Flachmann fürs Provinznest

elbers_schramma.jpgMan möchte meinen, die ortsansässige CDU habe sich für einen gewissen Dirk Elbers als OB-Kandidaten entschieden, um noch im Nachhinein die Globalität des unjüngst verstorbenen Joachim Erwin zu unterstreichen. Denn der designierte Erbe hat die Ausstrahlung eines Sparkassenbeamten. Dass ihm die Werbeagentur Eggert nun den Wahlkampfslogan “Mit Leidenschaft für Düsseldorf” verordnet hat, kann nur als zynischer Hinterwitz gewertet werden: Leidenschaft und Elbers – ein deutlicherer Gegensatz lässt sich kaum vorstellen. Nun kannte bisher kein Schwein diesen Elbers, obwohl er ja auch schon jahrelang Bürgermeister unter Erwin sein und diesen bei unwichtigen Ereignissen vertreten durfte. Deshalb macht der langgewachsene – Achtung! – “Geschäftsführer einer Liegenschaftsverwaltung” seit seiner Nominierung die Tour als Grüßaugust. Da wird kein Verein ausgelassen, keine Seniorin und kein Behinderter bleibt unbelästig, und auf der Großen Kirmes muss olle Dirk wohl täglich acht Stunden durch die Bierzelte geturnt sein. Ob es was nützt?

Natürlich wird Dirk Elbers am 31.08.2008 mit großer Mehrheit zum OB der Stadt Düsseldorf gewählt werden, kein Zweifel. Aber das nur, weil die Sozen einfach nicht gewinnen wollen. Nach einer erbärmlichen, sozentypischen Schlammschlacht wurde Karin Kortmann (gegen ihren Willen?) aus Berlin angekarrt und zur OB-Kandidatin gekürt. Dann ging sie erstmal in den wohlverdienten Familienurlaub auf den Kanaren. Derweil fragt sich das hiesige Stimmvieh: Karin Wer? Denn Spuren in der Stadt hat die im Prinzip fähige und erfahrene Politikerin bisher nicht hinterlassen. So wird ein Großteil der potenziellen SPD- und Grünen-Wähler sich überlegen, überhaupt zur Wahl zu gehen, denn eine spezialdemokratische Sozialarbeiterin hätten sie auch ohne Berlinabzug kriegen können.
Ebenso natürlich läuft der Klüngel ab. Dass Frau Kortmann sich nicht eine Woche lang in den Bierzelten des Schützenfestes die Altbierkante gegeben hat, nimmt man in Brauchtumskreisen übel. Ob es eine einzige Wählerstimme bringt, wenn ein Kandidat den führenden Brauchtümlern in den Mastdarm kriecht, darf bezweifelt werden. Die Macht der Schützen und Karnevalisten wird hierorts gern überschätzt – besonders von der Journaille. Ein besonder schlimmer Auswuchs diese Berufsstandes, der zunehmend unsäglicher werdende Lokalsender center.tv, konnte jedenfalls während der Kirmes am Rhein kaum an sich halten, für den Flachmann, der OB werden will, Schleichwerbung zu betreiben. Aber der Chef, Christian Zeelen, scheint ja überhaupt seit längerem im Versuch begriffen, den scheinbar Mächtigen der Stadt den Anus zu küssen. Ob das mit seinem fortdauernden Scheitern als Karnevalssänger zu tun, bleibt offen.

Wahlschleichkampf
Und natürlich macht die Rheinische Post ebenfalls mit allen Mitteln Wahlkampf für Elbers. Während Frau Kortmann eher süffisant beschrieben wird, versuchen diverse Schleimlecker der C-Partei den Elbers zu einer Art Christian Wulff hochzusterilisieren. Die sonstigen Ortsmedien merken dagegen gar nicht, dass sie instrumentalisiert werden.
Dabei wäre das alles nicht nötig, denn die paar Düsseldorfer Bürger, die Ende August tatsächlich zur Wahl schleichen werden, werden ihr Kreuzchen schon brav beim Elbers machen. Kein Wunder nach der jahrelange Gehirnwäsche, die dem Volk suggeriert hat, Erwin und die CDU wären gut für die Stadt. Da fragt das Stimmvieh nicht, wem genau die Erwinista gut getan hat.

Besser für Düsseldorf
Ein Gutes hat die Tatsache, dass die Schristdemokraten den Dirk aufgestellt haben und die Sozen diese Karin. Düsseldorf, von Joachim Erwin und seiner Kamarilla permanent und bis über die Peinlichkeitsgrenze als Metropole vermarktet, wird unter einem OB Dirk Elbers wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt: eine kleine Großstadt, in der sich prima leben lässt – wenn denn die Allmachtsphantasien durchgeknallter Machtpolitiker beerdigt sind. Für diese Rolle eignet sich der nicht unsympathische, selten aufgeregte und dem Ausgleich verpflichtete Liegenschaftsmanager bestens. Das ist absolut ernst gemeint.

(Auf dem Bild rechts, das ist übrigens der Kölner Klüngelkönig OB Schramma, mit dem Elbers Herrchens seinerzeit erheblich befreundet war…)


» Kommentar von Rainer Bartel am 19.07.08 um 13:38 » in Kategorien: Düsseldorf » 841 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. [...] und, ja, der Elbers war auch da. In einer schlechtsitzenden Kombination aus blauem Jackett und dunkelgrauer Hose samt [...]

     
    Pingback von Rainer’sche Post » F95 vs Tussi Kolbenz 1:0 am 19.07.08 um 18:45

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