Und jetzt mal ganz was anderes im diesjährigen Sommerloch...
[Ergänzt] Auf der Suche nach den idealen Cevapcici
Okay, dies ist ein Geständnis: Ich LIEBE Cevapcici! Ja, ich fahr voll ab auf die kleinen, würzigen Hackröllchen aus der ohnehin weit unterschätzten Balkanküche. Wie ich es auch anstelle, mir gelingen die Dinger selbst nie so richtig. Entweder die schmecken nicht richtig oder ich krieg die Würstchenform nicht hin – oder beides. Deshalb bin ich bei diesem Gericht auf fremde Quellen angewiesen.
Über den Josef in der Düsseldorfer Altstadt habe ich bereits berichtet, aber natürlich krieg ich meine Hackefinger auch woanders. Und weil ich in letzter Zeit mehrfach Cevapcici auswärts und vom Bestelldienst verputzt habe, dachte ich mir: Pöh, wenn andere Bilker Pizzerien testen, kann ich mich ja wohl mit meinem Lieblingsimbiss befassen. Um es vorwegzunehmen: Es gibt keinen eindeutigen Sieger. Ergänzung: Den Wirt vom TuRU-Vereinsheim hatte ich vergessen – siehe ganz unten!
Ham-Ham (beim Josef), Altstadt
Natürlich ist der Cevapcici-Teller, so wie ich ihn beim Josef bestelle, das Referenzprodukt. Serviert werden sechs Röllchen mit Pommes und (ordentlichem) Krautsalat sowie einem Klacks Ajvar und gehackten rohen Zwiebeln. Dafür zahle ich – ich weiß es gar nicht genau, weil das in dieser Zusammenstellung gar nicht auf der Karte steht) um die 10 Euro. Die Hackdinger kommen vom Grill, auf den sie vor meinen Augen frisch geworfen werden. Woanders kriegt man auch schon mal vorgegarte, die dann nur noch heißgemacht werden. Weil frisch und vor allem langsam gegrillt wird, dauert es bis man in die erste Rolle beißen kann. Aber dann eröffnet sich ein wunderbarer Geschmack: Weder Knoblauch, noch Zwiebeln oder eines der Gewürze drängt sich in den Vordergrund – diese Cevapcici sind einfach toll. Die Mahlzeit reicht als Abendessen absolut aus. Urteil: 8 von 10 Punkten.
Restaurant Dubrovnik, Innenstadt
In diesem geradezu prototypischen Balkanrestaurant scheint die Zeit in den letzten dreißig, vierzig Jahren stehengeblieben zu sein. Alles was seinerzeit die Standard-Deko eines solchen EssLokals ausmachte, findet sich in diesem leider viel zu wenig beachteten Laden. Kitsch und Tand stehen rum und hängen an den weiß-rau verputzten Wänden zwischen dunkelbraunen Balken. Die Tischdecken sind von schwerer Qualität, und die Gedecke machen einen richtig wertigen Eindruck. Das Dubrovnik habe ich noch nie voll erlebt; im Gegenteil: An einem durchschnittlichen Abend in der Woche sitzt man auch schon mal ganz allein da. Dafür ist die Bedienung extrem freundlich, beinahe schon herzlich.
Auch hier besteht der Cevapcici-Teller aus derselben Kombination wie beim Josef zuzüglich eines Häufleins Djuvec-Reis und kostete auch um die 10 Euro. Verrückt, aber wahr: Die Hackröllchen sind mindestens genau so gut. Mir gefällt ein Hauch von Zimt als winzige Geschmacksnote sehr gut. Die Beilagen sind von guter Qualität – ausgenommen der Djuvec-Reis… Urteil: ebenfalls 8 von 10 Punkten.
Biergarten des KGV Stoffeln, Südpark
Der Kleingartenverein Stoffeln findet sich am südlichen Ende des Südparks, unweit der Witzelstraße. Und an der südlichen Spitze des KGV-Geländes gibt es einen Biergarten, der ähnlich nostalgisch stimmt wie das Dubrovnik. Im Inneren der Wirtschaft tagt der Verein, der Kneipenbereich hat die Anmutung der späten Sechziger. Draußen finden sich ungefähr fünfzehn Tische, und die Küche ist, ähem, international. Das bedeutet, dass der Wirt aus Rücksicht auf das Stammpublikum vor allem die übliche Schnitzel- und Gasthausküche an bietet. Aber eigentlich vom Balkanesischen kommt. Das merkt man dem Cevapcici-Teller auch an, der neben den Hackrollen und Pommes auch bisschen Djuvec-Reis umfasst sowie wieder Ajvar mit gehackten Zwiebeln. Dazu bekommt man einen schönen frischen, vielseitigen Seitensalat mit unauffälligem Dressing. Das macht zusammengenommen auch einen starken Esser satt.
