Familienauto Nr. 2: ein Peugeot 403

1964 – Der französische Mercedes

Folge 2 von 15 in Alte Dias

altedias_peugeotIn den fünfziger und sechziger Jahre hatte noch lange nicht jede Familie ein Auto. Auch wenn bereits 1955 der millionste VW Käfer vom Band gerollt war, so waren Männer mit Auto (Frauen am Steuer gab es damals noch so gut wie gar nicht) priviligiert. Wie schon erzählt verfügte mein Vater aus beruflichen Gründen über einen Firmenwagen. Da seine beiden Chefs, die Gebrüder Päffgen, selbst Autonarren waren, durfte sich mein Vater sein Auto nach eigenem Geschmack aussuchen. Nach langem Prospektewälzen, an dem auch wir Jungs teilnahmen, fiel die Wahl auf einen beigefarbenen Peugeot 403, ein Wagen, der hierzulande nur sehr selten zu sehen war. Entsprechend stolz war mein Vater auf diese Kiste.

Natürlich brachte ein solcher Exot Sonderpunkte auf dem Schulhof. Wenn sich in jenen Jahren die Burschen stundenlang darüber stritten, ob denn nun ein DKW 3=6 besser sei als ein VW 1200, da konnten wir dann beiläufig einstreuen, unser Vater führe einen Peugeot 403. Und das sei quasi der französische Mercedes. So informierte mein Vater nämlich all die Verwandten und Bekannten, die nachfragten, was das denn für ein merkwürdiges Auto sei. Immerhin hatte der Motor 58 PS! Ein Käfer hatte bloß 30 (Standard) oder 34 (Export) PS und der zweitaktende DKW maximal 40. Außerdem war der Peugeot wirklich so komfortable wie die damaligen Mercedesse. Und ein Schiebedach hatte er serienmäßig!

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem der Peugeot gekauft wurde, als mein Vater also den Kaufvertrag unterschrieb. Der hiesige Peugeot-Autosalon befand sich am Ende der Berliner Allee, direkt an der Johanneskirche, also an der Ecke zur Blumenstraße. In diesem großzügigen Verkaufsraum standen einige blank polierte Wagen herum, einer davon auf einem Podest, das sich langsam drehte. Wir Jungs bekamen vom Verkäufer Modellautos geschenkt und meine Mutter einen Blumenstrauß.
Wie sehr ein solches Erlebnis zur Markentreue führt, mag man daran erkennen, dass ich selbst als zweites meiner Autos einen gebrauchten Peugeot 204 kaufte und meine Schwester bereits zum zweiten Mal einen Neuwagen aus dem Haus mit dem Löwen erworben hat.

Für damalige Verhältnisse war der 403 ausgesprochen geräumig. Leider brachte das mit sich, dass wir immer wieder Verwandte oder Bekannte auf Sonntagsuasflüge mitnahmen. Und mit vier Erwachsenen und drei Kindern wurde es dann doch eng im französischen Mercedes. Mit dieser Besetzung zu reise hieß übrigens, dass eines der Kinder vorne auf dem Schoß des Beifahrer zu sitzen hatte – die Nasenspitze dicht an der Frontscheibe. So viel zum Thema “Sicherheit” in jenen Tagen.

Mein Vater liebte nicht nur seine Familie und sein Auto, sondern auch die Berge. Bei ausgedehnten Abstechern in die Alpen lebte er seine Neigung zum Herrenfahrer aus. So besaß er natürlich spezielle Autofahrerhandschuhe und außerdem eine besondere Strickjacke: Die war beige und hatte vorne Einsätze aus braunem Leder. Eine helle Schiebermütze vervollständigte die Ausrüstung.
Da meinem Vater, der 1967 im Alter von nur 43 Jahren starb, nur eine kurze Karriere als Autofahrer beschieden war, erlebten wir Kinder nicht allzuviele große Urlaubsreisen. Anfangs bestanden die ohnehin nur darin, dass uns der Vater in den Sommerferien zur Oma in Osterschnatebüll brachte. Später waren wir dann alle zusammen am Bodensee, im Altmühltal und in Oberaudorf (dazu demnächst mehr). Wie gesagt: Irgendwie schaffte er es dann immer, ein paar Alpenpässe (mitzunehmen).

Das Dia [Klick aufs Bild macht's groß] dürfte aus dem Sommer 1964 stammen. Wenn ich mich nicht täusche, handelt es sich um das Jahr, in dem wir den Urlaub in Oberbayern verbrachten. Insofern dürfte das Foto irgendwo unterwegs um Voralpenland entstanden sein.


» Erinnerung von Rainer Bartel am 28.01.10 um 13:38 » in Kategorien: Ausland,Düsseldorf » 1.318 x gelesen » 2 x kommentiert
»   

  1. was für ein wunderschönes auto!
    meinereiner wurde zur etwa gleichen zeit in so etwas gefahren:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_Alexander_(Auto)

     
    Kommentar von yallamann am 28.01.10 um 18:40
  2. Unsere erste Familienkutsche war ein VW 1600 Variant, angeschafft 1966 oder 67. Mein Vater machte sich indes nichts aus Autos und hatte auch gar keinen Führerschein (nur Motorräder bis 125 Kubik oder so). Entsprechend bin ich einigermaßen vorurteilsfrei, was das Thema “Frau am Steuer” angeht. ;-)

    @Peugeot & Co.: Die Franzosen hatten das damals gut drauf, Autos zu bauen, die einem das Gefühl gaben, komfortabel unterwegs zu sein ohne den spezifischeen Platz-da-hier-komm-ich-Effekt von Benz und Konsorten.

     
    Kommentar von mark793 am 29.01.10 um 13:01

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