Hessen-Wahl: FDP und Grüne siegen

Bock wieder zum Gärtner gewählt

blauer_bockWas soll man von einem Bundesland erwarten, in dem ein großer Teil der Bevölkerung freiwillig sauer gewordenen Apfelsaft trinkt? Nun ist der Hesse an sich ja seit Jahrhunderten unberechenbar. Das muss damit zusammenhängen, dass der Hesse vor allem leicht zu beeinflussen ist. Sonst hätte er sich nicht jahrzehntelang durch eine für Normalmenschen unerträgliche Fernsehsendung namens “zum Blauen Bock” repräsentieren lassen – oder eben über Jahre durch einen CDU-Politiker, der sich Roland Koch nennt. Der Hesse, der sich gern in Nordhessen, Südhessen und Frankfurter auseinanderdividieren lässt, hat heute über Tag dafür gesorgt, dass ebendieser Koch erneut den hessischen Garten bestellen darf. Damit erntete er die Früchte der sozialdemokratischen Blödheit der Frau Ypsilanti, die sich rund um ihre Statements zu einem Bündnis mit der Linken nicht bewusst darüber war, dass sie so der BLIND-Zeitung tonnenweise Munition für ihre mediale Hinrichtung liefert. Das spricht weniger gegen Frau Ypsilanti als für den eklatanten Mangel an Kommunikationsexperten unter den Sozen im Land.

Nicht einmal dagegen, dass sich durchaus zweifelhafte Parteigenossen/-innen mit Hilfe der gleichgeschalteten Medien als Märtyrer stilisieren konnten, haben die Sozen etwas unternommen. Und den Pro-Atom-Guerillero Clement wurden sie auch nicht einfach so los. Die SPD in diesen Zeiten ist ein erbärmlicher Haufen Politamateure, und die ständigen Wahldesaster sind nicht die Folge ihrer politischen Positionen, sondern das Ergebnis einer völlig bescheuerten Kommunikation, einer naive Abwesenheit von Weltkenntnis und dem ständigen Verschliss von allen Personen, die sich nicht zum Filze bügeln lassen. Decken wir also den Mantel der Barmherzigkeit über die Spezialdemokraten in Hessen und in der Republik.

CDU auch im Erdgeschoss
Fest steht, dass nicht nur die Sozen das schlechteste Ergebnis aller Zeiten erzielt haben, sondern dass auch die Koch’sche CDU bestenfalls das zweitschlechteste Ergebnis seit 1970 geholt hat. Kein Wunder, denn keiner mag den Koch, nicht einmal seine Wähler. Denn irgendwelche nennenswerten Leistungen hat er als Landespolitiker nicht vorzuweisen, es sei denn, man verstünde sein unbeschadetes Lavieren durch die CDU-Spendenaffäre müsste ihm als Verdienst zugerechnet werden. Stattdessen tat sich der Bock, der wieder Gärtner wird, durch moralfreie Nazi-Vergleiche, skrupelloses Spekulieren auf die Stimmen von Ausländerfeinden und allerlei wahltaktische Schmutzigkeiten hervor. So einen kriegen die Hessen jetzt wieder als Ministerpräsidenten.

FDP riecht besser
Aber nur, weil der Hesse (siehe oben) sich in seinem unerforschlichen Ratschluss entschieden hat, die FDP auf um die 16 Prozent zu pushen, einem Ergebnis, in dessen Nähe sie 1954 gerieten, als die Wähler noch nicht demokratisiert genug waren, um vernünftigen Gebrauch von ihrer Stimme zu machen. Man kennt das ja, dass das in Richtung Konservatimus gehirngewaschene Stimmvieh zu den Liberalen greift, wenn die angebotene CDU gar zu stark riecht. An irgendwelcher Programmatik kann der Zuwachs der FDP in Hessen nicht liegen, denn die Bestand in den letzten Wochen vor allem im Bekenntnis zu einem schwarz-gelben Bündnis. Man könnte auch sagen: Jeder achte Hesse hat sein Kreuz bei den Freidemokraten gemacht, weil die unbedingt regieren wollen. So blöd muss man erstmal sein.

