Keine Lust auf eigene Beiträge?
Ja, es ist ein schweres Brot, als Journalist Themen zu finden, die interessieren. Noch schwerer ist es für manchen Schreibfink, eigene Texte zu verfassen. Da kommt so eine PR-Meldung gerade recht. Die nimmt man her, zitiert sie großflächig und dichtet ein, zwei Sätze dazu. Fertig ist der Instant-Artikel. Eine Probe dieses Convenience-Journalismusses liefert heute ein gewisser Fredy Lang auf EXPRESS.de ab. Unter der Überschrift “Fressnapf plant 2000 neue Jobs” berichtet er über die Krefelder Tierfutterschmiede Freßnapf. Nach der Lektüre denkt der unbedarfte Leser, Mönsch, toll, dass der Freddy mal nach Krefeld zum Herrn Toeller gefahren ist und den interviewt hat. Denn so hört sich ja folgende Passage an:
“‘In diesen schweren Zeiten sparen die Deutschen zuallerletzt an ihrer Tierliebe’, erklärt Toeller. ‘Die Stimmung in Deutschland ist schlecht. Die Menschen sind verunsichert und haben Angst vor der Zukunft. Da steht das Haustier für Freundschaft, Geborgenheit und heile Welt.’ (Quelle: EXPRESS.de vom 13.02.09)
Na, toll. Denn die folgende Passage findet sich in der Pressemitteilung der Firma Fressnapf vom 12.02.09.:
“‘In Zeiten von Finanzkrise und Rezessionsängsten sparen die Deutschen zu allerletzt an ihrer Tierliebe’, erklärt Fressnapf-Chef Torsten Toeller den Erfolg seines Unternehmens. ‘Die Stimmung in Deutschland ist schlecht, die Menschen sind verunsichert und haben Angst vor der Zukunft – da steht das Haustier für Freundschaft, Geborgenheit und heile Welt. Außerdem sind preissensible Tierhalter, die jetzt sparen wollen, bei einem preisaggressiven Fach-Discounter wie Fressnapf genau richtig.’” (Quelle: presse.fressnapf.com vom 12.02.09)
Da hat der Fredy also einfach aus der Pressemitteilung abgeschrieben und denn Teil mit der platten Werbung weggelassen. Immerhin hat er sich doch noch ein bisschen Mühe gemacht, denn die folgende Passage…
“Der Chef zu seinem Erfolgsgeheimnis: ‘Wir sind alle Tierfans.’ Er selbst hält sich Paco und Sam, einen Pointer und einen Beagle. Auf einer Wiese der Fressnapf-Zentrale in Krefeld weiden Schafe, auch ein Rudel Damwild lebt dort.” (Quelle: EXPRESS.de vom 13.02.09)
…stammt aus dem Basispressetext des Unternehmens:
“‘Wir sind alle Tierfans. Das unterscheidet uns vom Großteil des Wettbewerbs’, erläutert Torsten Toeller. Das klingt nach Marketing-Strategie, doch Toeller kann den Gegenbeweis antreten. Zu seiner Familie gehören zwei Hunde, auf dem Anwesen der Fressnapf-Zentrale in Krefeld weiden Schafe, auch ein Rudel Damwild lebt dort.” (Quelle: presse.fressnapf.com)
Nun mag man einwenden, dass ja wohl viele Artikel so entstünden. Das ist nicht ganz falsch. Wenn aber ein solcher Artikel als redaktioneller Beitrag veröffentlicht wird, obwohl er ausschließlich die Sicht des Unternehmens widerspiegelt, und dann auch noch so getan wird, als basiere der Text auf eigener Recherche, das ist das zumindest eine Verschaukelung der Leser. Manche würden es auch Schleichwerbung nennen.
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