Nur ohne die Kirmesliga kann das deutsche Eishockey überleben

[Upd.] DEL endlich abschaffen!

deg_oldiesUpdate: SpON spricht von “Pleiten-Liga”.
Ohne mich wieder und wieder wiederholen zu wollen: Die so genannte “Deutsche Eishockey-Liga” (DEL) ist am Ende und sollte sich schleunigst auflösen. Zumal der Kirmesliga ja nun langsam wirklich die Teams wegbrechen. Die Frankfurter Würstchen Lions sind schon pleite und raus aus der DEL. Die Kölner Thunfischchen sind wohl gerettet, weil sie erneut einen Doofen gefunden hat, der bei ihnen sein Geld verbrennt. Die ruhmreiche Düsseldorfer EG geht mit einem heftig reduzierten Etat in die nächste Saison. Die Schoßhündchen aus Kassel (aus Kassel!) wollten den Ligaverbleib erstreiten und verloren. Nun scheint es auch beim Meister Hannover (Hannover ist tatsächlich deutscher Eishockeymeister…) mangels Kohle zu Ende zu gehen. Und den Krefelder Stehvögeln geht’s auch schon ganz schlecht. Das Hauptprobem: Die DEL zieht nicht genug Zuschauer, die Einnahmen der Teams sind zu gering und die Ausgaben zu hoch. Und dann können die DEL-Clowns noch so viele Social-Media-Schnösel damit beauftragen, der Liga ein hippes Image zu verpassen – dieses Krawall-Entertainment braucht kein Mensch.

Wer bleibt denn noch übrig? Augsburg, Berlin, DEG, Hamburg, Ingolstadt, Iserlohn, Köln, Mannheim, München (erster Nachrücker), Nürnberg, Straubing und Wolfsburg. Finanziell stabil dürften von diesen zwölf Teams (Clubs und Vereine mag man angesichts der auflaufenden Kader nicht sagen…) maximal sechs sein. Die Spatzen aus Mannheim hängen am Hopp’schen Tropf und sind das teure Hobby vom Sohn des Hoffenheim-Mäzen. Bei den kölschen Eiskarnevalstruppe wird das Geld nur für eine Saison reichen. Die DEG muss sich dringen umschauen, was passiert, wenn sich die Handeslgruppe Metro Ende 2012 mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückzieht. Ob die Thomas Sabo Ice Tigers (ein Team, das nicht einmal mehr den Namen der Stadt, in der sie spielt, führt) es überleben, wenn sich der “schmuckbegeisterte Selfmademan” zurückzieht oder zurückziehen muss, darf bezweifelt werden. Ähnliches gilt für das Retortenteam aus VW-Burg, das eine ständige Infusion von VW und Skoda bezieht.

Bekloppter Modus
Nachwuchsarbeit leisten maximal fünf Vereine, deren Profis in der DEL spielen. Und das in fast allen Fällen mit finanzieller Unterstützung der jeweiligen Stadt. In den Teams treten vorwiegend amerikanische, kanadische, skandinavische und osteuropäische Spieler der Kategorien B und C an. Dafür beziehen sie recht hohe Gehälter, sodass die Gehaltsetats der Teams bis zu 80% der Saisonkosten ausmachen. Auf der anderen Seite sind die Sponsoreinnahmen vergleichsweise so niedrig und die TV-Einnahmen nicht der Rede wert, dass das Wohl und Wehe der Teams fast ganz von den Zuschauereinnahmen abhängt. Um diese in ausreichendem Maße zu generieren, hat die DEL einen völlig absurden Spielplan mit 56(!) Begegnungen bei 15 Teams in der Hauptrunde entwickelt. Der Tabellenstand nach der regulären Saison ist für den weiteren Verlauf relativ unwichtig. Platz 7 bis 10 spielen zwei Playoff-Teilnehmer aus, die dann zu den führenden sechs Mannschaften stoßen. Nur die Teams auf den Rängen 11 bis 15 dürfen nicht mehr mittun. Und dann wird eine Viertel-, eine Halb- und eine Finalrunde gespielt. Es kann also passieren, dass das nach der Hauptrunde auf Platz 10 von 15 stehende Team Meister wird. Attraktiv für die Zuschauer ist das nicht.

Zumal so eine Saison auch kein preiswerter Spaß ist. Der günstigste Sitzplatz im Düsseldorfer ISS Dome liegt – nach einer notwendigen Preissenkung! – bei 18 Euro. Besucht jemand alle Heimspiele in der Saison, muss er schon über 500 Euro investieren. Hinzu kommen eventuelle Playoff-Matches mit erhöhten Preisen. Und dann muss man sich in der jeweiligen Arena von Cheerweibern bespaßen, von durchgeknallten Privtradiomoderatoren anschreien und mit unerträglicher Werbung vom Videowürfel aus berieseln lassen. Das braucht kein Mensch.

Zurück zum Eishockey
Die Devise kann – auch angesichts der milden Euphorie angesichts der Eishockey-WM 2010 in Deutschland – nur lauten: Zurück zum Eishockey. Zurück zu den Vereinen, gerade den Traditionsclubs. Spielmodus wie in den meisten Bundesligen. Oder: Aufteilung in zwei Staffeln zu je acht oder zehn Vereinen, die die Saison jeweils in einer Doppelrunde ausspielen. Den Meister ermitteln die jeweils ersten beiden der Staffeln in einem zweistufigen Playoff. Drastische Begrenzung der Spielergehälter, sodass es für US- und Kanada-Boys, Skandinavier und Osteuropäer nicht mehr so attraktiv ist, in Deutschland mit geringem Aufwand abzusahnen. Insgesamt sollten die Kosten auf das Nötigste reduziert werden.

Dann müssten die Vereine wieder stärker in den Nachwuchs investieren. Dann könnten gerade junge einheimische Spieler zu lokalen Idolen werden, die Zuschauer anziehen. Konzentration auf den Sport in den Spielstätten. Vernünftige Eintrittspreise. Aushandeln von angemessenen Verträgen mit Fernsehsendern, um eine regelmäßige Berichterstattung im TV zu gewährleisten. So oder so ähnlich könnte das Eishockey in Deutschland wieder in den Kreis der populärsten Mannschaftssportarten gelangen, wo es einst neben Fußball und Handball auf einem dritten Ran lag – das war bevor die Komiker die DEL gründeten…


» Kommentar von Rainer Bartel am 03.09.10 um 13:27 » in Kategorien: Düsseldorf,Sport » 1,584 x gelesen » noch kein Kommentar
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