Das von einer militanten Nichtrauchermafia durchgesetzte Rauchverbot in Einraumkneipen zeigt seine absurden Seiten. Gerade in Nordrhein-Westfalen, speziell in Düsseldorf, erklären immer mehr Wirte ihre Lokale zu Raucherclubs. Die Kneipenbesitzer in der Düsseldorfer Altstadt wollen sogar einen gemeinsamen Raucherclub gründen, damit die rauchfreudigen Gäste nicht mehr in jeder Wirtschaft eine eigene Mitgliedschaft beantragen müssen. In den Vierteln hat eine Mehrheit auf Raucherclub umgestellt. Das Absurde daran: nichtrauchende Stammgäste werden Mitglieder, damit sie weiter am Lieblingstresen ihr Alt trinken können.
Militante Nichtraucher sind – wie alle Gesundheitsfreaks – engstirnige Spießer, soviel steht fest. Denn das Bestreben, möglichst lange gesund zu bleiben, ist nichts weiter als der Wunsch, den Nachbarn zu überleben und dem an dessen Grab eine lange Nase zu drehen. Das gilt für Menschen, die permanent Spocht treiben, für radikale Vegetarier und eben Nichtraucher. Ihnen allen gemeinsam ist es, eine Welt nach ihrem Geschmack zu formen und die Ungläubigen umzuerziehen. Gerade militante Nichtraucher sind meistens Stalinisten, die von einer Kulturrevolution maoistischen Ausmaßes träumen. Vermutlich würden die jeden Gernraucher am liebsten zur Selbstkritik aufs Land schicken.
Bleiben wir sachlich. Dass Kneipen seit dem Beginn des Raucherzeitalters vor ungefähr 120 Jahren immer auch Sammelstellen der Raucher waren, lassen die Nichtraucher mit Methode außer Acht. Sie reklamieren für sich, beim Besuch einer Wirtschaft, eines Restaurants oder eines Cafés rauchfrei genießen zu wollen. Aber schon beim Typus der Lokalität lohnt es sich zu differenzieren. Fast jeder Raucher wird zugeben, dass es für einen Tabakabstinenzler unzumutbar ist, sein Gourmetmahl in einer fremdgemachten Rauchwolke zu genießen. Das gilt auch für den Kuchenverzehr im Café. Konsequent und selbst für schlimmste Kettenraucher zu ertragen wäre also das strikte Rauchverbot in geschlossenen Räumen, die hauptsächlich dem Verzehr von Speisen dienen. Für Lokalitäten mit mehr als einem Raum müsste das – wie heute auch – nicht gelten.
Ganz anders sieht es aber der klassischen Kneipe aus, die sich dadurch auszeichnet, dass sie vorwiegend zum Zwecke des Getränkekonsums betrieben wird. Hier macht ein Rauchverbot keinen Sinn. Ja, rufen nun die Antitabakisten, wenn ich aber in einen Kneipe will… Denen könnte man antworten: Wenn du körperlich unter den Nebenwirkungen von Chlor im Badewasser leidest, wirst du doch auch nicht in ein Schwimmbad gehen.
Wahlfreiheit
Und so kommen wir zu dem von Antreibern des Rauchverbots oft geäußerten Vergleich mit Fixerstuben. Dieser Vergleich geht von der abwegigen These aus, dass Rauchen eine Sucht ist. Da ist die Wissenschaft deutlich weiter. Nur etwa 5 Prozent der Bevölkerung sind Suchtraucher, also Menschen mit einer physischen Abhängigkeit vom Nikotin. Diese armen Teufel erleiden deutliche Entzugserscheinungen, wenn sie freiwillig oder gezwungenermaßen für einen gewissen Zeitraum auf die Kippe verzichten müssen. Entgegen aller Versprechungen der diversen Therapeuten und Entwöhnungsmittelhersteller fällt einem Suchtraucher der Entzug kaum weniger schwer als einem Alkohol- oder Heroinabhängigen.
