Onkel Dirk will Schlager in der Arena haben
Und da dachten wir doch, dass mit dem Ende des im Mai 2008 verstorbenen OB Vernunft in die schönste Stadt am Rhein einziehen würde. Zumal es so aussah, als würde sein Nachfolger für einen neuen, menschlich-warmen, freundlichen und maßvollen Stil stehen. Das Zeitalter der Gigantomanie schien vorbei, und nur die in Beton gegossenen Zeugnisse der Ära Erwin schienen Bestand zu haben. So wurde unter “Onkel Dirk” – wie manchen den neuen OB Dirk Elbers nennen – die sinnlose Benzin- und Gummiverbrennung auf der Kö abgeschafft, und nur der ökologische Wahnsinn, der sich Skilanglauf am Rheinufer nennt, musste weitergehen. Aber: Die Trieblinge der Erwinista wirken immer noch im Untergrund. Und die müssen es sein, die “Hausmeister Elbers” (so ein weiterer Spitzname des OB, der auf seine Berufstätigkeit anspielt…) dazu getrieben haben, eine offizielle Bewerbung für den European Song Contest 2011 abzugeben.
Humorvolle Menschen sprechen vom “ESC”, seitdem dieser Schlagerwettbewerb nicht mehr “Grand Prix de la Chanson de la Eurovision” heißen darf. ESC ist eine nette Abkürzung, weiß jeder Computeruser, denn so heißt eine Taste als Abkürzung für das Wort “Escape” (= Flucht), mit dem Aktionen abgebrochen werden. Nun hat diese kleine Bürgerschlampe unter Stefan Raab im Jahr 2010 gewonnen, und der Metzger aus Köln hat gleich verkündet, dass seine Lena den Cup im eigenen Land verteidigen würde. Kaum hatte er so sein Geschäft abgesichert, fingen Kommunalpolitiker und spätere Bunzpräsis an, sich zu bewerben. Und irgendeine Flachnase muss unserem OB eingeredet haben, dass Düsseldorf ja wohl der optimale Austragungsort für das sängerische Endspiel sei. Schließlich habe man doch hier eine verschließbare Arena für bis zu 55.000 Insassen.
Größenwahn reloaded
Und so nahm der Schwachsinn seinen Lauf, und Düsseldorf bewarb sich erneut um ein Großereignis. Man erinnere sich: Die von Joachim Erwin seinerzeit in einem Daueranfall von Größenwahn betriebene Olympia-Bewerbung (2000 ~ 2003) scheiterte schon bei der nationalen Ausscheidung kläglich. Der Versuch Erwins, irgendein Spiel der Fußball-WM 2006 nach Düsseldorf zu holen, ging – nach Ansicht von Leuten, die dabei waren, aufgrund der Erwin’schen Arroganz – in die Hose. Und selbst das eigentlich versprochene Pressezentrum war dann woanders. Nun wird sich diese kleine Großstadt erneut blamieren. Denn dass die Unterhaltungsbeamten beim NDR sich für Düsseldorf entscheiden, erscheint angesichts der Konkurrenz sehr unwahrscheinlich.
Wäre es nicht so peinlich, dann sollte Onkel Dirk die Bewerbung stoppen. Denn was die unglaubliche Werbewirkung der Veranstaltung angeht, sind erhebliche Zweifel angebracht. Oder wissen Sie noch, wo die ESC-Finale 2006 und 2009 ausgetragen wurden? Sehnse. Natürlich muss der Vorturner der besten PR-Agentur dieses Planeten, ein gewisser Herr Popp (Keine Witze über Namen, bitte!) ausgiebig über den gigantischen “Werbewert” des Events schafeln – vermutlich rafft er mit der Bewerbung Häufchen Kohle für seinen Laden mit dem komischen Namen Pleon (“Ey, Alter, bist du jetzt völlig pleon, oder was?”). Und die hirnflachen Amöben, denen man zumindest einen ausgewiesenen Lokalpatriotismus bescheingen kann, blubbern den Blödsinn nach. Mal im Ernst: Kein taiwanesischer Platinenschmied wird seine Europazentrale nach Düsseldorf verlegen, weil Lena Meier-Hirntot dort beim ESC den zweiten Platz gemacht hat, oder?
