Bauskandale 1 bis 4 (Teil I)

burgwaechter_castello.jpgEigentlich greift es zu kurz, wenn man die Vorfälle rund um die vom ehemaligen Oberbürgermeister initiierten, durch- gepeitschten und befürworteten Bauprojekte seiner Ära als Bauskandale bezeichnet; man müsste von Planungs-, Finanzierungs- und Betriebsskandalen sprechen. Eines vorausgeschickt: Entgegen vieler Legender alter Erwinista-Gegner war es nicht Joachim Erwin, der den Abriss des alten Rheinstadions und den Neubau der Mehrzweckarena neben dem Messegelände forciert hat. Es handelt sich dabei um ein Projekt der hiesigen Sozialdemokraten, dem der spätere OB vor seiner Wahl eher skeptisch gegenüber stand, weil er als alter Leichtathlet den Umbau des Rheinstadions als klassische Sportstätte mit Laufbahn und Marathontor lange bevorzugte. Erst später und vermutlich getrieben durch die Möglichkeit, das Unternehmen Schüßler-Plan, mit dem er qua Heirat verschwägert war, einzubinden, schwenkte er um.

LTU-Arena
ltu_arena_luft.jpgHübsch muss man sie nicht finden, die Arena, die passend zum Umfeld aussieht wie eine überdimensionierte Messehalle. Zweckmäßig ist sie, das haben die gut dreieinhalb Jahre seit der Noteröffnung am 10. September 2004 ergeben. Damals ließ der OB persönlich anordnen, dass die Halle etliche Monate vor der eigentlichen Eröffnung und im Zustand einer Baustelle mit dem Regionalligaspiel der Fortuna gegen Union Berlin dem Volke übergeben wird. Gut 38.000 Interessierte füllten die staubigen Ränge, und alle Verantwortlichen sind heut noch froh, dass es keine Unfälle gab, denn das Gebäude war zu dem Zeitpunkt werder bau-, noch feuerpolizeilich abgenommen. Aber es herrschte Wahlkampf und Joachim Erwin wollte sich – ganz im Sinne seiner Brot-und-Spiele-Politik – als Erbauer der Arena feiern lassen und so seine Wiederwahl sichern.
Wie gesagt: Über Geschmack kann man streiten, über Kosten allerdings noch besser. Denn der Bau der Mehrzweckarena verschlang den unglaublichen Betrag von 218 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Mönchengladbacher Stadion im Borussen-Park, das etwa gleichzeitig entstand und mit rund 54.000 Plätzen sogar ein bisschen größer ist, kostete kaum 90 Millionen Euro; die schnuckelige MSV-Arena in Duisburg mit rund 32.000 Plätzen gab es gar für nur 43 Millionen Euro. Wohlgemerkt: Bei den genannten Beispielen handelt es sich um die Spielstätten von Zweit- bzw. Erstligisten! Die Düsseldorfer Fortuna spielte zur Zeit der Grundsteinlegung der Arena in der Oberliga gegen Clubs wie Borussia Freialdenhoven oder Adler Osterfeld – meist vor weniger als 6.000 Zuschauern im heimischen Paul-Janes-Stadion.

