Hells-Angels-Hochzeit in der Düsseldorfer Altstadt
Die tun nix, die wolln bloß feiern
Bei den Schreibfinken der Boulevardblätter gibt es oft nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie sind zu blöd, oder sie schreiben ihr Zeuch mit voller Absicht. Was beim EXPRESS-Redakteuer Colja Schliewa vorliegt, sollte er sich morgens vor dem Spiegel selbst beantworten. Denn heute findet sich auf EXPRESS.de ein Beitrag mit der euphemistischen Überschrift “Super-Treff der Biker in der Altstadt“, den er verzapft hat. Hinterlegen wir die Fakten (siehe auch RP-Online zum selben Thema): Am Samstag hat sich ein Mitglied des Hells-Angels-Charter “Midland” mit einer altstadtbekannten Dame verheiraten lassen. Und zwar in der Rockkneipe namens “Engel” (ehemals “Weißer Bär“). Zu diesem Anlass fielen über 150 Mitglieder der Vereinigung ein, was einen mordsmäßigen Polizeieinsatz hervorrief.
Dazu muss man wissen, dass das Düsseldorfer Charter der Hells Angels im Jahr 2001 als kriminelle Vereinigung aufgelöst und verboten wurde. Bereist 1999 hatten die Angels die traditionelle, in Düsseldorf seit den sechziger Jahren existierende Rockerbande namens “Bones” feindlich übernommen. Die Beteiligten sehen das teilweise anders: Die Bones hätten einen Chopper-Dealer vor Ort terrorisiert, weil dieser Angels-Anhänger war. Dass das Düsseldorfer Charter den Laden dann übernahm, passt nicht ganz dazu.
Ausgerechnet in diesen Tagen, in denen wieder über die Kriege zwischen den Angels und den Bandidos zu berichten ist und erneut öffentlich wird, welche Geschäfte die so genannten “Biker” betreiben, tut der EXPRESS-Schliewa, als sei die Hochzeit vom Samstag ein beliebiges gesellschaftliches Ereignis. Um dem Ganzen einen braven Schein zu geben, wird vom Redakteur die christliche Trauung in den Vordergrund gestellt. Die habe ein “Pfarrer” Peter Bungenberg vollzogen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem angeblichen Pfarrer um den freien Diplom-Theologen Bungenberg, der über seine Website anbietet, jeden nach christlichem Ritual zu verheiraten, der dafür zahlt und nichts dagegen hat, dass dies außerhalb der Kirche geschieht.
Aber das passt zu einem Blatt, das die ausschweifenden Geburtstafspartys des hiesigen Groß-Luden und eines bundesnotorischen Partymachers zelebriert als ob die Verantwortlichen und Feiernden wertvolle Mitglieder der Gesellschaft wären.
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oha – jetzt mach ich mich wahrscheinlich unbeliebt.
sorry, werter BvD (blogger vom dienst)!
bei deinem sprachgefuehl und sprachkontext und sprachkontext …
und bei aller geteilten skepsis zu einem daily-schmutz-blatt, dem ich einstmals in weiser voraussicht die von ohnen beantragte arbeitnehmergefolgschaft bewusst vorab verweigert habe …
… kann ich mir nur schwer vorstellen, dass dir nicht aufgefallen sein soll, dass die abschliessende zeile
“… als ob die Verantwortlichen und Feiernden wertvolle Mitglieder der Gesellschaft wären.”
einen gewissen anklang hat an aehnliche formulierungen, die sich anmaessen, vom wert und unwert des lebens zu reden und zu urteilen.
fakt ist: was fuer “die gesellschaft wertvoll” ist, bestimmt (leider) die gesellschaft. wer und was auch immer das sein mag.
wenn DU oder ICH das bestimmten koennten, waer ja alles viel viel besser. ja neee, iss klah.
iss nur leider nich so. niemand bedauert das mehr als ich und du und muellers kuh.
so what!?
insofern:
kritik an blatt und tenor des artikels und kritik an der journalistischen exaktheit und aufdeckung fehlender korrektheit … jahaaa!
und natuerlich auch kritische und wertende und zugespitzte konter, jahaaa!
aber derart unterschwellig funktionierende und begrifflich sublim agierende sprach-reminiszenzen …
das ist deiner nicht wuerdig!
das kannst du besser.
ich weiss das.
darf ich sowas schreiben?
sollte ich sowas schreiben?
hmmm … so lange ich dir damit nichts unterstelle, sondern nur auf eine formulierung hinweise … so lange MUSS ich das sogar tun, eben WEIL ich dich schon so lange kenne.
also … da hast du’s.
take it easy, take it light – but take it!
