Zwischen Klostergarten und Maiswüste
Zwischen dem verschlafenen Örtchen Straberg und dem Kloster Knechtsteden breitet sich der Knechtsteder Busch aus, den alle nur den Straberger Wald nennen. Dieses baumreiche Gebiet ist immer für einen stillen Spaziergang gut. Selbst am Sonntagnachmittag wird man hier nur wenigen anderen Spaziergänger und Radfahrern begegnen. So kann man den Hauptwegen folgen oder auf den Pfaden durchs Gehölz schleichen. Dabei zeigt sich die Natur immer der Jahreszeit entsprechend. Natürlich handelt es sich nicht um einen Naturwald, sondern um eine Kulturlandschaft, ja, eigentlich sogar um ein Stück Fortwirtschaft – deshalb fehlen parkähnliche Strukturen völlig.
Kloster Knechtsteden
Zwischen drei Einstiegspunkten kann der geneigte Wanderer wählen. Am populärsten ist sicher der Start am Kloster Knechtsteden. An der L280 von Dormagen nach Pulheim liegt der Klosterhof, ein alteingesessenes Wirtshaus, das verschiedene Evolutionsstufen durchlebt hat und momentan eine recht anständige Gastronomie mit ausgedehntem Biergarten bietet. Dort gibt es einen ausreichend großen Parkplatz. Vom Gasthaus aus führt ein schnurgerader Weg zum Torhaus des Klosters. Rechts hockt die massive Basilika, links der Friedhof der Mönche. Ursprünglich eine Prämonstratenserabtei wurde das Kloster zuletzt von sieben altersschwachen Spiritanerbrüdern betrieben. Inzwischen wird es von der Bruderschaft nur noch verwaltet, Mönche leben hier nicht mehr. Das hat den Vorteil, dass man inzwischen das gesamte Gelände durchqueren kann – bis Anfang der neunziger Jahre war das nicht so, denn zu der Zeit bewirtschafteten die Mönche das Kloster noch.
Die Basilika hat eine mächtige Orgel, und regelmäßig werden Orgelkonzerte veranstaltet. Auf dem Klostergelände finden sich verschiedene Räume für Seminare, Kurse und Veranstaltungen. Sehenswert ist der Klostergarten, der auch heute noch zeigt, dass die Mönche bis vor Kurzem von den Früchten der Erde lebten. Wendet man sich an der Kirche nach links, führt ein schmaler Weg in den Wald. Am Ende liegt ein Friedhof mit Kriegsopfern aus der Gegend. Von hier aus führt ein gewundener Pfad bis an den Rand des Waldes, da wo die Felder beginnen. Der ganz große Spaziergang verläuft dann auf diesem Weg geradeaus; rechterhand immer der Wald, links die Felder mit zahlreichen Ansitzen der Jäger.
Am Ende macht der asphaltierte Weg einen Knick und läuft auf eine Brücke über den Kanal zu. Dabei handelt es sich um einen uralten Entwässerungskanal, der sogar eine Schleuse samt Schleusenwärterhäuschen hat. Dies diente in den siebziger und achtziger Jahren diversen Aussteiger als Wohn- und Feierstätte, sodass von dort aus bisweilen laute Rockmusik über den Forst schallte. Folgt man dem Weg, kommt man auf den Sandweg, quasi die Hauptstraße durch den Wald. Sie ist zwar für den Autoverkehr gesperrt, diente aber früher den Eingeborenen immer gern als Abkürzung auf dem Weg nach Gohr.
Direkt hinter der steinernen Brücke biegt man rechts auf den Pfad ein, der wiederum auf den Hauptweg führt. An der ersten großen Gabelung hält man sich rechts und kommt automatisch auf den Weg zurück zum Kloster.
Sportplatz Straberg
Das Dorf Straberg, das zu Dormagen zählt, ist in großen Teilen ein typisch niederrheinischer Ort. Die alten Häuser sind aus Backstein und haben kleine Fenster. Highlight des Jahres ist das Schützenfest, an dem jeder Bewohner irgendwie beteiligt ist. Dafür gibt es die Schützenhalle, die so dimensioniert ist, dass wirklich alle Straberger auf einmal hineinpassen. Mitte der sechziger Jahre erlebte der Ort einen ersten Baum-Boom. Am Kronenpützchen und am Mühlenbuschweg entstanden etliche Einfamilienhäuser, vorwiegend gebaut von Beamten. In den achtzigern wurden dann weitere Reihenhäuser errichtet. Straberg schien chic zu werden. Am Ende des Mühlenbuschwegs, direkt gegenüber vom Sportplatz baute man einen Tennisclub mit Vereinsheim, zwölf Plätzen und sogar einer Halle. Irgendwann war Tennis bei den Neubürgern nicht mehr angesagt, und seit sechs, acht Jahren steht der Club leer, die Plätze sind entweder verschwunden oder überwuchert, das Vereinsheim verfällt.
