Ich hab den Vater Rhein in seinem Bett gesehn...
1958 – Warum ist es am Rhein so schön?
Wie schon öfters erwähnt: Mein Vater war von 1955 bis zu seinem viel zu frühen Tod mit nur 43 Jahren im Sommer 1967 Angestellter der Düsseldorfer Hirschbrauerei, der Firma, die damals mit dem Düssel Alt eines der erfolgreichsten Biere der Region braute und vertrieb. Der Erfolg der Brauerei hatte seine Ursache sicher auch in der großen Bereitschaft des alten Päffgen, Kooperationen einzugehen. Über die Kontakte zu den Münchner Brauhäuser habe ich ja hier schon berichtet; wie die Hirschbrauerei mit Stella Artois kooperierte, wird noch zu berichten sein. Sehr eng war der Kontakt aber vor allem zur Brauerei Königsbacher. Das führte letztlich dazu, dass Königsbacher nach einer langjährigen Vertriebspartnerschaft die Hirschbrauerei übernahm als diese in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte.
Die Produktionsstätten der Königsbacher liegen im Süden von Koblenz direkt am Rhein. Hier stand auch schon das Stammhaus, in dem seit 1689 gebraut wurde. Und mein Vater war bei denen regelmäßig zu Gast oder Teilnehmer an “Besprechungen” (Das ist das, was man heute “Meeting” nennt…). Im Sommer 1958 nahm er mich oft mit auf seine Dienstfahrten. So auch nach Koblenz und dann weiter den Rhein runter. Das heutige alte Dia zeigt den Ort Hirzenach, der heute ein Ortsteil der Stadt Boppard ist. Diese uralte Ansiedlung zählt zur Region Mittelrhein und liegt etwa 20 Kilometer stromabwärts von der Loreley entfernt. Also mitten in der romantischsten Ecke, die entlang des Rheinstroms zu finden ist. Leider ist das Rheintal an dieser Stelle so eng, dass schon von Alters her die Verkehrswege direkt am Ufer antlang führen.
Das gilt – was man auf dem Dia schön sehen kann – sowohl für die Bahnstrecke, als auch für die Durchgangsstraßen. Das Stück zwischen Koblenz und Bingen zählt zu den eindrucksvollsten Bahnstrecken der Welt, hier verkehrte über lange, lange Jahre der Rheingoldexpress, der von Amsterdam bis nach Genf fuhr. Erst mit der neuen, rechtsrheinischen ICE-Strecke endete die Ära des Fernverkehrs an dieser Stelle. Heute bewegt sich hier nur noch der Nah- und Regionalberkehr.
Die Straße, die parallel zu den Gleisen verläuft, ist die Bundesstraße 9; sie beginnt an der niederländischen Grenze bei Kranenburg (Kleve) und endet an der französischen Grenze bei Lauterbourg. Wie viele andere Bundesstraßen mit einer Laufnummer unter 20 basiert die Streckenführung bis heute auf alten Verkehrswegen aus der römischen Zeit und dem Mittelalter.
Das Foto ist offensichtlich recht frü am Morgen aufgenommen. Irritierend ist aus heutiger Sicht, dass außer den parkenden Wagen kein Auto in Sicht ist. Auf dem Parkplatz links steht übrigens unser Opel Olympia Rekord, gegenüber der Pkw eines niederländischen Touristen. Heute sieht diese Situation am (ehemaligen) Hotel “Zur Traube” in Hirzenach so aus:

In den 52 Jahren hat diese Stelle verschiedene Veränderungen erlebt. 1958 stand der Ort noch ganz im Zeichen von Wein- und Ackerbau. Dafür sprechen Trecker und Hänger, die vor dem Holländerauto stehen. Außer der Traube gab es noch das Hotel Hirsch, das auch heute noch existiert. Von Tourismus konnte kaum eine Rede sein; höchstens ein paar romantisch veranlagte Amis oder Engländer verirrten sich hierher. Die Bahnstrecke war schon elektrifiziert, und alle zwei Stunden muss hier ein Expresszug vorbeigerauscht sein.
Um 1960 herum wurde die B9 ausgebaut und – mangels Autobahn auf dieser Rheinseite – zu einer extrem stark befahrenen Durchgangsstraße. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir so um 1965 herum auf der Rückfahrt aus dem Urlaub hier mit der Familienkutsche im Stau standen und mein Vater sagte: “Wenn wir erstmal in Koblenz sind, dann geht’s ganz schnell nachhause.”
Im Gegensatz zu anderen Orten im Rheintal dieser Region hat Hirzenach keine Umgehungsstraße bekommen. Die B9 führt immer noch parallel zu den Gleisen am Rhein entlang. Nur dient die Bundesstraße jetzt eher den Eingeborenen. Wer zum Beispiel von Koblenz nach Mainz will, der nutzt eher die A61.
Ich muss gestehen, ich war nie wieder dort. Nein, nicht einmal in Koblenz, Boppard oder Bingen. Aber vermutlich bin ich in all den Jahren wohl fünfzig Mal oder mehr mit dem Zug durchs Tal gefahren und dabei zwangsweise auch durch Hirzenach gekommen.
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Geil, Rainer – nen “Vorher / Nachher” Bild. Sowas sollteste auch mal bei einem der (raren?!) Düsseldorf Dias machen. Ich schätze diese Kolumne sehr, nicht zuletzt wegen Deiner charmanten Schilderungen.
[Antwort]
Rainer Bartel Antwort vom 12.02.10 13:12:
Ja, Vorher-Nachher ist schön … wenn denn mit vernünftigem Aufwand möglich. Herauszufinden, wo genau das alte Dia aufgenommen wurde, hat mich ein paar Stunden gekostet: okay, das ist es mir im Sinne der Wahrheitsfindung schon wert ;–))
Leider sind es doch nicht soviele Düsseldorf-Dias wie gedacht. Es wird noch so drei, vier davon geben – wenn möglich mit Vorher-Nachher-Vergleich.
Aber dann sind da noch einige Alben und Kartons voller s/w-Fotos aus jener Zeit. Mal sehen, was da noch zu finden ist.
Ansonsten: Danke für die Blümchen!
[Antwort]