Leider hatte ich hier den Eindruck, die Würstchen wären entweder nicht heiß genug oder nicht lange genug gegrillt worden. Mir kam die Bestellung auch zu schnell: Normalerweise trinke ich gemütlich ein 0,2-Liter-Alt in der Warteschleife, hier kam ich auf ein paar Schluck vom kellnerfreundlichen 0,3-Eimer. Geschmacklich war an den Cevapcici nichts auszusetzen; im Gegenteil, man hatte recht viel Knoblauch verarbeitet, was ich gern mag. Der Teller kostete ebenfalls circa 10 Euro. Urteil: gute 7 von 10 Punkten.
Leo’s Grill (Bringdienst), Bilk
Manchmal mag ich Hackefinger auch gern daheim essen. Deshalb kommen zwei Lieferdienste mit ins Spiel. Der eine ist der vor rund anderthalb Jahren einigermaßen gehypte Leo’s Grill, der sein Hauptquartier auf der Martinstraße hat. Wie das so ist, wenn die Beliebtheit die Kapazität übersteigt, hatte dieser Imbiss eine qualitative Schwächephase, so dass er erst kürzlich wieder zum Zuge kam. Mit vollem Risiko bestellte ich den Cevapcici-Teller für knapp 6 Euro. Gebracht werden wie üblich sechs Röllchen, eine Portion der ziemlich guten, dicken Pommes und eine Salatdekoration. Weiteres Zubehör fehlte. Das ist angesichts des Preises kein Nachteil.
Die Cevapcici selbst sind perfekt gegrillt, aber für meinen Geschmack nicht würzig genug. Da ist Luft nach oben. Bei den Pommes besteht immer das Problem, dass sie frisch aus der Friseuse einfach perfekt sind, aber unter dem Transport leiden. Kann Leo’s nichts dafür. Außerdem reicht die gelieferte Menge nur dann als Abendessen, wenn man irgendwo noch Reste mitessen kann. Urteil: knapp 7 von 10 Punkten.
Burger-Land (Bringdienst), Oberbilk
Dieser Laden ist der Hammer! Quasi die maximale Multikultifressversorgung, die man sich denken kann. Der Chef ist Inder und bietet neben den üblichen Gerichten seiner Heimat auch noch Pizza, Pasta, Schnitzelkram, Mexikanisches und und und an. Da war ich aber skeptisch… Der Cevapcici-Teller kostete 6,30 Euro und umfasst ZEHN Röllchen, Pommes, Krautsalat und – na ja- Tzatziki. So richtig balkanesisch ist das nicht, aber dafür reichlich. Da muss der Besteller schon gut Hunger haben, will er sich das reinschaufeln. Die Pommes sind von der imbiss-üblichen 08/15-Qualität, der Krautsalat dito, das Tzatziki war ordentlich.
Geschmacklich zählten diese Cevapcici zur Oberklasse. Allerdings waren sie nicht wirklich braun gegrillt, eher grau. Und das mindert das Cevapcici-Vergnügen doch erheblich. Urteil: gute 6 von 10 Punkten.
TuRU-Vereinsheim, Oberbilk
Es gibt einige Gründe, sich Spiele der Blauweißen der TuRU im Stadion an der Feuerbachstraße anzusehen. Vor allem, weil man da noch das echte, unverfälschte Fußballplatzerlebnis bekommt (Stehplatz: 6 Euro bei Punktspielen). Zweitens: Wegen der grandiosen Cevapcici des Vereinsheimwirtes. Die grillt er an Spieltagen in der Ecke direkt neben dem Eingang massenweise frisch. Man kriegt vier Röllchen und einen Schlag sehr guten Krautsalats für 3 Euro. Der Hersteller ist Kroate, was man als Nachbar gelegentlich merkt, wenn kroatische Feste dort stattfinden und es im ganzen Viertel köstlich duftet. Übung macht den Meister, und der Mann hat Übung. Form, Geschmack bzw. Würze und Grillbild sind fast ideal. Urteil: 8,5 von 10 Punkten.
Varianten
Laut Wikipedia und Leuten, die sich auskennen, kommt das Wort “Cevapcici” (übrigens hier aus Kompatibilitätsgründen ohne die diversen Häkchen geschrieben) vom türkischen Kebap, vielleicht sogar vom Schischkebab. Das nimmt nicht weiter wunder, stammte doch die Balkan- wie die griechische Küche von der türkischen ab, die wiederum viel von den Persern gelernt haben.
Deshalb gibt es ähnliche Dinger natürlich auch auf griechisch und türkisch. Bei letzteren kommen die anders geformten Köfte den Cevapcici geschmacklich nah, bei den Griechen findet man eine Zwischenform zwischen beiden, die Soutzoukakia genannt werden. Der wesentliche Unterschied: Während Köfte und Cevapcici im Original IMMER aus Rinderhack sind, wurden Soutzoukakia ursprünglich immer aus Schwein gebaut; inzwischen haben aber Kalb und Lamm als Grundstoffe bei allen drei Varianten Einzug gehalten.