Hallen füllen
Worum geht’s eigentlich? Um eine Mehrzweckarena, die sich die hiesigen Sozen mal ausgedacht haben und die OB Erwin schließlich mit den ihm eigenen Dampfhammermethoden hat realisieren lassen. Ein überdimensionierter Kasten mit dem Charme einer 08/15-Messehalle, dessen Finanzierung scheiterte, und der nicht profitabel zu betreiben ist, weswegen die Stadt jährlich bis zu 11 Millionen Euro Subventionen fließen lässt. Als das 218-Mio-Monster zu Beginn des Jahres 2005 in Betrieb ging, spielte Fortuna Düsseldorf noch in der Regionalliga. Nur Topspiele – wie gegen St.Pauli – fanden im Kasten statt und zogen bis zu 21.000 Zuschauer.
So versuchte die damalige Hand des Herrn, eine gewisse Frau Begale, alle möglichen Events in die Arena zu holen. Dem Vernehmen nach verzichtete man bei Grönemeyer & Konsorten nicht nur auf die Einnahmen, sondern zahlte sogar Honorar. So bekam man über die Jahre zwar die Stones, Madonna, Police, Depeche Mode und dergleichen in den Laden, aber vermutlich nie zu kostendeckenden Konditionen. Sah es im Jahr 2009 schon mau aus mit Großereignissen, kann man 2010 schon als Katastrophenjahr für die E-spritzt-Arena (wie Spötter sagen) verbuchen. Zwar haute sich ein Klitschko hier mit einem Ami, und Depeche Mode gaben ihre verschobenen Konzerte, aber ansonsten herrscht tote Hose – ein Indoor-Autorennen(!) und eine Techno-Silvesterparty mal ausgenommen. Für 2011 hat sich immerhin Roger Waters angesagt (Wie? Kennen Sie nicht? Der von Pink Floyd…), und auch Take That mit Robbie Williams wird wohl gastieren.
Und wo bleibt Fortuna?
Nun winkt ESC. Für den Hallenbesitzer ist diese Veranstaltung wie ein Sechser im Lotto, denn die Lokäschn wird vom Veranstalter für mindestens sechs Wochen angemietet. Das heißt aber auch, dass in den fünf Wochen vor dem Event und eine Woche danach nichts anderes dort stattfinden kann. Klartext: Weil das Finale am 14.05.2011 stattfindet, könnte Fortuna Düsseldorf die Heimspiele gegen Union Berlin, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen nicht in der Arena abhalten. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Spiele, die über die Platzierung am Ende der Saison, ja, vielleicht sogar über den Aufstieg oder – das möge die Glücksgöttin verhindern – Abstieg entscheiden.
Jetzt wird schon darüber gemutmaßt, wohin die Fortuna ausweichen soll. Von der BayArena in Pillekusen war die Rede, ein Stadiönchen, in das kaum 30.000 Nasen passen. Oder von der Hütte des Ligakonkurrenten aus Duisburg, das für jeden F95-Fan aus historischen Gründen untragbar ist. Völlig Durchgeknallte halten den nackten Beton der ostholländischen Pferdef***cker für einen guten Ground. Sogar von K*** ist die Rede!
Das geht alles gar nicht. Und die Tatsache, dass sich die Stadt für den ESC beworben hat, ist eine unverschämte Ignoranz gegenüber dem Hauptmieter der Arena. Ohne die Fortuna und ihren anschwellenden Erfolg seit 2008 hätte man den Kasten vermutlich irgendwann an irgendwen für einen Euro verscheueren müssen, um die Subventionslast zu begrenzen. Im Jahr 2009 machte die kumulierte Zuschauerschar der Fortuna mehr als 80 Prozent aller Arenabesucher aus. Und das soll jetzt der Dank sein?
Der Dank an den Verein, der diesem hässlichen, ungemütlichen und arroganten Kasten erst eine Existenzberechtigung gegeben hat? Der Dank an die Fans, die mit ihrer hartnäckigen Liebe zur Fortuna dieser öden Halle erst Leben eingehaucht haben? Nein, nein, nein, das geht gar nicht. Deshalb muss es heißen: Fortuna statt Lena. Und die Kette der Proteste gegen den ESC-Quark wird so lange nicht abreißen, bis die Entscheidung gefallen ist. Sollte der NDR wider erwarten Düsseldorf den Zuschlag erteilen, könnte es sein, dass der Widerstand gegen die Veranstaltung stuttgarter Ausmaße annimmt.
Ich bin recht zuversichtlich, dass der NDR sich da nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Also wird sich die Blamage in überschaubaren Grenzen halten und nur die Pappnasen betreffen, die auf diese durchgenallte Idee gekommen sind.
Ich frag’ mich allerdings, wieviel Unglücke noch passieren müssen, bevor biedere Beamte weiter auf solche PRoleten hereinfallen…