dazu die vielen Büchern, die sich um die amerikanische Mittelschicht drehen. Aber der Meister hat auch ganz andere Themen behandelt. Neben “Brasilien” eben auch “Gertrud und Claudius“. Es handelt sich um einen historischen Roman, der schildert, was im Staate Dänemark geschah, bevor die Handlung des Shakespeare-Dramas “Hamlet” einsetzt. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 01.06.09
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Zähe Masse aus London

Hanif Kureishi: Das sag ich dir

kureishi_sagsdirAuf dieses Buch hatte ich mich gefreut, denn die anderen Romane des Hanif Kureishi – den ich mag, seitdem sein Buch Grundlage des wunderbaren Films “Mein wunderbarer Waschsalon” war – habe ich allesamt mit Vergnügen gelesen. Nun hat er eine 500-Seiten-Schwarte abgeliefert, die in weiten Teilen zäh und uninspiriert dahinfließt. Hauptfigur ist ein Londoner Psychoanalytiker pakistanischer Herkunft, der mit allem, was sich hip und prominent nennt, vernetzt ist. Das führt zu erheblichem Name-Dropping und einer Atmosphäre wie in einer Promi-Show. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 15.05.09
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Laubsägenarbeiten an Spanplatte

Daniel Kehlmann: Mahlers Zeit

Ein Novum in der Geschichte der “Literatüren“, die andernorts bereits im Januar 2003 in Blogform starteten: Zum vorliegenden Buch wird weder eine Abbildung, noch einen Link zu Amazon mitgeliefert. Denn dieses Ding sollten Sie auf keinen Fall kaufen.

Es handelt sich um ein frühes Werk des derzeit über alle Maßen gehypten Jungautors Daniel Kehlmann. Es handelt von einem durchgeknallten Pysiker, der meint, ein Welträtsel gelöst zu haben. Die Geschichte ist öde und blöde, der Plot langweilig. Viel schlimmer aber ist, wie Kehlmann versucht, sein Publikum mit Sprachkunst zu beeindrucken. Wer mehr liest als das, was die deutschen Kritikaster so aus verschiedenen Gründen empfehlen und so in die Hitlisten befördern, wird schaudern angesichts dieses Ergusses. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 22.02.09
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Heinz Erhardt zum 100. Geburtstag

Hinter eines Baumes Rinde

heinz_erhardtBei uns Zuhause war Heinz Erhardt ein Superstar. Natürlich auch schon in den Zeiten, als das Familienradio im Wohnzimmer auf dem Spitzendeckchen stand. Deshalb war ich einigermaßen überrascht, als ich ihn – vermutlich im Alter von 11 Jahren – zum ersten Mal im Fernsehen sah. Nein, einen dicken Mann, der aussah wie Herr Kraft, ein Bekannter meiner Eltern, hatte ich nicht erwartet. Aber lustig fand ich ihn trotzdem. Heinz Erhardt war im Fernsehen der sechziger Jahre omnipräsent. Ungefähr wie heute dieser Mario Barth. Vermutlich hat die ARD gedacht, dass man ihm deshalb zum 100. eine Art Chart-Show schenken sollte. Zum Glück habe ich diesen bunten Abend nicht selbst gesehen. [weiterlesen...]

» Eine Erinnerung von Rainer Bartel am 21.02.09
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Von Kritiker gehypt, von Lesern verrissen

Daniel Kehlmann: Ruhm

Nein, ich habe die “Vermessung der Welt” nicht gelesen. Wohl aber zweimal verschenkt an Leute, denen ich die Lektüre zutraute. Mir selbst war es zu blöd, den Roman eines bis dato erfolglosen Schreibers zu lesen, der doch bloß eine Art Remake von Thomas Pynchons “Mason & Dixon” verzapft hat. So kannte ich den Millionenseller nur aus dem wunderschönen Parallelroman “Das bin doch ich” von Thomas Glavinic, in dem Kehlmann als Schriftstellerkollege auftritt, der dauernd anruft, um die neusten Verkaufszahlen durchzugeben. Übrigens: Der eine Beschenkte hat das Buch tatsächlich zu Ende gelesen, der andere nie aufgeklappt. Und so wird möglicherweise die Hälfte der zig Millionen verkauften Exemplare ungelesen bleiben.

Das neuste Werk des Kehlmanns hat mich dagegen interessiert, trotz der üblen PR-Maschinerie drumherum und der Lobhudeleien diverser Kritiker. Ich hab ein Faible für Romane, die aus Geschichten zusammengesetzt ist, und berufsbedingt finde ich techno-kritische Themen spannend. Also las ich “Ruhm”, brach aber im vorletzten Kapitel ab. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 17.02.09
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Die Kultur in den Zeiten der Diktatur

Antonio Tabucchi: Erklärt Pereira

Nein, Doktor Pereira ist kein Held. Der ehemalige Lokaljournalist aus Coimbra ist ein herzkranker Fettsack, setimentaler Witwer und Liebhaber der französischen Literatur, der den neuen Kulturteil der Tageszeitung “Lisboa” verantworten soll. Eigentlich hat er keine Ahnung, was er da tun soll, und sein Verleger, der dem faschistischen Regime im Portugal des Jahres 1938 opportunistisch folgt, hält sich raus. So pendelt Pereira zwischen seiner Wohnung, seinem winzigen Büro, das fern ab der eigentlichen Redaktion liegt und von einer Concierge im Sinne der Polizei überwacht wird, und seinem Stammcafé hin und her. Da findet er einen jungen Mann italienischer Abstammung, den er zum Praktikanten machen will. Monteiro Rossi, so der Name des Praktikanten, soll vorsorglich Nachrufe auf Dichter verfassen, aber die Texte, die er abliefert, sind schlecht und politisch inkorrekt. Spätestens nachdem Pereira dessen schöne und starke Freundin Marta kennen gelernt hat, unterstützt er Rossi finanziell. Aber dann eskaliert die Situation: Marta ist Funktionärin der spanischen Republikaner, die sich im Krieg mit den Faschisten befinden, und zieht Rossi mit in die Sache hinein. Der taucht unter. [weiterlesen...]

» Rezension von Rainer Bartel am 01.02.09
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