Natürlich ist dieser Test mehr als unvollständig. Mich würde schon interessieren, ob es außer mir da draußen mehr Cevapcici-Aficionados gibt. Und ob meine Leser wohl mit eigenen Erfahrungen am Ausbau des Tests mithelfen könnten.
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Auf dem samstäglichen Trödelmarkt auf dem Aachener Platz gibt es einen Stand mit Balkanspezialitäten. Wirklich leckere Cevapcici, frisch auf dem Grill zubereitet. Vielleicht etwas zurückhaltend gewürzt, aber sehr gute Fleischqualität. Der Krautsalat ist auch spitze, definitiv keine Fertigware. Das ganze zum kleinen Kurs.
(4 Cevapcici mit Salat + Brot 4,50 EUR oder 6,50 EUR, weiss nicht mehr genau)
Oh je, das erinnert mich daran, dass ich einen Cevapcici-Anbieter meines Vertrauens vergessen habe .. wird ergänzt!
Ich ess’ nur die von meiner Mama, die hat’s in den 70ern in Jugoslawien gelernt. Wenn’s Dich interessiert, reiche ich hier mal ihr Rezept nach. Bei uns kommen ie Dinger aber ausschließlich auf den Grill. Das aber den ganzen Sommer über. Gehackte Zwiebeln, fertich…lecker.
Mich würd es interessieren.
obwohl,ne danke
OK!?
ich weiss ja nicht, ob du nur einen wortwitz probiert hast (wofür du…lassen wir das): ich drücke mich mal ganz deutlich u. möglichst unmißverstehbar aus – die cevapcici, die meine mutter zubereitet, haben mit dem beispielbild über dem artikel nix zu tun. die sehen um einige universen besser aus. sollte dich das rezept jetzt immer noch “ne danke-mäßig” interessieren, lieber sosho, dann l.m.a.d.b.p…
Gaaanz ruhig! Humor ist wenn man trotzdem nicht lacht. Un jeder Jeck ist anders.
Mich würde das Cevapcici-Rezept deiner Mutter natürlich interessieren.
Hast ja recht. Rezept kommt in Kürze!
Nee,sorry.Ich schwanke immer zwischen dem Vegetarier Dasein und dem Dasein einer Fleischfressenden Pflanze hin und her.Nicht immer ganz freiwillig.Hatte kurzzeitig schlechtes Gewissen aus anderen Gründen.
Schluss damit: 1 mal im Monat Hackfresse muss (mir)erlaubt sein,dafür dann nicht vom Discount Supermarkt-
Peace
Hallo Rainer, grade erst diesen Post entdeckt. Auch ich bin ein riesen Cevapcici Fan. Meiner Meinung nach gibt es die besten im Stall (Volksmund) in Wersten. Und zwar Opladener Strasse Ecke Burscheider Strasse. Top Pommesbude in der ich vor über 40 yahren schon als Kind mit meinem Vater die dort stets selbst gemachten Cevapcici gegessen habe. Die Grischische Familie führt diese pommesbude schon so lange ich denken kann. Schau mal rein, Du wirst es nicht bereuen. Lieben Gruß
Jau den Laden kenn ich auch – war da in den 80ern gern mal was schnabbulieren
Geschmacklich dürfte aus der türkischen Küche der langfingrige “Urfa Kebap” den Cevapcici am nächsten kommen. Köfte gehen da geschmacklich schon in ne andere Richtung.
boah wilm, rück dat rezept raus!
siehste deine mama denn soo selten?
ich hatte mal n geiles welches sich aber in den tiefen meines hirns verloren hat.
ich weiss aber noch, dass zur formstabilität mehl und lange ruhezeit des teigs erforderlich war.
die waren aus der pfanne echt lecker. natürlich mit frischen zwiebeln und ajvar.
Backpulver, ich nehm immer Backpulver – hat mir mal eine Kroatin geflüstert. Und trotzdem krieg ich die Mistdinger nicht zigarrenförmig!
OK, yallamann, wird jetzt mit nachdruck eingefordert! bei uns ist immer sonntags familiensprechstunde, da hab’ ich’s verschwitzt. kommt!
Also, hier im Originallaut. Ziemlich unspektakulär:
Ich mache Cevapcici aus 2/3 Rind und 1/3 Mett, gewürzt nur mit Knoblauch, kräftig Salz und sonst nix. Hab ich so in Ljubljana gelernt. Wenn du`s mal googelst, bekommst du ungefähr 1 Million unterschiedliche Rezepte. Oft sind gehackte Zwiebeln im Teig, aber die gehören roh zu den gebratenen Cevapcs.
