Schöner See, doofer Name

spatzen_von_berlin.jpgJanz Balin is een Wald. Un mit Seeen. Ja, wirklich. Außerhalb der aus unerfindlichen Gründen angesagten Vierteln ist die Hauptstadt voller Bäume. Da gibt es mitten in Zehlendorf, direkt neben der Potsdamer Chaussee das Gemeindewäldchen, das so groß ist, dass es jeder mittleren Kleinstadt als Park reichen würde. Und dann natürlich der Grunewald, dessen Ausmaße mit bloßem Auge kaum wahrnehmen kann. Schließlich kann man Berlin auch als Stadt mit viel Wasser bezeichnen. Neben der Spree und den vielen Kanälen trägt die Havel mit ihren Seen ebenso dazu bei wie die Gewässer im Grunewald. Einer der schönsten ist der Schlachtensee, der ein bisschen unter seinem doofen Namen leidet.

Denn bei diesem Namen denkt man entweder an die militärischen Rituale, bei denen einfache Soldaten zuhauf umkamen, während die Generäle auf dem Hügel zusahen, oder aber an die Umsetzung von Lebewesen in Essbares. Woher ausgerechnet bei diesem idyllischen See diese üble Benennung herrührt, ist mir unbekannt.

Am besten kommt man über den gewaltig schönen Biergarten der Fischerhütte am Nordufer. Von der U-Bahn-Station Krumme Lanke sind es kaum fünf Minuten bis dorthin. In dieser Gartenwirtschaft finden wohl gut tausend Menschen Platz sowie Speis und Trank. Direkt am Haus ist die Terrasse, auf der bedient wird. Darunter findet sich ein klassischer Wirtspavillon, wo man am ersten Fenster Getränke, am zwoten Essen bekommt. Man kann sich aber auch – sofern geöffnet – gegrillten Halbhähnchen an einer separaten Station holen. Das Erworbene trägt man an den gewünschten Platz und lässt es sich schmecken.
Dabei bleibt man selten allein. Denn die fetten und frechen Spatzen von Berlin warten schon in Scharen auf die Reste. Die Mätze sind so dreist, dass sie auf dem Tisch sitzen und einem das Brot vom Teller klauen, wenn man nicht aufpasst. Die haben weder vor dem Menschen, noch vor seinem besten Freund Respekt und sind damit zutiefst berlinerisch.

Der Schlachtensee windet sich durch den Grunewald diesseits der AVUS wie der Dünndarm durch den Bauchraum. Alles in allem ist er wohl über drei Kilometer lang und meist weniger als zweihundert Meter breit. Ein weichgepolsterter Weg führt einmal drumherum. Leider blieb uns die andere Seite erspart, denn kurz vor dem Ende hatte die Polizei den Weg gesperrt, und die Beamten wollten auch keine Auskunft über den Grund geben. Außerdem kam ein Rettungswagen aus der gesperrten Zone.
Der geneigte Badegast kann alle paar Meter seinen persönlichen Ministrand nutzen und vom Ufer aus auf den See hinaus schwimmen. Das st zwar nicht erlaubt, wird aber geduldet. Außer an den Stellen, an denen man das Ufer aus Gründen des Naturschutzes eingezäunt hat. Und so sieht man an warmen Tagen Männer und Frauen. Kinder und Greise mit und ohne Badekleidung in das Wasser schreiten.
Als Nichtberliner kann man angesichts dieser Idylle, die es ja ganz ähnlich noch ein paar Mal im Wald gibt, ganz neidisch werden. Zumal als Hundehalter, denn der beschriebene Weg und überhaupt der ganze Grunewald südlich der AVUS ist als Hundefreilaufgebiet gekennzeichnet. Da kann sich der Fellträger mal so richtig gehen lassen.

So schön kann Berlin sein.


» Reisebericht von Rainer Bartel am 23.08.08 um 20:50 » in Kategorien: Deutschland » 646 x gelesen » noch kein Kommentar
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