Die Corneliusstraße nach dem Radikalumbau

Die Tamms’sche Schneise

Folge 3 von 15 in Alte Dias

altedias_corneliusstrUnd hier das Gegenstück [Klick aufs Bild macht's wie immer groß] zum alten Dia der vorigen Woche. Das Foto stammt vermutlich aus dem Winter 1961/62 und zeigt das untere Ende der Corneliusstraße in Richtung Stadtmitte. Vor dem fremden Auto (einem Peugeot, dazu demnächst mehr…) posieren meine Geschwister und ich. Mein Bruder als Dreizehnjähriger standesgemäß mit Hut. Die westliche Straßenseite besteht jetzt aus lauter Neubauten; auch die komische Ecke zur Bilker Allee ist fertig. Wenn man auf der Vergrößerung den Hintergrund betrachtet, wird man feststellen, dass das Dreischeibenhaus schon steht – und das wurde im Spätsommer 1960 nach dreijähriger Bauzeit eröffnet. Das Hochhaus der Stadtsparkasse an der Berliner Allee fehlt dagegen noch.

Gut zu erkennen ist, wie der autogerechte Wahnsinn des ehemaligen Nazi-Architekten Tamms (“Hitler persönlich ernannte Tamms zum Hochschulprofessor.“) den Raum für Fußgänger auf ein Minimum zurückgeschnitten hat. Wo wir Pänz zwei, drei Jahre vorher noch wilde Spiele abhielten, ist jetzt sechsspurig Platz für fahrende und stehende Autos. Der Umbau verdrängte uns Kinder vollständig. Aber mit dem Fürstenplatz, der Düssel und dem Volksgarten hatten wir prima Ausweichmöglichkeiten.

Wir zogen dann auch alsbald weg. Mein Vater hatte im Auftrag der Hirschbrauerei, bei der er als Architekt angestellt war, ein Wohnhaus samt Brauereiausschank gebaut und der Familie dort eine Wohnung ganz oben maßgeschneidert. Dort zogen wir im Frühjahr 1962 – pünktlich zum Beginn des neues Schuljahrs an Ostern – hin. Inzwischen wohne ich schon seit fünf Jahren wieder an der Corneliusstraße; ungefähr 150 Meter vom Haus Nr. 118 entfernt, wo ich meine ersten Lebensjahre verbrachte.


» Bildbericht von Rainer Bartel am 14.01.10 um 11:38 » in Kategorien: Düsseldorf » 987 x gelesen » 9 x kommentiert
»   

  1. Sehr interessante Reihe, weiter so! Und evtl. mal einen vorsichtigen Störungsfilter über die Bilder laufen lassen.

    Rainer Bartel Antwort vom 15.01.10 10:59:

    Habe ich mit experimentiert… Bei manchen Dias bringt’s was, bei anderen nicht. Wenn ich Pensionär bin, werde ich die Bilder ohnehin nochmal mit optimalen Einstellungen scannen und dann nach allen Regeln der Kunst aufhübschen – dafür fehlt mir momentan noch die Muße.

     
    Kommentar von ckd am 14.01.10 um 14:16
  2. Sehr schön, weiter so !
    Habe jahrelang auf der Corneliusstraße gewohnt
    (Hausnummer 74), damals gabs im Erdgeschoss noch
    einen Zoofachhandel und eine nette Kneipe …
    mittlerweile erkenn ich dort fast nix mehr wieder ;-)

    Rainer Bartel Antwort vom 15.01.10 10:57:

    Okay, dann für Kenner ;–)) Wir stehen ungefähr vor dem Haus, in dem das Milchgeschäft Nassenstein residierte. Da bekam man noch Milch “vom Fass” in die Kanne gezapft. Übrigens: Nassenstein existiert, glaube ich, heute noch; im Hinterhof gibt es Büros, die denen wohl gehören. Ich weiß aber nicht, was die machen… Rechts davon war Eisenwaren Klever, der lange Jahre als Schlüsseldienst überlebte. Linkerhand dann der Glaser (Das Schild kann man auf dem Foto noch sehen), dessen Namen ich vergessen habe.
    Und weiter vorne dann das berühmte Café Friedchen, eine plüschrote Höhle, in die uns der Vater ein paar Mal zum Fernsehgucken mitnahme – Fußball, natürlich…

    Weed Antwort vom 15.01.10 11:06:

    Nassenstein macht immer noch in Milch, sind soweit ich weiß mittlerweile aber hauptsächlich am Großmarkt ansässig. Kann mal einen der Chefs fragen was noch an der Corneliusstr. ist, ab und an läuft er mir über den Weg.

    yallamann Antwort vom 15.01.10 12:35:

    http://www.nassenstein.de/

     
    Kommentar von WENZEL am 15.01.10 um 07:20
  3. mir ist natürlich sofort die wicküler reklame aufgefallen. schön.

    Weed Antwort vom 15.01.10 11:06:

    “Männer wie wir, Wicküler Bier.” :o )

    yallamann Antwort vom 15.01.10 12:34:

    bis vor 3 jahren wusste ich gar nicht, dass es das noch gibt.
    wird hier im norden viel getrunken.

     
    Kommentar von yallamann am 15.01.10 um 09:25

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL

Sie müssen eingelogged sein um kommentieren zu können.

blogoscoop