Foto Koch, Düsseldorf, Schadowstraße
Erfreulicher Kamerakauf mit Fachberatung
Vor lauter MediaMarkt und Saturn vergißt man ja leicht, dass es tatsächlich noch Läden gibt, in denen man fair und fachkundig beraten wird. Während das Personal in mancher Filiale der großen Verbrauchermärkte für Unterhaltungs- und andere Elektronik gelegentlich besser darin geschult ist, Leuten eine Finanzierung anzudrehen, hören die Fachkräfte in echten Fachgeschäften dem Kunden zu, versuchen, dessen Bedarf herauszufinden und dann sinnvolle Angebote zu unterbreiten.
Es ist mir sehr, sehr peinlich, aber seit Jahren habe ich vergessen, dass es in Düsseldorf den Foto Koch auf der Schadowstraße gibt. Auch wenn der Online-Auftritt des Traditionshauses aussieht wie eine klassische Schweinebauchanzeige – im Laden selbst wimmelt es nur so von sachkundigen, netten und freundlichen Verkäuferinnen und Verkäufern. Das durfte ich heute beim Erwerb einer digitalen Spiegelreflexkamera wieder erleben.
Relativ spontan lag dieser Kauf an, den ein berufliches Projekt erfordert es, dass ich demnächst Digitalfotos in semi-professioneller Qualität schießen muss. Nun hatte ich mich mit dem Thema “Digital SLR” zuvor nicht beschäftigt, weil mir für den Alltagsgebrauch die kleine Lumix für die Hosentasche reicht. Irgendeine Stimme flüsterte mir ein: “Mönsch, geh doch mal zum Foto Koch und lass dich beraten.” So griff ich mir die Köterin und machte mich auf den Weg zur Schadowstraße. Früher, als das Fotografieren noch zu meinen Leidenschaften zählte, gehörte der Gang dorthin zum monatlichen Programm. Und wenn man auch nur im Durchgang zur Bleichstraße an den Schaufenster mit den gebrauchten Kameras stand und überlegte, ob nicht doch irgendwann eine Mamiya 45 oder eine Rolleiflex oder gar Hasselblad im Bereich des Erschwinglichen läge.
Geschichten vom Foto Koch
Noch viel früher, damals saß der Foto Koch noch auf der Kasernenstraße, unweit des Breidenbacher Hofs, erwarb ich dort meine erste Spiegelreflexkamera. Es handelte sich um eine Praktica, die für rund 200 Mark im Paket mit einem Tele- und einem Weitwinkelobjektiv sowie einem einfachen Stativ angeboten wurde. Angeschafft im Zusammenhang mit meinem Kunststudium begleitete mich das DDR-Gerät rund zehn Jahre lang, bis ein lukrativer Ferienjob viel Kohle brachte, die heftig in der Tasche juckte. Da eine Nikon zu teuer und eine Minolta zu popelig war, fiel die Wahl auf die inzwischen legendäre Canon AE-1. Die stellte 1977 den Stand der Technik dar und kostete beim Foto Koch rund 1.000 Mark. Mit der AE-1, die ich mit einem monströsen Motor sowie diversen Objektiven aufrüstete, fabrizierte ich vor allem Farbdias – davon aber mehr als tausend Stück. Nebenbei widmete ich mich, alter Ilford-Fan, der ich war, intensiv der Schwarzweißfotografie. Und das mit allem Zipp und Zapp. Ich entwickelte die Negative selbst und vertigte natürlich auch die Abzüge selbst an. Leider nahm die Zahl der Negative überhand (es mögen um die 10.000 sein…), und ich kam mit der Positiventwicklung nicht mehr nach. Außerdem gab es einige Zeit in den jeweiligen Wohnungen keine Möglichkeit, eine Dunkelkammer zu improvisieren.
Und dann brach das Zeitalter der Digitalfotografie an. Ich fand das Knipsen ohne Film abscheulich. Es interessierte mich nicht. Erst mit dem Start meines ersten Blogs wurde das Thema akut, und ich erwarb bei einem großen Medienmark eine Nikon 883. Die tat auch gute Dienste, war aber zu groß für die Hemd- oder Hosentasche. So kam im vergangenen Sommer eine Lumix ins Haus, die kürzlich leider abstürzte. Dabei verbog die Objektivabdeckung, was aber der Funktionstüchtigkeit keinen Abbruch tut. Und jetzt die Canon EOS 1000D mit einem Sigma-Zoomobjektiv mit Brennweiten zwischen 18 und 200mm.