So wenig wie der Junkie hat der Suchtraucher die freie Wahl es weiter zu tun oder zu lassen. Mittlerweile hat die Mehrheit der Bevölkerung erkannt, dass Drogenabhängige nicht einfach willensschwache Idioten sind, die selbst schuld sind und deshalb ihrem Schicksal überlassen werden können. Ebenfalls weitgehend anerkannt ist, dass man gerade Heroinsüchtigen einen halbwegs lebenswerten Lebensstil ermöglichen und die Entscheidung zum Entzug erleichtern kann, wenn man ihnen in Fixerstuben die Möglichkeit gibt, ihrer Sucht unter erträglichen Bedingungen nachzukommen. Ähnlich könnte man mit Suchtrauchern verfahren – ihnen also bestimmte Kneipen öffnen, damit sie ihren Nikotinbedarf unter angenehmen Bedingungen decken können.
Macht der Gewohnheit
Die Maße der Zigarettenverbraucher sind Gewohnheitsraucher. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 25 bis 30 Prozent. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass aus jedem Gewohnheitsraucher ein Nichtraucher werden kann – sei es durch verhaltenspsychologische Behandlung, durch Medikamente oder Placebomethoden wie Hypnose oder Nadelstechen. Komischerweise leidet dieser Rauchertypus mehr unter seiner Gewohnheit als der Suchtraucher unter seiner Abhängigkeit. Gleichzeitig kämpfen Gewohnheitsraucher am stärksten um ihr Recht auf Qualm. Und: Diese Gruppe stellt den allergrößten Anteil an den Kneipenrauchern.
Wer einem Zigarettenvernichter, dem dies eine schlechte Gewohnheit ist, verbietet, in seiner Libelingskneipe einen Glimmstengel anzuzünden, nimmt ihm ein großes Stück Lebensqualität. Ja, Lebensqualität heißt nicht nur “Gesund leben”, sondern auch die Entscheidung, zu fressen, zu saufen und zu rauchen in die Tat umsetzen zu können.
Minderheit Nichtraucher
Vermutlich sind die Nichtraucher eine Minderheit unter den Kneipenbesuchern. Vor etwa 20, 30 Jahren waren sie das gewiss, denn damals rauchten zum Beispiel in den Lokalen der Düsseldorfer Altstadt praktisch alle Gäste. Dern Wunsch, dass in der eigenen Lieblingswirtschaft gar nicht mehr geraucht werden darf, haben übrigens vorwiegend ehemalige Gewohnheitsraucher. Diese Ex-Nikotin-Junkies zeigen sich ja ohnehin nach dem Entzug als die militantesten unter den Nichtrauchern. Sie sind in der Regel mächtig stolz darauf, “es” geschafft zu haben und erklären alle Immer-noch-Raucher für willensschwach und vor allem für intolerant gegenüber Nichtrauchern. Diese Manöver sind durchsichtig, weil strunzeigoistisch.
Und dann sind da noch die Gelegenheits- und Genussraucher. Während die erstgenannte Gruppe unregelmäßig raucht, also manchmal tage- oder wochenlang gar nicht, zünden sich die Mitglieder der zweiten Gruppe ihre Kippe immer dann an, wenn ihnen das Genuss bietet oder einen vorhandenen Genuss verstärkt. Zu letzterem gehört für diesen Rauchertypus auch der Kneipenbesuch. “Ich rauche eigentlich nur in der Kneipe, bei Parties und beim Fußball” ist ein oft gehörter Satz. Auch diese Menschen werden durch das Rauchverbot in der Gastronomie bestraft.
Was tun?
Wenn der Wunsch der Nichtraucher nach rauchfreien Gaststätten so groß wäre und sie selbst eine nennenswerte Zielgruppe darstellten, dann hätte es längst einen Boom von Wirtschaften gegeben, die von sich aus ein Rauchverbot für alle Gäste aussprechen. Hat es aber nicht, weil der Nichtraucher gerade in der Kneipe in der Minderheit ist.
Nicht nur deshalb muss das Rauchverbot für Kneipen rückstandslos weg. Es muss verschwinden, weil man den Bürgern beim Konsum einer legalen Droge die Wahlfreiheit zu geben hat in einem freiheitlichen Staat. Was könnte sonst als nächstes Kommen? Alkoholverbot in Brauereiausschänken?
Ein Kompromiss wäre – wie erwähnt – das Rauchverbot in Restaurants. Wobei sich auch da fragt, warum das die Inhaber nicht selbst übernehmen. Vorstellbar wäre auch die Förderung rauchfreier Kneipen für Nichtraucher durch Steuererleichterungen oder ähnliches.
