Nun ist sie da, die Kandidatin. Nach vierzehn vollen Tagen Familienurlaub auf Teneriffa, das muss man sich mal vorstellen: Urlaub als Ob-Kandidatin! In ihrer Verzweifelung hat Frau Kortmann der BILD sogar erlaubt, eine Homestory unter dem Titel “So macht Karin Kortmann Familienurlaub auf Teneriffa” zu verzapfen. Wie schlecht muss es jemandem gehen, dem zu zustimmen?
Seit gestern findet der geneigte Bürger die üblichen Tafeln an Laternen und Schildern, an denen die willigen Helfershelfer der Parteien die Reklame für ihre Kandidaten anbringen. Für Frau Kortmann hat die Bonner Werbeagentur Kreativ Konzept folgendes gedichtet: “Kortmann kommt!” und “Düsseldorf, freu dich”. Angesichts des Haupt-Claims mag man kalauern: “Wie schön für Karin!”, aber im Grunde fragt man sich, weshalb Düsseldorf sich freuen soll. Aber das hieße ja, Inhalte zu fordern, wo nur noch Nasen präsentiert werden. Überhaupt tun sich die Sozen der Stadt mit Positionen ja schwer. Nicht dass die Spezialdemokraten keine hätten, aber wie man mit lauter Plattitüden einen Wahlkampf gewinnen will, muss doch dem armen Stimmvieh mal erklärt werden.
Immerhin haben die Grünen, die nicht weniger flachhirnig agieren, ein paar Allgemeinplätze beigesteuert. Jedenfalls so viele, dass auf den Kortmann-Postern neben dem Sozen-Logo auch das Markenzeichen der Grünen blinkt. Eigentlich kann einem diese Opposition leid tun, die in den langen Jahren der Erwinista fortwährend übergebügelt, abgebürstet, lächerlich gemacht und gedmütigt wurde. Selber schuld, möchte man rufen, denn als die Spezialdemokraten vor lauter Mangel an vorzeigbaren Politikern die in jeder Hinsicht deplatzierte Essener Dezernentin Gudrun Hock als Gegenkandidatin zum verstorbenen J.Erwin in die Stadt holten, fragte sich halb Düsseldorf: Sind die jetzt völlig durchgeknallt? So wenig Verankerung in der Stadt war nie, und die Aktion beschleunigte den Niedergang der einst den Klüngel souverän kontrollierenden SPD rasant. Zur Zeit hat die Partei große Schwierigkeiten, überhaupt noch mögliche Mandatsträger zu rekrutieren – zumal für ehrenamtliche Jobs wie die eines Ratsmitglieds.
Wer also rasch politische Karriere in Düsseldorf machen will, der möge den Sozen beitreten, sich artig anpassen, superaktiv sein, an den richtigen Veranstaltungen teilnehmen und sich an die grauen Eminenzen halten. Könnte gut sein, dass so jemand demnächst im Stadtrat hockt.Was das alles mit Karin zun tun hat? Nichts. Denn auch wenn Frau Kortmann 1998 über den ziemlich sicheren Wahlkreis Düsseldorf (Süd) in den Bundestag geflutscht ist, heißt das noch lange nicht, dass die katholische Sozialpädagogin irgendwie mit der Stadt verbunden sei. So wird ihr wahltechnisch dasselbe Schicksal blühen wie der Gudrun Hock: Sie wird locker verlieren. Im Gegensatz zu Gudrun hat Karin dann aber immer noch ihr Bundestagsmandat. Wie schön für sie.
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Verstehe ich dich richtig? Auf den Plakaten dieser SPD-Kandidatin prangt auch das Grünen-Logo? Das ist nicht wahr, nüch? Bzw.: Toctoctoc …
Ja. Klick mal auf das Bild. In der Vollansicht kann man das Doppellogo unten rechts schön sehen. In NRW wird der OB ja direkt gewählt. Da ist es nicht unüblich, dass eine Partei den Kandidaten einer anderen Partei unterstützt. Dass aber beiden Parteiabzeichen auf der Reklame auftauchen, ist meines Wissens ein Novum.
Nun ja, was die Verbundenheit des Herrn Erwin mit den “Eliten” unserer schönen Heimatstadt gebracht haben, wird ja auch von Dir recht deutlich kritisiert…
Insofern wäre eigentlich ein wenig (räumliche und inhaltliche) Distanz zu der üblen Mischpoke aus heimischen Bauunternehmern, Putzkolonnengeschäftsführern, Karnevalsclubdiktatoren und ähnlichem Geschmeiss gar nicht soooo verkehrt.
Das allerdings KK aus diversen Gründen keine Chancen hat, ist klar. Einerseits könnte die CDU wohl auch den Papierkorb aus dem Büro des verstorbenen OB als Kandidaten nominieren und er würde mit überwältigender Mehrheit als Garant für die Kontinuität der “erfolgreichen Politik” gewählt werden. Andererseits bietet die SPD seit Jahren in Düsseldorf ein Bild des Jammers und der völligen Konturlosigkeit. So etwa wie sie bundesweit unter dem Problembären Beck in ein, zwei Jahren wirken wird…
Traurig, dass sich nun bei der OB-Wahl noch nicht einmal die Frage stellt, wer denn das kleinere Übel ist – keines von beiden!
Tommy