Erwins Testament gefälscht?

Fast alle Düsseldorfer Tageszeitungen (EXPRESS, RP-Online, und DerWesten) berichten heute, es gäbe ein Testament des Joachim Erwin, das in Form von 10 Geboten gefasst sei. Angeblich hat der verstorbene Oberbürgermeister am 17.05. ein Dokument verfasst und diversen Medien sowie einigen Personen im Rathaus und dem Stadtrat zukommen lassen. Da finden sich einerseits Plattitüden wie “Haltet das Geld zusammen!” und “Nutzt den Kö-Bogen als Chance für die Stadt!”, aber auch Arbeitsanweisungen a la “Baut ein Aquarium mit internationalem Anspruch!”. Ein erster Verdacht, das Dokument könne nicht von der Hand des OB stammen, ergibt sich aus folgenden Aussagen:

“Wo und wie es entstanden ist, wer die Worte aufschrieb, ob Erwin die Sätze jemandem diktierte oder sie mit der Hand oder am Laptop schrieb – dazu gibt es keine Informationen. Ein kleiner Kreis der Eingeweihten aus der engeren Umgebung des verstorbenen Oberbürgermeisters hüllt sich in eisernes Schweigen. Sein Sprecher Kai Schumacher: ‘Zu den Details sagen wir nichts!’ Nur so viel: Es sei der ausdrückliche Wunsch Erwins gewesen, diesen Text einen Tag nach seinem Tod zu veröffentlichen. Daran habe man sich gehalten.”
(Quelle: RP-Online vom 22.05.2008)

Einer der CDU-Politiker, die ihm nahestanden, zeigte sich überrascht:

“Dirk Elbers, Erster Bürgermeister und nun vorläufiger Repräsentant des Rates, war von Erwins Vermächtnis hörbar berührt. Dass es einen solchen Brief geben würde, hatte er nicht gewusst – bis er ihn gestern bekam. Beeindruckt vom „weichen Stil“ des Textes stellte der CDU-Fraktions-Chef fest, all die dort aufgeführten Punkte seien ja die Themen, die man auf den Weg gebracht habe und natürlich auch im vereinbarten Sinne realisieren wolle. Spürbar verunsichert wunderte sich Elbers über den Sprachstil, den er, der langjährige Parteifreund, aber auch Mit-Streiter, so von Erwin nicht kannte.”
(Quelle: RP-Online vom 22.05.2008)

Dass auch die Chefin der FDP-Fraktion, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, sich verwundert zeigt, nährt die Zweifel an der Authentizität des Dokuments. Nun lässt sich darüber spekulieren, welche Personen denn ein Interesse daran haben, dass die zehn Merksätze als offizielles Vermächtnis des Joachim Erwin gelten. Dabei fällt zuerst der Verdacht auf die direkten Mitarbeiter des OB, die nach seinem Tod um ihre Posten fürchten müssen – allen voran Büroleiterin Christina Begale, Pressesprecher Kai Schumacher und auch Planungsdezernent Gregor Bonin. Für jeden der Genannten ist etwas drin im angeblichen Testament. Es könnte aber auch sein, dass sich jemand einen perfiden und geschmacklosen Scherz erlaubt und so Düsseldorfer Medienvertreter und Politiker auf unappetitliche Weise genarrt hat. Dass das Vermächtnis des Joachim Erwin wie es publiziert wird, echt sein könnte, erscheint einigermaßen unwahrscheinlich.

» Bericht von Rainer Bartel am 22.05.08 um 16:20 » in Kategorien: Düsseldorf » 2874x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. [...] der große Oberbürgermeister dieser Stadt, der nimmermüde Joachim Erwin, in seinem Testament ausdrücklich verfügt hat, die Stadt solle sich keine Gedanken darüber machen, eine [...]

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