Grüne als bessere Sozen
Dass aber auch die Grünen mehr Stimmen fingen als je zuvor in Hessen (selbst als zu Zeiten des unsterblichen Joschkas, des sozialdemokratischsten Grünen, der je mitspielen durfte), ist schwer zu deuten. Zumal das Ergebnis im Bundestrend liegt. Natürlich gutmenscheln sich die Ex-Ökologen sauber durch die Medien, allen voran der türkische Schwabe (schwäbische Türke?) mit den dicken Koteletten, der es außerdem schafft, die Roth von den Kameras fernzuhalten, was die Sympathiewerte für die Partei sicher verbessert. Der Grund besteht aber vermutlich darin, dass die Grünen inzwischen die besseren Sozen sind. Also: Immer bereit, einen Grundsatz aufzugeben, um Ämter zu generieren. Und das Ganze läuft so auf eine schwarz-grüne Regierung nach der Bundestagswahl hinaus.

Und die Linke? Hat sich selbst in Hessen über die 5-Prozent-Hürde gequält. Wäre aber nicht nötig gewesen.


» Kommentar von Rainer Bartel am 18.01.09 um 20:39 » in Kategorien: Deutschland » 659 x gelesen » 4 x kommentiert
» Schlagworte: , , , , , ,   

  1. Bei der Wahl zwischen Koch und Ypsilanti haben die Hessen scheinbar was übersehen:

    - Ypsilanti hat ein Wahlversprechen gebrochen, was mithin eine Absichtserklärung für die Zukunft darstellte.
    - Koch hingegen hat das im Rahmen der Spendenaffäre Recht gebrochen, was mithin eine bereits vollendete Wählerverarschung in der Vergangenheit darstellt.

    Die eine hat noch gar nicht, der andere hat schon – nicht dass mir die Hessen-SPD sonderlich symphatisch ist, aber ich bin dann doch eher gegen die Resozialisierung von Polit-Verbrechern …

     
    Kommentar von Macsico am 19.01.09 um 10:53
  2. Was heißt schon Wortbruch? Wer Ehrenwörter vergibt, landet früher oder später in der Wanne. Das wusste Y auch und hat erst gar kein Wort gegeben. Das hat das BLIND-Blatt hineininterpretiert, um sie fertigzumachen. So ähnlich wie bei der fehlenden Reue des Christian Klar. Und da die Mehrheit der deutschen Journalisten zu dumm und/oder zu faul sind, haben die das nachgeplappert. Nach einer Wahl Koalitionen einzugehen, die man vor der Wahl ausgeschlossen hat, ist ja nun nichts Besonderes in der deutschen Parteiendemokratie. Wenn das aber eine Frau tut, die links argumentiert, dann werden Scheiterhaufen angerichtet.

    Wenn aber ein Mann aus der Mitte des bigotten Bürgertums Recht bricht, dann ist das ein Kavaliersdelikt, das ihm sogar noch das Lob einträgt, ein ganz gewieftes Schlitzohr zu sein.

    Wie gesagt: Wenn die CDU stinkt, dann wählt der Egoist einfach FDP.

     
    Kommentar von Rainer Bartel am 19.01.09 um 15:39
  3. Der Wortbruch ist ein wesentliches Merkmal des bigotten Bürgertums…insofern war Koch halt nur konsequent!

    Aber ekelig ist und bleibt die Tatsache, dass dieser Hetzer wirklich erneut Ministerpräsident wird.

    Na ja, schäle Hessen halt…

    Tommy

     
    Kommentar von Tommy_99 am 19.01.09 um 22:10
  4. Das nennt sich Demokratie.

     
    Kommentar von Joachim Reinhold am 20.01.09 um 22:26

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL

Sie müssen eingelogged sein um kommentieren zu können.

blogoscoop