Da gehören aber auf jeden Fall ein Teil Lammhack und Harissa rein – sonst haben wir eine deutsche Bulette!
Das könnte gut sein! Womöglich der Abneigung meiner Mutter gegen Lamm geschuldet…werde mal nachfragen.
Um dem ganzen Mal Boden einzuziehen: Ich hab mir jetzt von einem der Köche der Testteilnehmer paar Rezeptfakten sagen lassen (er möchte unerkannt bleiben;–)).
1. Basis ist immer Rinderhack. Bei der kroatischen Variante KANN Schweinemett dazu, bei der bosnischen KANN Lammhack dazu; nie mehr als ein Viertel, eher ein Fünftel. Tipp: Wenn man selbst durchdreht ;–)) eher fein wolfen…
2. Neben gepresstem Knoblauch SOLLTE geriebene Zwiebel in den Teig; das ist bei Jugo-Hack-Dinger Standard. Geschnittene oder gehackte Zwiebeln gehören auf KEINEN FALL rein – sondern sind Beilage. Mein Experte rechnet pro Kilo Fleisch drei Knoblauchzehen und eine halbe Gemüsezwiebel.
3. Außer Salz und Pfeffer KOMMT maximal bisschen Kreuzkümmel rein. In der serbische Variante wird angeblich ein wenig Pimentpulver und Zimt verwendet. Sonst NICHTS. Alle Würzpasten und -sossen sind Beilage.
4. Ei und eingeweichtes Brot/Brötchen hat in Cevapcici NIX zu suchen. Aber sowas von GARNIX.
5. Die Bindung entsteht in erster Linie durchs lange Kneten und anschließende Ruhen. Beim befragten Koch arbeitet die Maschine mit dem Knethaken an 5 Kilo Masse gut eine halbe Stunde; wird ne haushaltsübliche Menge erzeugt, muss man MINDESTENS 15 Minuten mit den Händen kneten. Beimengen von Backpulver oder Soda fördert die Bindung; Mehl ist was für Anfänger.
Außerdem sollte der Teig mindestens anderthalb Stunden im KÜHLSCHRANK ruhen. Überhaupt sollten die Röllchen KALT auf den Grill, nicht mit Zimmertemperatur, weil kühler Fleischteig schneller ne Kruste ergibg (sagt der…).
Ich werde das mal beherzigen und berichten. Offentlich krieg ich die Dinger endlich mal zu Röllchen geformt.
Vielen herzlichen Dank für Dein Engagement, Chefred! Hab meine Mutter nochmal auf’s Lamm angesprochen (gestern kamen sie wieder auf den Grill, hmm…), sie schwört bei Gott, dass in die Ljubljana-Version keins reinkam. Die gehobelte Zwiebel werde ich mal weitertragen. Gruß, Wilm
Harissa wird selbstverständlich nicht als Paste sondern als selbst gemischtes Pulver hineingegeben (Kreuzkümmel, Chili, Piment …. und was man sonst nach eigenem Gusto hineingibt)!
Und Knoblauch gepresst? Igittigitt! Höchstens mit Salz zermatscht. So geht’s bei meinem Yugo-Freund.
Wie oben geschrieben: Die Basisrezepte für Cevapcici unterscheiden sich schon allein durch die ethnische Verteilung (serbisch, bosnisch, kroatisch, montenegrinisch, dalamtisch, mazedonisch etc.). Was du “Harissa” nennst, ist dem arabischen Kochraum zuzuordnen (Wikipedia zu Harissa), sodass das Rezept deines Jugos vermutlich aus einer muslimischen Ecke stammt. Wenn in der Würze Piment mit drin ist, dann dürfte er aber mazedonisch sein; das machen die Griechen rein, und die haben’s von den Türken.
Bei Hack, das noch schwer durchgeknetet und dann gebraten wird, ist es nach meiner Erfahrung egal, ob due den Knoblauch presst oder mit Salz zerreibst, bei kalten Speisen ist der Unterschied dagegen dramatisch…
…Chefred…Mann, ich Depp. Dachte doch die ganze Zeit, das sei ein Gastautor…jetzt hab’ ich’s. Seit ein paar Tagen steht das unter allen Artikeln und ich kann mir sogar denken, was es abkürzt (-;
Ja, es steht für Chefredseliger…
Es gibt (leider) Gründe, warum ich meinen Echtnamen hier ein bisschen raushalten sollte.
Hallo,
ist mir schon klar,dass dass die griechische Variante ne ganz andere Baustelle ist.Trotzdem -fuer meinen Geschmack- waermstens zu empfehlen:
Keftedes,Taverne Pegasos,Kirchfeldstrasse
8,90 € astrein gewürzt