Das ist das Widerliche, dass nach dem Tod des umstrittenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin die schwachen Charaktere den maximalen Heuchelfaktor entfalten. Dass ein Politiker wie der NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers positive Aussagen über Erwin macht, der ihm ein ums andere Mal Unfähigkeit vorgeworfen hat, ist taktisch notwendig. Ähnliches gilt auch für andere Amateur- und Berufspolitiker. Wie aber die sich selbst “Journalisten” nennenden Damen und Herren nun in ihrer eigenen Bigotterie suhlen, ist einfach nur ekelerregend (siehe auch Nobbis Blog) – allen voran der Chef des Lokalsender Center.TV, Christian Zeelen, und die Hofberichterstatterin der Rheinischen Post, Denisa Richters.
Wie alle Menschen, die zu schwach sind für ihren Job, klammern sie sich an die Reichen und Mächtigen. Zeelens Gespräche mit Erwin sind an Arschkriecherei kaum zu überbieten gewesen, Richters Interviews lesen sich, als habe der OB (oder eine seiner Hofschranzen) in die Tastatur diktiert. Von Journalismus kann da keine Rede sein, von kritischer Berichterstattung gleich gar nicht. Dass die Zeitung und der Sender aufs engste miteinander verklebt sind, zeigt die Tatsache, dass Center.TV-Videos auf RP-Online angeboten werden und in diesen Videos jedes zweite Standbild mit dem Hinweis “Quelle: RP” gekennzeichnet ist. Die Spitze stellte gestern das Gespräch zwischen Zeelen und Richters dar, das eine realitätsferne Lobhudelei sondergleichen ergab.
Nun überschreiten Center.TV-Beiträge ja selten Amateurniveau, was die Redaktion durch das Versenden von realsatirischen Leservideos unterstreicht. Der Film über Erwins Leben und Wirken entspricht diesem Prinzip. So wird ein Satz über die CDU-Ratsfraktion mit einem Bild hinterlegt, auf dem OB Erwin im Kreise einer Kindergruppe zu sehen ist. Die Aussagen über seinen Posten als Vorsitzender des Personal- und Organisationsausschusses des Stadrats illustriert man mit einem Foto, auf dem Erwin und Gattin kostümiert im Karneval zu sehen sind. Das ist unfreiwillig komisch, aber ganz offensichtlich der Versuch, einen Nachruf im Stile richtiger TV-Journalisten zu bringen.
Natürlich wird auch visuell gelogen. Auf beiden Kanälen wird tagsüber heftig an der Legende der betroffenen Bürger gestrickt. Da berichtet Center.TV, Hunderte Düsseldorfer wären zum Rathaus gepilgert, um Blumen und Kerzen abzulegen. Ja, bis zu zehn Häufchen waren im Bild zu sehen. Mühe muss auch der Versuch gemacht haben, betroffene Bürger vor die Kameras zu bekommen, um Trauer zu mimen. Tatsächlich ergibt eine eigene Umfrage auf den Straßen, dass die meisten Passanten die Nachricht vom Tod des OB eher kalt lässt – von den eher negativen Reaktionen ganz zu schweigen. Aber auch das Einrichten (von vermutlich heftig zensierten) Online-Kondolenzbüchern kann nur als Versuch der Heuchler gewertet werden, die Legende vom erfolgreichen Oberbürgermeister zu stricken.
Auch das ist verständlich, denn wenn der Fürst tot ist, müssen seine Lakaien ihm Grüße zuweisen, um selbst groß zu erscheinen. Es bleibt nur zu hoffen, dass auch das Ende der Ära der Erwinista gekommen ist, dass die vielen in- und halbkompetenten Mastdarmakrobaten in Erwins Umgebung mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt werden – einschließlich der Hofberichterstatter von Center.TV und Rheinischer Post.
Interessant sind die Reaktionen auf den Nachruf auf J.Er. von Herrn Preuss in der NRZ. Da wird auch nicht zensiert.
Stimmt, die Diashow war voll peinlich. Das Interview mit der RP-Journalistin war ärgerlich. Hätte gern ein Interview mit Obdachlosen, Junkies, Frank Laubenburg und anderen Leuten gesehen, die Erwins Politik direkt betroffen hat und sicher kein Blatt vor den Mund genommen hätten. Aber das gabs auch zu Lebzeiten Erwins kaum.
[...] Niveau der “Rheinischen Post” mag zwar umstritten sein (hierzu nur eine Stimme aus der “Rainer’schen Post”(sic!)) und ähnliche Angebote gab es schon vor zehn Jahren. Aber die Idee ist trotzdem gut [...]