Kurz und ungut: Die in ihrer heutigen Form von Erwin durchgepeitschte Arena ist mit 51.500 Plätzen und Baukosten von fast 220 Millionen Euro deutlich überdimensioniert. Gut, für das angebaute Hotel muss man einen Abschlag rechnen, auch für die Nebenräume, die ursprünglich für Spaßbetriebe à la Bowlingbahn genutzt werden sollten, auch. Trotzdem kann der Bau als Finanzierungsskandal bezeichnet werden, der heutzutage den Düsseldorfer Steuerzahler Jahr für Jahr und auf nicht absehbare Zeit zwischen 8,5 und 12 Millionen Euro Subventionen im Jahr kosten wird.
Dabei sah zu Zeiten der SPD-Oberbürgermeisterin Markies Smeets die Finanzierung noch sehr solide aus. Immerhin rund 75 Millionen Euro hatte die Stadt für die Sanierung oder Umbau des Rheinstadions oder einen Neubau an dessen Stelle beiseite gelegt. Ein Fußballstadion wie in Mönchengladbach oder Duisburg wäre damit locker zu machen gewesen. Da es aber keine öffentliche Ausschreibung, sondern nur – dies hatte unter Erwin Methode – ein Werkstattverfahren, ließen die potenziellen Planer ihren Phantasien freien Lauf. Was der OB sehr goutierte. So stand eine Zeitlang die Idee im Raum, die Rasenfläche mit einer Hubmechanik auszustatten, sodass diese immer dann, wenn nicht Fußball bzw. American Football gespielt würde, als Dach dienen könnte, was dem Rasen gut täte – übrigens ein Konzept der Firma Schüßler-Plan, das allein für einen Betrag zwischen 40 und 60 Millionen gut gewesen wäre.

Im September und November 2002 wurde das Rheinstadion gesprengt. Der Fortuna ging es nicht gut, denn sie dümpelte nicht nur in der vierten Liga herum, sondern stand vor dem finanziellen Ruin. Weil aber eine Erst- oder wenigstens Zeitligamannschaft unverzichtbarer Baustein der Finanzierung der 218-Mio-Arena war, schaltete sich OB Erwin ein, wurde Vorsitzender des neu installierten Aufsichtsrats des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 und ließ sich gleich als Retter des Vereins feiern. Dabei machte er zunächst nur Versprechungen. Im Hintergrund versuchte er allerdings die Firma Hochtief, die damals noch an der ArGe zum Arenabau beteiligt war, zu zwingen, der Fortuna mit Sponsorgeldern auf die Füße zu helfen, was das Unternehmen ablehnte und in der Folge aus dem Konsortium ausschied. Dessen Platz nahm die Augsburger Walther Bau ein, vor der es hieß, sie sei finanziell in Schwierigkeiten. Mit diesem Unternehmen wurde eine bis heute ungeklärte Vereinbarung über Gelder zum Wohle der Fortuna getroffen, in deren Folge Joachim Erwin den Weltmeister Thomas Berthold als Retter präsentierte. Immerhin gelang so 2004 der Aufstieg in die dritte Liga – einen messbaren Anteil hatte Berthold daran nicht. Im Gegenteil: Sein Rausschmiss kostete den Verein rund 300.000 Euro. Damit war die Rolle der Fortuna als Arenabetriebsfinanzierer weiter ungewiss.
Dabei hatte Erwin in einer turbulenten Ratssitzung am 25.02.2002 vorgerechnet, dass die Arena sich selbst tragen würde, selbst wenn nicht mehr als “ein Hallenskatturbier” pro Jahr dort stattfände. Das war natürlich Blödsinn, denn der Chef der Verwaltung rechnete zu jenem Zeitpunkt noch damit, das angebundene Hotel teuer verpachten zu können und auch mit Bowlingbahn und Wellnesscenter sowie Büromieten über die Runden zu kommen. Tatsächlich fand sich für das vor Fehlplanungen nur so strotzende Hotel erst im Jahr 2007 nach teuren Ausbaumaßnahmen ein Pächter, die Spaßbetrieben fanden nicht statt, und Büros konnten nur an städtische Einrichtungen zwangsvermietet werden.

