An der Autobahntankstelle Ohligser Heide

1958 – Opel Olympia Rekord

Folge 6 von 15 in Alte Dias

altedias_opelDieses Dia [Klick aufs Bild macht's groß] zeigt unsere erste Familienkutsche. Es handelt sich um einen Opel Olympia Rekord, vermutlich vom Baujahr 1955. Ein Abgleich der anderen Autos, die auf dem Foto zu sehen sind, lässt vermuten, dass die Aufnahme im Sommer 1958 gemacht wurde. Tatsächlich war der Opel mit dem schönen Kennzeichen D-AC 444 ein Firmenwagen. Mein Vater war von Beruf Architekt und ab etwa 1954 bei der Hirschbrauerei Düsseldorf angestellt, dem Traditionshaus, aus dem bis etwa 1970 das leckere Düssel Alt floß. Sein Hauptjob bestand darin, Gaststätten zu bauen, umzubauen, zu restaurieren und zu sanieren. In den fünfziger Jahren – der alte Patriarch Paefgen lebte noch – war die Hirschbrauerei auf dem Expansionskurs. Wurde das Bier bis etwa 1930 nur in Düsseldorf selbst angeboten, hatte der “alte Braumeister” (so wurde er respektvoll genannt) nach dem Krieg begonnen, weit über die Stadtgrenzen hinaus Gastwirtschaften zu erwerben und neue Konzessionäre zu gewinnen. So dehnte sich um 1958 herum das Düssel-Alt-Imperium im Norden bis Bad Oeynhausen und im Süden bis etwa Koblenz aus. Was für meinen Vater bedeutete, viel unterwegs zu sein.

Der alte Paefgen hatte noch vor dem Krieg die BGB gegründet, was für “Braugemeinschaft Bier” stand und eine Art Einkaufsgenossenschaft der Düsseldorfer Altbierbrauereien war. Neben den Hausbrauereien (damals: Uerige, Schumacher, Füchschen und Frankenheim) wurden nur noch Schlösser, Gatzweiler und Dietrich zu den Düsseldorfer Brauereien gezählt. Hannen und Diebels nicht, den die brauten nicht im Stadtgebiet. Aus heutiger Sicht muss der alte Paefgen als Unternehmer modernen Typs betrachtet werden, denn er hatte nicht nur die BGB gegründet, sondern war quer durch Deutschland Vetriebskooperationen eingegangen. Und mein Vater hatte nebenbei die Aufgabe, die Kontakte zu anderen Brauhäusern zu pflegen.

Geboren bin ich im November 1952, dementsprechend wurde ich zu Ostern 1959 eingeschult, denn damals begann das Schuljahr bekanntlich nicht nach den Sommerferien, sondern nach dem Eierfest. Diese Altersituationen brachte für mich das Privileg mit sich, mit meinem Vater auf Reisen gehen zu können. Ich vermute, dass das vorliegende Dia auf unserer ganze großen Reise nach Süddeutschland geschossen wurde. Und die muss im Sommer 1958 stattgefunden haben.
Ich erinnere mich noch sehr genau an zwei Stationen: Freiburg und München. In Freiburg übernachteten wir im berühmten Roten Bären, in München im Hotel Schottenhamel, ganz in der Nähe vom Stachus. Bei einem Italiener dort aß ich Spaghetti mit Fleischbällchen. Wir besichtigten die Spatenbrauerei.

Wo das Foto enstand, weiß ich nicht genau, vermute aber, dass es sich um die Araltankstelle an der Autobahnraststätte “Ohligser Heide” bei Solingen handelt. Mein Vater hatte mich vor dem hinteren Kotflügel platziert, weil er meinte, dann sähe man die Reparaturstelle nicht so. In den Wochen hatte ihm ein anderer Autofahrer die Vorfahrt genommen und den Opel an dieser Stelle erwischt.
Das Auto kam in unsere Familie kurz nachdem im Oktober 1956 meine Schwester geboren wurde. Deshalb hat es sich vermutlich um einen Gebrauchtwagen gehandelt, der uns bis 1960 begeleitete. In dem Jahr kaufte mein Vater einen Peugeot 403, aber das ist eine andere Geschichte…


» Bildbericht von Rainer Bartel am 31.12.09 um 12:29 » in Kategorien: Düsseldorf,Feuilleton » 1,435 x gelesen » noch kein Kommentar
»   

Noch kein Kommentar

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL







Diese Tags sind möglich: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



blogoscoop