Kauferlebnis
Die Düsseldorfer Schadwostraße ist in den Zeiten des U-Bahnbaus ein trauriger Anblick. Nicht nur wegen der Absperrungen, Bauzäune und Gruben; zwei Häuser sind abgerissen worden, und so sieht der untere Teil der Straße in Richtung Ja-Wellem-Platz wie ein schlecht gepflegtes Gebiss. Aber der Laden vom Foto Koch mit seinem gelben Schriftzug, der steht noch da, als wenn nichts wäre. Zunächst musterte ich die Schaufenster, wurde aber aus dem Angebotenen nicht schlau. Also zerrte ich den Hund ins Innere und steuerte die Theke für die digitalen Spiegelreflexkameras an. Ja, es gibt Theken! Dahinter war Personal zu Gange, und nachdem ich mich akklimatisiert hatte, steuerte mich eine Verkäuferin mittleren Alters an. Ich schilderte meinen Bedarf, dass ich gelegentlich journalistische Fotos in halbprofessioneller Qualität machen müsse und ein begrenztes Budget habe.
Nach einigem Nachdenken holte sie eine EOS 1000D hervor. Sie beschrieb die Vor- und Nachteile, und als ich nach der maximalen Brennweite fragte, meinte sie, man könne auch ein andere Objektiv bündeln und empfahl das besagte Sigma-Zoom. Dann durfte ich ein bisschen herumprobieren und bekam einen Basiskurs EOS verpasst. Der Köter langweilte sich, war aber fotogen genug für Experimente. Was wäre denn das nächstbilligere Angebot. Sie verwies auf eine Sony und eine Olympus, meinte aber sofort, dass ich mit der EOS besser bedient wäre. Ihre Fachkenntnis überzeugte mich. Ob beim Preis noch was zu machen sei, fragte ich. Sie rechnete ein bisschen herum, nannte einen Betrag und sagte: Weiter runter geht’s nicht. Auch das überzeugte mich, und ich schlug ein. Aus heiterem Himmel schenkte sie mir eine ziemlich professionelle Canon-Tasche dazu. Zuhause checkte ich den Preis im Internet und fand heraus, dass ich knapp 8 (in Worten: acht) Euro mehr bezahlte hatte als beispielsweise bei Amazon und rund 24 Euro mehr als beim billigsten Web-Höker. Die Tasche stellt übrigens einen Wert von mindestens 100 Euro dar.
Fazit
Ich bin perfekt beraten worden und man hat mir einen äußerst fairen Preis gemacht. Was will man mehr? Deshalb empfehle ich ganz im Sinne des Mottos “Kauf beim lokalen Dealer” jedem, der in in Düsseldorf Sachen Kamerakauf unterwegs ist, einen Besuch beim Foto Koch auf der Schadowstraße. Über die U-Bahn-Baustelle kann man ja hinwegsehen.
Die Saturns und Mediamarkts wollen bestimmte Kameramodelle, die sie Containerweise einkaufen, unter die Leute bringen. Meine sechs Monate alte Olympus Digitalkamera hatte, wie du es ausdrückst, einen Absturz (Gott sei Dank Versicherungsschaden). Ich wollte wieder eine Olympus, nur diesmal das inzwischen auf den Markt gekommene Nachfolgemodell. Dies war bei Saturn 150 Euro teuerer als der Vorgänger. Der Fachhändler hatte das Vorgängermodell gar nicht mehr im Angebot und bot den Nachfolger zum “alten” Preis, also 150 Euro günstiger als Saturn an.
Das ganze steht und fällt mit dem Verkäufer. Ja, ich habe sogar schon kompetentes Personal im Geiz&Blöd-Markt gefunden. Ist aber die legendäe Nadel im Heuhaufen.
Und umgekehrt gibt es haufenweise Personal in Fachgeschäften, bei denen eine mindestens halbjährige eine Fach- und Vertriebsschulung die gröbsten Mängel beheben könnte.
Aber bei so schönen Einkaufserlebnissen macht Geldausgeben richtig Spaß.
@BornInD: Richtig. Neulich beim Notebook-Kauf im MediaMarkt in den doofen Bilker Arkaden sind wir auch richtig gut beraten worden – von so einem Typ, der aussah wie ein Computerfreak der 80er. Tage später in einem vergleichbaren Laden (ähem…) beim Versuch, mich über so ne Dolby-Dingenskiste zu informieren, prasselte mir von vier(!) Verkäufern Lust- und Ratlosigkeit entgegen.
Tatsächlich ist es nicht so, dass JEDES Fachgeschäft über Top-Leute verfügt, aber beim Foto Koch gilt das durchweg. Das konnte ich bei zwei Verkaufsgesprchen links und rechts von mir beobachten – und die Dame an der Kasse war sowas von stressfrei und freundlich…
Also noch mal: Wer was rund ums Knipsen kaufen will, sollte zuerst beim Foto Koch reinschauen!
Auch von mir eine positive Referenz. Mir war die erste Digitalknipse kapott gegangen und so mußte die nächste Knipse her. Auch ne Lumix. Leider gibt es keine Hosentaschenknipsen ohne die leidliche sollbruchstellenbehaftete Objektivausfahrmechanik. Oder inwendige Zoommechanik. Die Kamera war günstiger, die Tasche war günstiger – und ich konnte auch die Speicherkarte nachträglich umtauschen, obwohl der alsbaldige Vorführeffekt (also bei mir hat es echt nicht funktioniert) nicht lange auf sich hatte warten lassen. Der Verkäufer hatte mir einfach geglaubt.