Auch am Sportplatz kann man Parken und dann einfach in den Wald hineinlaufen. Nach wenigen Hundert Metern landet man am Kanal. Links geht es dann immer an dessen Rand entlang bis zur erwähnten Brücke. Geht man rechts, kommt man in den Nievenheimer Wald, der aber nicht so schön ist. Außerdem heißt er offiziell Staatsforst Benrath, was Düsseldorfer immer zu der Frage bringt, wieso die Benrather ihren Wald so weit weg vom Dorf haben. Tatsächlich handelt es sich um eine zufällige Namensgleichheit. Der Name “Benrath” kommt von “Benrode”, was bedeutet, dass dort einst der Bauer Ben(jamin) den Wald gerodet hat. In der Region haben also wohl zweimal Bens gerodet…
Zum Hubertus
Die dritte Möglichkeit, den Straberger Wald zu entern besteht am Ende der Waldstraße, die hier in den Sandweg übergeht. Dort existiert die Wirtschaft mit dem schönen Namen “Zum Hubertus”. Zwar sieht die heute relativ modern aus, aber an dieser Stelle gab es schon vor über hundert Jahren einen Gasthof. Vor Jahren war der Hubertus der Inbegriff der bürgerlichen Wirtschaft mit Schnitzel und Hochzeitsmenü. Natürlich wurde und wird das ortsübliche Kölschbier ausgeschenkt. Inzwischen ist der Laden durch viele Hände gegangen und bietet momentan Steaks und Balkangerichte.
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Wieder mal ein interessanter Ausflug ins Umland. Ein ziemlich ähnliches Foto mit noch relativ grünen Buchen habe ich dieser Tage im Meerer Busch gemacht. Aber was ich eigentlich fragen wollte: Wo verläuft denn die Kölsch-Alt-Grenze? Zons schien mir auch schon Kölsch-Territorium zu sein.
[Antwort]
Oha, das ist eine schwierige Frage. Ich denke, eine nachziehbare Grenze gibt es nicht. In einigen Gemeinden wird in den Kneipen durchweg beides angeboten. Wenn überhaupt, dann kann man vielleicht folgendes sagen:
a) nördlich von Langenfeld wird kein Kölsch getrunken (außer in speziellen Kneipen)
b) südlich und westlich von Dormagen wird kein Alt angeboten (Worringen, Pulheim etc.)
c) südöstlich der A3 / A4 ist eher Alt-Land, nordwestlich eher Kölsch-Gebiet
d) Wuppertal ist kölschlastig mit Alt-Diasporen (sacht man so?)
e) das bergische Land nördlich Wuppertal trinkt eher Alt, aber schon hauptsächlich Pils
f) rund um Bergisch-Gladbach ist eindeutig Kölsch-Country
g) Krefeld ist Altbier-Land, im rheinischen Ruhrgebiet (Teile von Duisburg, Moers, Oberhausen, Dinslaken) wird oft auch Alt, nie aber Kölsch angeboten
h) die Kölsch-Zone endet im Süden etwa bei Remagen, im Westen an der holländischen Grenze und im Osten etwa da, wo das Sauerland beginnt
Das als Versuch. Auf anders lautende Meinungen bin ich gespannt, aber durchaus lernwillig ;–))
[Antwort]
Danke für die Orientierung. SO flächendeckend bin ich hier nicht rumgekommen in der Ecke, aber als Annäherung klingt das für mich einigermaßen plausibel. Krefeld und rheinisches Ruhrgebiet hätte ich auch klar als Altbier-Areal und No-Kölsch-Zone deklariert und in der Ecke Dormagen habe ich auch gesehen, dass beides im Angebot ist.
Während meiner Mittel- und Oberstufen-Schulzeit in Mannheim war es übrigens auch mal einigermaßen angesagt, Altbier zu trinken. Da gabs in Studentenkneipen oft Hannen Alt im Angebot. Jetzt und hier in Altbierland ist mir das aber gar nicht mehr begegnet, entweder ist die Marke nicht mehr existent oder hier schlicht bedeutungslos.