Immerhin erzielt die Düsseldorfer Fortuna bei ihren Drittligaheimspielen einen Schnitt von um die 12.000 Zuschauer. Da der Verein aber zumindest in der Spielzeit 2007/08 die Stadionmiete im siebenstelligen Bereich schuldig blieb, gab es aus dieser Ecke keine Einnahmen. Zu allem Unglück wurde außerdem zum Ende der 07er-Saison der Spielbetrieb der NFL Europe eingestellt – zu den je fünf Spielen von Rheinfire kamen immerhin regelmäßig mehr als 30.000 Leute; andere Sportereignisse gab es nur sporadisch. Die ganz dicke Kohle sollten aber Stadionkonzerte bringen. Tatsächlich füllten Künstler wie Die Toten Hosen, Madonna, Police und Depeche Mode die Arena mit gut 50.000 Fans, und auch bei Herbert Grönemeyer und den Stones waren viele Menschen anwesend. Wirklich gut unterrichtete Veranstalterkreise wissen aber zu berichten, dass mindestens zwei dieser Grossereignisse Zuschussgeschäfte waren, denn die Arena-Betriebsgesellschaft soll nicht nur für die Kosten aufgekommen sein und die Einnahmen in voller Höhe weitergereicht haben, sondern mindestens in einem Fall sogar noch ein Honorar gezahlt haben.
Apropos Betriebsgesellschaft: Einer Farce glichen die Ereignisse rund um die Fast-Pleite dieser BG im Sommer 2005. Nachdem Walther Bau eine formidable Pleite hingelegt hatte, stellte sich heraus, dass auch die BG, an der Walther beteiligt war, so gut wie insolvent war. Mit einem feinen Trick versuchte daraufhin der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener die Gesellschaft – und damit den Betrieb der Arena – zu übernehmen. Für die Stadt wäre das eigentlich eine feine Sache gewesen, hätte der Deal sie doch vollständig von den Subventionen entlastet. Joachim Erwin persönlich wollte aber um jeden Preis verhindern, dass sein verhasstere Parteifreund die Herrschaft über SEINE Arena gewönne. So zwang er den Rat unter Zurhilfenahme mehrfacher Erpressungen, die BG zu 100 Prozent zu übernehmen und Wagener mit einem netten siebenstelligen Betrag zu entschädigen. So ist heute die Stadt Düsseldorf über ihre Kongress-GmbH de facto Betreiber der Arena und damit für den Ausgleich der Unterdeckung des Betriebs verantwortlich.

Eine nette Anekdote, deren Pointe in diesen Tagen zum Vorschein kam, rankt sich auch um das Namenssponsoring. Ursprünglich stand im Raum, dass der ansässige Henkel-Konzern Namensgeber würde. Nachdem sich aber OB Erwin mit mehreren leitenden Herren des Unternehmens überworfen hatte, schied diese Möglichkeit aus. Gleichzeitig – also im Sommer 2004 – hatte die Charterfluggesellschaft LTU ein Anliegen, bei dem die Stadt ihr helfen konnte, was auch geschah. Im Gegenzug wurde die LTU, damals geleitet von Jürgen Marbach, für sehr kleines Geld (man spricht von nur 300.000 Euro pro Jahr) Namenssponsor. Derselbe Jürgen Marbach wurde flugs in den Aufsichtsrat der Fortuna gewählt, holte seinen Kumpel Reiner Calmund dazu und regierte im Verein mit dem OB den Club. Nachdem die LTU nun Teil von Air Berlin und Marbach nicht mehr an Bord war, bleib die Frage offen, was mit dem Namen geschehen würde. Und nach dem Tod von Joachim Erwin wurde auch spekuliert, ob Marbach dessen Nachfolger als Aufsichtsratsvorsitzender von F95 würde. Völlig überraschend erklärte Jürgen Marbach, der immer den Erzfan gegeben hatte, dieser Tage seinen Rücktritt. Noch überraschender kam wenig später die Meldung, dass er beim VfL Wolfsburg angeheuert habe. Man kann diese Entwicklung schön interpretieren, indem man annimmt, Marbach sei nur bei Fortuna eingestiegen, um per Erwin Gefälligkeiten für die LTU einzuholen. Die Geschäftsgrundlagen dafür ist nun in mehrfacher Hinsicht weggefallen.