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Rainer Bartel Antwort vom 12.08.09 12:16:
Lieber Laufnager,
deine Kritik rennt ins Leere. Vermutlich siehst du den Term “wertvolles Mitglied der Gesellschaft” in der Nähe des Nazi-Spruchs vom “unwerten Leben”. Das ist aber nicht so – der Ausdruck stammt aus den sechziger Jahren und gehört ins Umfeld des modernen Strafvollzugs, bei dem die Resozialisierung der Straftäter angestrebt wird. Übernommen wurde er von deutschen Journalisten als Übersetzung des US-Ausdrucks “valuable member of society”, der dort ähnliches meint. Sonny Barger, Ex-Chef aller Hells Angels, hat in seiner lesenswerten Biografie den Satz geschrieben “one percenter don’t care whether they are seen as valuable members if society” – darauf bezog sich meine Verwendung des Ausdrucks.
Aber den ganzen Hintergrund muss man nicht wissen, weil die Sache mit den wertvollen Mitglieder der Gesellschaft im allgemeinen Sprachgebrauch die Linie zwischen Kriminellen und braven Bürgern zieht.
Also, Nazikeule wieder einpacken ;–))
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rennhamster Antwort vom 12.08.09 16:59:
aaah jetzt ja!
sehr sehr schoen erklaert, lieber BvD.
das hab jetzt sogar ich verstanden,
und das will was heissen!
keule steckt wieder im futteral,
und um derart peinliche fehlgriffe zukuenftig
zu vermeiden, spar ich jetzt fuer ein
lexikon der redewendungen.
[Antwort]
schlechte recherche.
nicht die bones waren seit den 60ern in d’dorf ansässig, sondern der moto clan.
laut printmedien wurde dieser unfreiwillig durch die bones übernommen. stimmt auch nicht.
bei der präsidenten rallye 1999 wurde eine aufteilung des clubs auf die bones und die hells angels beschlossen.
gegen bares (statt üblicher anwartschftszeit)konnte man damals dem affinen club beitreten.
frag mich nicht nach der quelle, ich hab familie.
[Antwort]
Rainer Bartel Antwort vom 12.08.09 12:10:
Stümmt. Du hast Recht. Da hab ich bloß in meinem Gedächtnis recherchiert und nicht in objektiven Quellen.
In Unterrath hängt an einem Häuschen übrigens noch ein “Moto Clan”-Schild als traurige Reminiszenz an die guten, alten Zeiten. Frag mich nicht wo…
[Antwort]
Hi folks.
This video shows the appearance of a legendary outlaw motorcycle gang from Germany in the pilot of an action series called – The Clown – in 1996.
http://www.youtube.com/watch?v=T5ifkAEjWpg
The club was betrayed for money to the Bones MC Germany by their own president and a small group of traitors. The club deceased and lost everything to the new Bones MC Dusseldorf in 1998.
While the new Bones members healed up the inked brandings of their new masters, an even greater company, the Hells Angels MC, patched over the whole Bones MC Germany in one big deal in 1999.
This was the largest patch over in history until today.
But when traitors defiles the reputation of the Hells Angels MC, it often comes to a bitter end.
After two years of unsuccessful recruiting, loosing respect in the scene, and taking no care of business at all, the traitors were catched up by their own doubtful past.
Since 1983 in Hamburg there were no HAMC chapter forbidden by the government in Germany again.
In Dusseldorf the big red machine was banned from the city in the year 2001.
What goes around… comes around.
In memory of Moto-Clan MC Dusseldorf *1978 +1998
[Antwort]