[Antwort]
Wuppertal (hab da 10 Jahre gewohnt) ist nicht “kölschlastig mit Alt-Diasporen”. Das ist Kampfzone, in den meisten Kneipen gibt es Alt, Pils und sowas komisches helles mit wenig Schaum, furchtbarem Geschmack und aus Gläsern, deren Rand an meine Nasenspitze stößt und ich deshalb den Kopf schleudertraumariskierend in den Nacken legen muß, wenn ich gezwungen bin draus zu trinken.
Und im Siegerland wird eben dieses getrunken – sofern kein Pils da ist. Kommt aber selten vor. Die fühlen sich aber eher zur Südvorstadt hingezogen als zu ihrer Landeshauptstadt.
Weiter hoch in den Norden bis zur Küste gibt es zwar grundsätzlich Pils, aber wenn eine Kneipe eine zweite Sorte im Angebot hat, dann ist es Alt.
Das Thema Weizen lasse ich an dieser Stelle mal außen vor.
[Antwort]
Ergänzung insbesondere zu Wuppertal:
Ich habe alt-freie Lokale grundsätzlich gemieden, was meinen Eindruck vielleicht subjektiv werden läßt.
Angesichts meines zur Zeit süddeutschen Wohnortes (leiste Entwicklungshilfe
) muß ich in Sachen Alt etwas darben, aber ich freue mich beim Heimatbesuch jedesmal wie ein Schnitzel auf ein frisches Bier in der Oststraße eins zwei drei.
[Antwort]
@mark4711: Oha, Hannen… Wer als Düsseldorfer Hannen trank, galt als irgendwie schmerzfrei. Hannen Alt gibt’s noch; es kommt immer noch aus dem ostholländischen Dorf mit dem komischen Fußballclub, ist jetzt aber ein Carlsberg-Ableger. Ab Mitte/Ende der Siebziger haben die Jlabbacher gemeint, sie könnte mit ihrer Plörre den Weltmarkt aufreißen und die deutschen Lande mit ihrer Borussen-Pisse geflutet. Dabei haben sie sich erheblich vergaloppiert und backen heutzutage kleine Bierchen. Man stelle sich vor, anstelle von Hannen hätte in den Orten in Nord, Süd, West und Berlin -sammerma- lecker Frankenheim gegeben – die Zahl der Altbierafficionados in D’land wäre heute unüberschaubar.
@BornInD: Gebe zu, bin w’tal-technisch nicht auf dem Stand, sondern eher so um 1980 herum. Und da fiel mir immer auf, dass in Elberbarmen erheblich oft dieses Küppers Kölsch angeboten wurde, das man ja wohl bei den Wickülern meint erzeugen zu müssen.
[Antwort]
Danke für die Aufklärung in Sachen Hannen Alt. Mir ist jeglicher Biermarkenfetisch ja völlig fremd, von daher darf man mich auch als Nicht-Düsseldorfer in hopfenkaltschalentechnischer Hinsicht als schmerzfrei bezeichnen. Aber wenn wir schon dabei sind: Soo schmerzfrei bin ich auch wieder nicht, dass ich mark4711 wirklich lustig finde. Wenn Du unbedingt numerologischen Schindluder mit meinem Nick treiben willst, dann lieber noch mark0815 als 4711. Kölnisch Wasser fand ich schon immer eklig.
Hier in Pauls Pinte gegenüber gibbet übrigens Füchschen. Sagen wir mal so: Ich kriegs runter, wenns sein muss, auch mehr als eins. Aber mehr so aus Höflichkeit denn als Genuss.
[Antwort]
Lieber mark793, ich verspreche, deinen Nickname nie, nie, nie wieder in kölscher Richtung zu verballhornen.
Nein, Biermarkenfetischist würde ich mich auch nicht schimpfen lassen. Ich liebe nun mal das Ächte, also die auf heimischer Erde gebrauten Biere der Hausbrauereien Schumacher, Füchschen, Schlüssel und Uerige – Frankenheim geht auch noch gerade so.
[Antwort]
Danke, dass wir das geklärt haben mit der Verballhornung. Ich habe das Köln-Düsseldorf-Ding ja bevor ich hierherzog immer ein wenig belächelt. Stelle aber mit zunehmender Dauer des Aufenthalts hier fest, dass das schon seine Berechtigung hat, Köln irgendwie bäh zu finden. In Düsseldorf hat zumindest mal ein pfälzischer Kurfürst regiert und residiert, was auch erklärt, warum Düsseldorf dem größeren Rivalen am Niederrhein in kultureller Hinsicht so meilenweit voraus ist.
