Die FDP und das Vegetieren als Post-Post-Politik-Produkt

Der kleine Christian & die Gouvernante

fdp_schuldenJetzt muss aber mal Schluss sein mit dem FDP-Bashing! Außer den Mitglieder dieses Wahlvereins macht das ja inzwischen jeder Arsch. Dabei wurde die Partei, deren Leute sich gern auch “Freidemokraten” nennen, inzwischen links und rechts von den Freipiraten überholt. Die treiben die Post-Post-Politik auf die Spitze, indem sie einfach die Geschichte ignorieren und ebenso einfach behaupten, sie seien nicht links, nicht rechts, sondern vorne. Ein Spruch, der in Anwesenheit des Verfassers dieses Artikels schon 1979 bei der Gründung der Grünen NRW auf dem Parteitag in Hersel bei Bonn fiel. Aber das ist eine andere Geschichte. Bei den Liberalen – ein weiteres Etikett, das die mit sich rumschleppen – hat die Antipolitik-Politik Tradition. Erfunden hat diese Methodik Jürgen “Adler” Möllemann, den im Jahr 1980 für den Düsseldorfer “Überblick” zu interviewen der Autor dieser Zeilen das Vergnügen hatte.

Der Mann mit dem Schnauzbart, der später gern im Rolli an der hintersten Tresenecke von “Roberts Bistro” im Düsseldorfer Medienhafen rum lungerte, war damals 35, abgebrochener Lehrer, Flick-Angestellter und schon achte Jahre Bundestagsabgeordneter. Da der Überblick das hippe und coole Publikum der Stadt ansprach, schleimte Möllemann – der in echt auch nicht sympathischer war als im Fernsehn – sich entsprechend an. Mir tat er ein bisschen leid, dass ihn keiner mochte.
Der Spitzenkandidat der FDP NRW – wenn man bei dieser Partei überhaupt ohne Lachanfall von “Spitzen” sprechen kann – ist nun der Christian Lindner. Das ist der knuffige Bursche, der immer ein bisschen so aussieht wie ein Internatszögling, den die Gouvernante beim Onanieren erwischt hat: schuldbewusst und entschuldigend. Witzigerweise ist der kleine Lindner vor der NRW-Wahl 2012 etwa im selben Alter wie Möllemann seinerzeit. Während man aber den Adler aus dem Münsterland mit Fug und Recht Erfinder des “Projekts 18” nennen darf, also dem Versuch, aus einer Partei ein Markenprodukt zu machen, scheint heutige NRW-Star eher einer zu sein, der die FDP wieder zu einer politischen Partei machen will.

So sah es jedenfalls nach seinem Rücktritt vom Posten des Generalsekretärs aus, wenn man seinen diversen Aussagen in diversen Talkshows glauben darf. Tatsächlich entwickelte der Mann mit der schnellsten Karriere innerhalb der FDP Ansätze einer bürgerlich-mittigen Liberalpolitik, die nicht ausschließlich auf populistische Positionen zum Zwecke des Stimmenfangs setzt. Also mehr so in Richtung der Zeiten, als mit Hildegard Hamm-Brücher und Gerhart Baum noch so etwas wie ein liberaler Geist mit sozialer Verantwortung durch die FDP windete. Als es den Berufspolitiker in gelb-blauer Unterwäsche noch nicht ausschließlich um Machtbeteiligung und -erhalt ging, also vor solchen Betrugsnasen wie dem Grafen am Stock, dem Kinkelstein und anderen Schwachmaten, die NIE EINER LEIDEN konnte.
Den Christian Lindner, den kann man leiden mögen. Der ist so der Typ, der auf Partys eher am Rande steht und melancholisch guckt. Der dabei an einem Glas Weißwein nippt, während die anderen Testosteronproduzenten heftige Bierflaschen leeren. Der ist schon eine Art Mädchenschwarm, quasi ein Justin Bieber unter den Liberalen, und kommt auch bei Mutti und Oma gut an. Wäre da nicht dieser Döring. Der geht gar nicht. Der ist IMMER JUT DRUFF, selbst wenn er 1,5 Prozent vermelden muss. Ein dicklicher Junge, der früher beim Wählen der Fußballmannschaften immer zuletzt dran war und nicht selten mit dem Kopp nach unten ins Klo getaucht wurde.

Nun macht ein Lindner allein noch keine fünf Prozent. Da aber KEIN SCHWEIN mehr in die FDP eintritt, stehen hinter ihm genau dieselben Liberalnasen, die wir Wähler in NRW schon lange los werden wollen. Oder man nimmt Lokalpolitiker her, die sich kraft CDU-Anhängselei über Jahre im Amt durchwurschteln. Nehmen wir die Kandidatin für den Düsseldorfer Norden, die Weißköpfige mit dem Doppelbindestrichnamen, von der es heißt, ihr Gatte habe zuhause nix zu kamellen, eine Dame, die – und das kann eigentlich nicht sein – mit dem verstorbenen OB Erwin genauso gut konnte wie jetzt mit Hausmeister Elbers. Nun steht ja zum Glück nicht zu befürchten, dass irgendein FDP-Kandidat direkt gewählt werden könnte…

Bleibt die Frage, ob die Freie Demokratische Partei des Landes Nordrhein-Westfalen auch noch andere Ziele hat, als UM JEDEN PREIS im Landtag vertreten zu bleiben. Ja, sie wollen keine Schulden mehr machen. Okay, wenn man dem handelsüblichen BILD-Leser glauben möchte, dann ist ja die Verschuldung eines Staatsgebildes genau dasselbe wie die Verschuldung eines Haushaltes. Wäre das so, dann wäre es sicher nicht wirklich sinnvoll, mehr Kredite zur Finanzierung des Landeshaushaltes aufzunehmen. Dem ist aber nicht so. Und das weiß die FDP genauso gut wie die CDU. Ach ja, und das Gymnasium soll nicht sterben, meinen die Liberalalas. Weil Schulen besserm nicht gleicher werden sollen. Mit der Gleichheit haben sie’s nicht so, die FDPler. Da man ja immer nur einen der drei Werte der Französischen Revolution, die das Bürgertum an die Macht gebracht hat, aussuchen darf, haben sie eben “Freiheit” genommen. Und finden “Gleichheit” scheiße… Von “Brüderlichkeit” aber mal sowas von zu schweigen!
Und weil trotz dem kleinen Christian natürlich Populismus zur FDP gehört wie der Knabe zum katholischen Priester, sind die Liberalen für mehr Straßen und weniger Stau sowie gegen erneuerbare Energien, weil die – siehe auch BLÖD – die Energie teuer machen. Das alles ist dürftig und nicht wirklich witzig.

Deshalb gilt die Wahlempfehlung: FDP sollte wählen, wer… Ja, wer eigentlich? Und warum? Nur weil der Christian soooo süssss ist?

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» Wahlempfehlung von Chefred am 01.05.12 um 13:31 » in Kategorien: Düsseldorf,Innenpolitik » 900 x gelesen » noch kein Kommentar
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