Abhängige Presse meldet 400.000 Zuschauer beim Metro-Marathon

Die Wirklichkeit und was die Presse draus macht

Schon gestern hatte ich es vorhergesagt: Die Düsseldorfer Medien – allen voran die in dieser Sache abhängige Rheinische Post – werden gewaltige Zuschauerzahlen beim Düsseldorfer Metro-Marathon angeben. Und tatsächlich, die Veranstalter sind so dreist, 400.000 Zuschauer zu vermelden! Was Teile der Presse pflichtschuldigst nachplappern.
Umfragen bei Freunden in ganz Düsseldorf ergeben, dass es bestenfalls in Oberkassel richtig Stimmung gab. In Bilk war alls tote Hose. 200 Zuschauer an der Bilker Kirche werden zur “Party” hochgejazzt – und die Zeitungen schreiben, was man ihnen vorsetzt! Die RP muss ja von einem Erfolg berichten; die mitgelieferte Fotostrecke beweist aber, dass selbst am Ziel keine größeren Menschenmassen anwesen waren. Man lese auch die Bildunterschriften.

Die Medienwahrheit, also das was die Zeitungen schreiben, um ihren Anzeigenkunden zu liefern, was die verlangen, lautet: 400.000 Zuschauer. Die Wahrheit liegt weit darunter. Man muss sich auch einfach einmal vorstellen, was es bedeuten würde, hätte es 400.000 Zuschauer gegeben. Die Strecke gestern berührte etwa ein Drittel des Stadtgebiets mit sehr freundlich geschätzten 300.000 Einwohnern. Selbst wenn diese 300.000 Bürger OHNE AUSNAHME vor die Tür gegangen wären, hätte es nicht gereicht. 400.000 Leute, das sind ACHT ausverkaufte Esprit-Arenen! Auf ein Fußballfeld passen ungefähr 10.000 Menschen, wenn sie sich drängeln. 400.000 Leute wären also 40 Fußballfelder gesteckt voll mit Menschen! Oder auf Düsseldorfer Verhältnisse umgerechnet: zweieinhalb Mal die komplette Oberkasseler Kirmeswiese dicht an dicht befüllt mir Bürgern.

Warum aber nennen die Veranstalter dann diese Zahl? Weil sie nicht zurück können. Schon im letzten Jahr waren es angeblich 400.000, davor sogar schon mal 500.000. Da es keine offiziellen Polizeischätzungen gibt, können die PR-Leute des Metro-Marathons sich einfach eine Zahl ausdenken. 400.000 heißt also nur: Ganz doll viele. Und selbst das ist dem Anschein nach ein Lüge. Die muss aber sein, denn das Interesse des Veranstalters ist es, diese Veranstaltung immer wieder veranstalten zu dürfen. Denn damit verdient der federführende Jan Winschermann seinen Lebensunterhalt, und viele Menschen verdienen ebenfalls daran. Das muss erhalten bleiben. Wenn nun in den Zeitungen stünde “Metro-Marathon: Was für ein Flop!”, dann könnte es sein, dass es sich der Sponsor überlegt und die Veranstaltung fallen lässt.
Wie immer lohnt sich also die Frage: Cui Bono? Dass Winschermann ein Rieseninteresse hat, dass die Medien einen Erfolg melden, ist klar. Genauso klar ist es, warum die RP einen Jubelartikel nach dem anderen loslässt: Der Wochenendausgabe lag ein Marathon-Special voller Anzeigen bei, und es steht zu vermuten, dass der Marathon-Sponsor Metrogroup noch ein bisschen Kohle dazu getan hat.

Es hat also kaum jemand ein Interesse zu berichten, wie es wirklich war beim gestrigen Metro-Marathon in Düsseldorf. Außer ein paar unabhängigen Bürgern, die ohne Hintergedanken melden, wie es rund um die Strecke in Wahrheit aussah.


» Kommentar von Rainer Bartel am 03.05.10 um 11:56 » in Kategorien: Düsseldorf,Sport » 1.550 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. Oder noch anders gerechnet:
    400.000 Leute auf einer Strecke von 84.390 Metern verteilt (links und rechts der Strecke) bedeutet, dass auf jeder Stelle des Kurses 2 bis 3 Leute hintereinander stehen müssten, wenn jeder 50 cm Platz hat. Wenn sich die Leute auch noch bewegen sollen, sind es eher 3 bis 4. Auf jedem Punkt der Strecke, wohlgemerkt..

     
    Kommentar von Michael am 03.05.10 um 15:11

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