Düsseldorf: Kleine Kaffeekunde
C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee
“C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee. // Nicht für Kinder ist der Türkentrank, // schwächt die Nerven macht dich blaß und krank. // Sei du kein Muselmann, der das nicht lassen kann.” dichtete eingewisser Carl Gottlieb Hering Ende des achtzehnten Jahrhunderts, und der durchgeknallte Wolfgang A. machte daraus einen flotten Kanon, den man Menschen meines Alters seinerzeit noch in der Volksschule beibrachte. Nun ist man von diesem chauvinistischen, islamfeindlichen Song ein bisschen abgekommen, der ja behauptet, der gemeine türkische Moslem würde nix anderes tun, als den lieben langen Tag Mokka zu saufen. Tut er bekanntlich nicht, weil er Tee vorzieht. Auch für die Exotik der Tropen steht Kaffee nur noch in der einen oder anderen Fernsehreklame. Statt dessen ist der Bohnenaufguss in unseren Breiten Treibstoff für Arbeitnehmer und Genies.
Wider Erwarten hat das kleine Großstädtchen Düsseldorf eine nicht unerhebliche Kaffeetradition, die bis in die Vorkriegszeit zurückreicht. Eine der historischen Landmarken dieser Tradition findet sich in Friedrichstadt auf der verschlafenen Zimmerstraße. Dort kann man noch heute das imposante Portal zur ehemals im Hof gelegenen Kaffeefabrik Bommer besichtigen.
Diese wurde 1901 gegründet und war noch bis weit in die sechziger Jahre aktiv. Da ich um die Ecke groß geworden bin und die Zimmerstraße uns gelegentlich als Bolzplatz diente, kann ich mich noch gut daran erinnern, dass tageweise der Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen über dem Viertel schwebte. Ich schätze, meine Vorliebe für Kaffee (um nicht zu sagen: Sucht) stammt aus jener Zeit. Zumal in den Nachkriegsjahren ja Bohnenkaffee noch ein Statussymbol war.
Kaffee in den Fünfzigern
Bei uns zuhause gab es folgerichtig nicht jeden Tag “richtigen” Kaffee, sondern eher Blümchenkaffee, auch Muckefuck genannt. Dass dieses Getränk mit der Marke Caro erhalten geblieben ist, muss man zu den Wundern des Konsumismus zählen. Obwohl bei uns ja eher das Produkt aus dem Hause Linde, kurz “Lindes Kaffee” (mit Genetiv-S!) getrunken wurde. Bei Ausflügen war gekühlter, gezuckter Blümchenkaffee immer dabei – angefüllt in ausgediente Hustensaftflaschen aus braunem Glas mit Schnappverschluss.
Wenn denn aber Wochenende war oder – wichtiger noch – eine Familienfeier anstand, dann kam selbstverständlich Bohnenkaffee auf den Tisch. Mangels Supermärkten musste die Droge irgendwo beschafft werden. Witzigerweise gab es damals zwei Ladenketten, die sich ausdrücklich auf das Produkt der Herzen stützten: Kaisers Kaffeegeschäft (daraus entstand später Kaisers bzw. Kaisers Tengelmann) und Lutter (längst vergessen…). Ein Kaisers Kaffeegeschäft gab es in der Nähe nicht, und mit dem Betreiber des Lutter-Ladens hatten wir es nicht so. Aber in den Neubauten an der Ecke Corneliusstraße / Bilker Allee, da hatte eine Filiale von Übersee-Kaffee aufgemacht. Dort kauften wir unseren Bohnenkaffee. Natürlich wurde der dort ungemahlen verkauft, denn eine Kurbelmühle gab es in jedem Haushalt.
Kinder bekamen im Übersee-Kaffee immer einen roten Lutscher geschenkt, der ganz furchtbar schmeckte und nur aus lauter Höflichkeit angeleckt und draußen schnell weggeschmissen wurde.
Immer noch Kaffeezentrum
Übersee-Kaffe gibt es seit geschätzten 40 Jahren nicht mehr, aber die Ecke riecht immer noch und wieder nach Kaffee. Vor rund anderthalb hat in den ehemaligen Räumen des Kaffeeversorgers ein Döner-Anbieter sein Glück versucht, nicht wissen oder ahnend, dass er gegen den direkt gegenüberliegenden Deniz (einer der wenigen empfehlenswerten Döner-Brater der Stadt!) nicht den Hauch einer Chance hatte. Da der Laden meist leer war, gab es einen Wasserschaden, um ohne Gesichtsverlust aus der Sache herauszukommen. Seit einigen Monaten hat dort ein Backshop sein Domizil, also eines dieser Etablissements, in denen man sich die Brötchen selbst zusammensuchen muss.
Und ein reichhaltiges Kaffeeangebot vom Milchkaffee über den Espresso bis zu dem, was der Weltmensch “ne Latte” nennt. Scheint zu laufen der Laden…
Viel mehr Tradition hat aber zwei Häuser weiter auf der Bilker Allee das Geschäft mit den funkelnden Espresso-Maschinen. “Espresso Perfetto” heißt der Laden, der seinem Namen alle Ehre macht und schon seit Jahren das anbietet, was der status-bewusste Single zur Kaffeeerzeugung in seine Appartementküche stellt. Im Schaufenster stehen Maschinen aller Marken, Formen und Größen, innen gibt es professionelle Monster für den Gegenwert eines gebrauchten Mittelklassewagens.
Die Beratung ist extrem sachkundig, das Personal sehr freundlich und hilfsbereit. Auch wenn man kein Auge auf Saema-Kisten für 4.000 Euro wirft, wird man bestens bedient. Denn der Laden ist auch ein Paradies für kaffee-orientierte Produkte. Kürzlich erwarb ich einen Espresso-Perfetto-Aschenbecher, Tage später dann Original-Lavazza-Tassen. Natürlich ist auch der Stoff selbst dort zu bekommen – man führt alle relevanten Espresso-Marken in unterschiedlichen Gebinden, dazu passende Dosen und natürlich auch Milchschäumer. Wer beispielsweise die passenden Wassergläser zum Espresso-Set sucht, wird hier fündig.
Kurz: Kaffee- und vor allem Espresso-Liebhaber müssen unbedingt bei Espresso Perfetto vorbeischauen. Wahre Afficionados werden möglicherweise Stunden in diesem Laden verbringen und mit einem der Verkäufer fachsimpeln – keine schlechte Methode, Zeit zu verbringen.