[Antwort]
@mark14133/3 (sorry, konnte nicht wiederstehen)
Rivalitäten a la Düsseldorf – Römerpuff (Danke Rainer für diese Info) gibt es häufiger:
Frankfurt – Offenbach (Hier sind die Rollen klar verteilt)
Nürnberg – Fürth (Wichtige Frage: Fuhr die erste Eisenbahn von N nach FÜ oder von FÜ nach N)
Hamburg – Bremen
Im Prinzip überall, wo große Derbys im Sport stattfinden.
Aber das Original ist immer noch am Rhein. Helau!
[Antwort]
Hm, das mit den Sport-Derbys würde zumindest erklären, warum Mannheim-Ludwigshafen nicht ganz so spannungsgeladen ist wie D/K oder N/FÜ.
Ahoi!
[Antwort]
Na ja, das könnte sich zur Henne-Ei-Debatte ausweiten. Denn ob die Rivalität im Spocht ihre Wurzeln hat oder aber die Derbys Ausdruck bestehender Rivalitäten sind, bleibt schwer zu klären. Außer im Falle Düsseldorf vs. Kapellchenstadt. Denn da liegt die Geschichte mittlerweile offen wie ein Buch.
Mangels ernstzunehmender Fußballvereine gab es bis Mitte Fuffziger keine Rivalität zwischen Düsseldorf und dem linksrheinischen Parkplatz von Bayer Leverkusen. Der Äff-Zeh wurde ja bekanntlich erst 1948 durch Zwangsfusion verschiedener Dorfclubs gegründet. Da war die Fortuna schon mal Meister und stellte eine Reihe Spieler zur WM 1954 ab. Bitter für die Tuna war, dass der Äff-Zeh in die neue erste Liga kam, wir aber nicht. Das lag – und das ist historisch verbrieft – daran, dass der Äff-Zeh-Kremers, der Klüngelkaiser der Fußballnation – darauf bestand, dass nur die Platzierungen der Jahre 1956 aufwärts berücksichtigt wurden. Hätte der DFB dagegen die Ergebnisse der Oberliga West bis einschließlich 1954 herangezogen, wäre die Fortuna drin, der Äff-Zeh draußen gewesen. Da können schon mal Rivalitäten entstehen…
Im Eishockey ist es noch eklatanter. Die DEG ist ein Traditionsverein, der bereits in den 30ern um Meisterschaften spielte. Da hat man im Römerpuff noch auf zugefrorenen Seen mit Kieseln geschibbelt. Nach dem Krieg entstand dort der KEK, eine Gurkentruppe, die es nie höher als bis in Liga 3 brachte. Einmal spielten die KEKler mit der DEG zusammen in der Oberliga und kriegten dauernd auf den Sack. Dann waren sie pleite, und man gründete den KEC (auch “Thunfische” genannt” aus. Mit Ach und Krach mogelte sich der KEC Anfang der Siebziger in die Bundesliga. Erst ab 1975 konnte man die K***er Fischstäbchen zu den ernsthaften Eishockeyclubs zählen.
Was ich sagen will: Eine spochtliche Rivalität zwischen D und K – wie man sie heute beobachten kann – existiert erst seit knapp vierzig Jahren. Eine Rivalität zwischen den Städten ampfirsich auch nicht viel länger: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die beiden Orte kein Verhältnis zueinander – Köln war einfach über Jahrhunderte immer sehr viel größer und bedeutender; die Kölner nahmen Düsseldorf gar nicht war. Erst die Entscheidung, Düsseldorf zur Landeshauptstadt von NRW zu machen, löste die Aggressionen der Falschbiertrinker aus, gegen die wir aufrechten Rheinländer von der richtigen Rheinseite uns nun schon seit Längerem wehren.
[Antwort]
Henne-Ei ist das nicht. Derbys sind Ausdruck bestehender Rivalitäten. FC Links-vom-Bach vs. TSV Rechts-vom-Bach ist genauso wichtig wie der längste Maibaum oder das milchgebenste Rindvieh.
Was halt richtig weh tut, das die Truppe des Koks-Däumlings in Liga 1 spielt und unsere Fortuna sich durch geardezu kölschen Klüngel (Infiltration!?!) an den Rand der Existenz dilletierte.
[Antwort]