ISS-Dome
iss_dome_innen.jpgAuf den ersten Blick ist bei der Veranstaltungshalle in Düsseldorf-Rath alles glatt gegangen. Planung und Bau verliefen flüssig, sodass im Januar 2006 die Türen des Schlauchboots geöffnet werden konnten. Immerhin 70 Millionen Euro durfte die städtische IDR unter der Leitung des Erwin-Intimus Heinrich Pröpper beim Bau von Halle und Parkhaus versenken. Damit ist das Ding etwa halb so teuer wie die um 50 Prozent größere Kölnarena und rund 50 Prozent teurer als die etwa gleich große König-Pilsener-Arena in Oberhausen.
Anstoss für dieses Projekt war einerseits der stetige Zerfall des Eisstadions an der Brehmstraße, dem legendären Spielort des Eishockeyteams der DEG, und andererseits die nicht mehr zeitgemäße Größe der Philipshalle als Ort für Rock- und andere Konzerte. Man ging davon aus, dass die DEG in einer modernen Halle wieder einen Zuschauerschnitt erreichen könnte wie zu ihren Glanzzeiten, als in der Brehmstraße bis zu 11.000 Zuschauer die Cracks feierten. Tatsächlich glaubte man an einen durch Dauerkarten fast ausverkauften Dome – ganz nach amerikanischem Vorbild. Ja, man glaubte nur, denn auf irgendwelche empirischen Daten – zum Beispiel in Form einer DEG-Fan-Befragung – verzichtet man.

So zeigt sich seit der Saison 2006/07, dass der DEG die Zuschauer davonlaufen und zuletzt kaum mehr als 4.500 Zuschauer zu den Heimspielen kamen. Damit ist die Finanzierung des Dome-Betriebs inzwischen ähnlich gefährdet wie der Betrieb der Arena. Zumal sich die Hoffnung, man könne Topacts der internationalen Musikszene, für die eine LTU-Arena zu groß ist, in den ISS Dome locken, sich kaum erfüllte. Tatsächlich kamen nur Die Ärzte und Irin Maiden freiwillig. Pearl Jam landete per Umzug aus der Arena hier, und
ob André Rieu seinerzeit mit Geld gelockt werden musste, ist ungewiss. Ansonsten bietet der Dome ein einfaches Menü aus Abiparties, Bravo-Shows, Tanzturnieren und Blasmusik-Events. Ausgelastet ist die Stätte nicht, dafür mist auch die Konkurrent durch die etablierten Arenen in Köln und Oberhausen zu groß.
Zudem vergrault die Betriebsgesellschaft zunehmend Eishockeyfans. Vor allem durch die ungeklärte Verkehrs- und Parksituation. Offensichtlich hat man die Einnahmen aus dem Parkhaus als Finanzierungsbaustein eingeplant und verlangt so Gebühren zwischen 5 und 7 Euro. Leider hat man die An- und Abfahrtssituation gründlich verbaselt. Um nach einer Veranstaltung aus dem Parkhaus auf die Theodorstraße zu kommen, muss man je nach Andrang auch schon mal eine Stunde einkalkulieren. Viele DEG-Fans hat dies und die Kosten dazu veranlasst, in der Umgebung nach Parkplätzen zu suchen. Auf Initiative der Betreiber wurden daraufhin mehrfach die Knöllchenverteiler angekarrt, um die abtrünnigen Parken zu bestrafen. Ob die erheblichen Verzögerungen bei der Anbindung der Straßenbahn an den Dome Methode haben, also die Zahl der Prkhauskunden hochhalten sollen, darf vermutet werden.

Beliebt ist der ISS Dome bei Düsseldorf Bürgers nicht. Er liegt weit ab vom Schuss, ist nur per Auto leicht zu erreichen und zeichnet sich innen durch Betonkälte aus. Auch hier droht eine Subventionsruine, für die Mitglieder der Erwinista verantwortlich zeichnen.


» Bericht von Rainer Bartel am 08.07.08 um 14:00 » in Kategorien: Düsseldorf » 3,016 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. [...] Im schlechtesten Fall droht Düsseldorf erneut ein Finanzierungschaos wie bei der Arena, die einem Bauunternehmen (Walther Bau) den Kopf kostete und letztlich dazu führte, dass der [...]

     
    Pingback von Rainer’sche Post » Zweifel an Zechbau am 28.01.09 um 11:09

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