So lange aber die jetzige Regelung mit ihren Ausnahmen gilt, wird die absurde Situation von Nichtrauchern in Raucherclubs bestehen bleiben.
[Bild: Tabakskollegium beim alten Fritz - Klick macht groß]
Bei mir um die Ecke ist sogar ein Kiosk “Raucherclub”. Ich vermute, dass es ab Mittwoch (Karlsruhe entscheidet zu Rauchverboten) mit solcherlei Absurditäten vorbei ist.
Was mich schon lange stört, ist diese ständig selbst in angeblich seriösen Medien nachgeplapperte und absolut nicht beweisbare Zahl von jährlich 3000, die an Passivrauchen sterben. Da wär ein Alkoholverbot nur konsequent, denn die Zahl der Passivtrinker, die jährlich von besoffenen Autofahrern getötet werden, ist dagegen nachweisbar.
Also, sorry, aber mich stört Rauchen- speziell beim Essen.
Ich weiß, daß das für die meisten Raucher nicht nachvollziehbar ist, aber mir schmeckt das Essen nur noch nach Zigarette, wenn ich den Rauch dabei einatme.
Und ich freue mich, wenn ich nicht wie ein Aschenbecher stinke, nur weil ich einen gemütlichen Abend in einer Kneipe verbracht habe.
Ich habe nichts gegen die Raucherclubs, sollen doch die Raucher dort in ihrem Mief sitzen, wenn sie das so sehr lieben.
Ich bevorzuge die Kneipen, die ab nun Nichtraucher sind bzw. ein extra Raucherzimmer haben.
Bin sehr dankbar für das neue Gesetz und habe noch kein Bundesland erlebt, in dem das solch ein Theater und so viele Nichtraucherclubs gab wie hier in NRW.
Mich als absoluten Genussraucher – und das seit fast 40 Jahren – stört es auch, wenn ich beim Essen im Qualm sitze. Deshalb habe ich ja geschrieben: Striktes Rauchverbot überall da, wo vorwiegend Speisen serviert werden.
Was hindert eigentlich die Nichtraucher daran, den gemütlichen Abend in einem Lokal zu verbringen, wo nicht geraucht wird? Ach ja, du bevorzugst ja genau diese. Wozu also die Aufregung?
Und: Warum liebt ihr Nichtraucher das neue Gesetz? Weil ihr euch für überlegen haltet und dies nach alt bekannter Kleinbürgertradition per Verordnung dokumentiert sehen wollt.
Daneben einfach nur total daneben. Hab mich gestern echt gefreut als ich mit Freunden vor dem konvex diese Mitgliedsformulare für den Raucherclub ausfüllen sollte. Schade das auch dieser Laden zum “Club” geworden ist. Wir sind immer gerne dahin gegangen und haben den leckeren Dunst voller Vorfreude auf das Nichtraucherschutzgesetz ertragen. Für unsere 12er Gruppe wars das dann erst mal.
Wird Zeit das der Hokus Pokus aufhört und das Gesetz zum NICHTRAUCHERSCHUTZ endlich umgesetzt wird.
@#4: Also ich als Ex-Raucher liebe dieses Gesetz nicht. Wegen mir hätte man das Rauchverbot nicht so pauschal und rigoros festschreiben müssen, dass jetzt so viele Bierschwemmen zu Raucherclubs umfirmieren müssen. Wenn ich einmal im Quartal das Bedürfnis nach Stehtisch-Betankung empfinde, gehört Qualm notfalls halt dazu, auch wenn mich die stinkenden Klamotten danach nicht wirklich erbauen. Angesichts der Tatsache, dass ich ein Vierteljahrhundert selbst nicht zu knapp geraucht habe, fände ich missionarischen Eifer in dieser Frage einfach lächerlich.
Aber in Restaurants beim Essen nicht mehr so zugequalmt zu werden, das empfinde ich tatsächlich als Riesenfortschritt.
Mit dem Rauchverbot wird es genau so enden wie mit der Prohibition.
In spätestens 10 Jahren ist der Spuk vorbei. Die militanten Gutmenschen und Gesundheitsfanatiker werden in dieser schnelllebigen Zeit schon bald andere Steckenpferde finden, um ihre Machtgeilheit auszuleben.
[...] Junikies interessant. Bringen Sie uns doch alle in Misskredit. Alles wichtige dazu hat schon rainersche-post.de [...]