Wie die WestLB Friedrichstadt unterjocht
Gewaltarchitektur im Stadtviertel
Wanderer, kommst du zum Bilker Bahnof, dann hast du das Schlimmste noch nicht hinter dir. Auch wenn dir – stadteinwärts betrachtet – rechts der verfallene Bau des Kaufhauses Real,- zugrinst und zur Linken der seelenlose Schuhkarton der so genannten “Düsseldorf Arcaden” vor sich hin dünstet; weiter unten betrittst du WestLB-Country, da wo die Gewaltarchitektur herrscht. Übelster Ausdruck des Herrschaftswillen dieser geschüttelten Bank ist das mittlerweile leerstehende Gebäude der ehemaligen Zentrale an der Ecke Elisabeth-/Reichsstraße.
Schon zu Lebzeiten beleidigte dieser bräunliche Klotz im Stile einer gewissen NRW-Sozen-Architektur das Auge des geneigten Flaneurs. Ein gewollter Klotz, bedeckt mit bronzefarbenen Metallplatten und braunverspiegelten Fenstern. Und nun gammelt er seit drei Jahren vor sich hin, denn die Bank hat sich Besseres bauen lassen. Dass man die Masse an dieser Ecke aufgeben wollte, zeigte sich vor Jahren. Ihr sehr ergebener Berichterstatter hatte um 1998 herum das zweifelhafte Vergnügen, in dortigen Schulungsräumen ein Seminar abhalten zu müssen. Und kam so in den Genuss eines abgetretenen, fleckigen Teppichbodens, maroder Elektroinstallation und einer Klimaanlage, die alles nur schlimmer machte. Mit welchem Hohn die damaligen Bankbosse vorgegangen sind, zeigt auch die Tatsache, dass die ehemalige Zentrale ihren Arsch weit in die Reichsgasse streckt.
Zwischen dem Fürstenwall und der Reichsstraße, die von der nervenzerfetzenden Rampe der Kniebrücke überschattet wird, hat sich dieses Gässchen erhalten und – man höre und staune – der einzige komplette Bauernhof im Düsseldorfer Stadtkern! Eigentlich ein idyllisches Fleckchen also, wäre da nicht das hässliche Monster, dessen Parkdeck die angrenzenden Häuser überragt.
Wie die WestLB (sogar noch bevor sie zur WestLB wurde…) sich ab 1969 den ganzen Stadtteil untertan machte, wird in dieser Diplomarbeit schön beschrieben:
“Eines der markantesten Beispiele für diese hemmungslose Umwandlung von Wohn- in Büroraum findet man in Friedrichstadt. Für die Umwandlung Friedrichstadts ist maßgeblich die Westdeutsche Landesbank verantwortlich. Sie ist eine Art Dachverband der Sparkassen und ‘Hausbank’ des Landes Nordrhein Westfalen. Anfang der 70er Jahre errichtet sie ihren Hauptsitz am Kirchplatz. Für diesen Bürokomplex werden einige Wohnhäuser in der Elisabethstraße abgerissen. Nachdem dieser Glaspalast erstellt ist, macht sich die WestLB daran, Tochter- bzw. betriebsnahe Unternehmen in ihrer Umgebung anzusiedeln. So entstehen in ihrer Nähe die Verwaltungsbauten der Landesbausparkasse (LBS) und der Rheinisch-Westfälischen-Immobilien-Anlage-Gesellschaft (RWI). Als nächstes baut die WestLB an der Ecke Reichsstraße/Elisabethstraße ihre Girozentrale. Für diesen sieben-geschossigen Bau werden vier Grundstücke geräumt. Nachdem der Bankriese die Häuser Nr. 30-54 auf der Friedrichstraße aufgekauft hatte, erwirbt er ebenso das Dominikanerkloster auf der Rückseite der Elisabethstraße. Nun hat man alle Grundstücke, reißt die Häuser und das Kloster ab und erstellt an gleicher Stelle einen neuen Verwaltungskomplex der Westdeutschen Landesbank. Den angrenzenden Häuserblock teilen sich der Rheinische Sparkassen- und Giroverband, die Rheinische Sparkassenakademie, die West-LB, die öffentlich-rechtliche Versicherungsanstalt und die Provinzial.”
Die Macht der Bank im Kiez ist ungebrochen. Das zeigen die Installationen an der jetzigen Zentrale. Diese nimmt fast den ganzen Häuserblock zwischen Friedrich-, Herzog-, Talstraße und Fürstenwall ein. Schöner als der braune Klotz ist dieses grau-metallische Gebirge auch nicht. Dafür erfährt man als Fußgänger, dass man sich auf Privatgelände befindet, wenn man von der Friedrichstraße zur Corneliusstraße will und nicht auf der linken Straßenseite gehen möchte. Denn: rechts ist WestLB-Country. Ausgehend von einem formlosen Plattenplatz samt Vorfahrt für Vorstandskutschen zieht sich eine Ebene an der nördlichen Wand entlang. Zur Fahrbahn hin hat man Betonkästen mit Straßenbegleitgrün hingeklotzt. Die Begrenzungsmauern sind mit eingelassenen Metallstäben versehen, um es Obdachlosen ungemütlich zu machen. Alle fünf Meter ist eine Überwachungskamera angebracht. Aus der WestLB-eigenen Tiefgarage führen gleich zwei exklusive Ausfahrten auf die Herzogstraße – die Ampelphasen sind dementsprechend geschaltet.
Magst du’s noch schlimmer, dann geh zurück zum Kirchplatz. An der Ecke der Friedrichstraße zum Fürstenwall findet sich ein weiteres Stück Gewaltarchitektur, dass der WestLB gehört. Davor hat man eine der übelsten Plastiken, die je ein Bildhauer in den öffentlichen Raum gekotzt hat, anbringen lassen. Ja, gekotzt, denn Gebäude und Skulptur sind einfach nur eins: großkotzig.
Was wird aus dem brauen Monster? Ein irischer Metzger hat es gekauft und will irgendwas dort machen, was ihm richtig fette Rendite bringt. Mit anderen Worten: Die Bürger des Viertels werden definitiv nicht davon profitieren, dass der Kasten gegenüber des Parks am Kaiserteich wegkommt.
Nun gut, das Hauptgebäude der WestLB ist wirklich kein architektonischer Glanzpunkt, eher ein nicht ganz untypischer Bau der späten 70er.
Ob die Umgestaltung von Vorplatz und Eingang so dolle geworden ist..besser als noch vor 5 Jahren ist es auf jeden Fall.
Nichtsdestotrotz muss ich dann doch noch etwas richtig stellen: Die Vorfahrt ist nicht für Vorstandskutschen (zumindest die WestLb-Vorstände lassen in der separaten Garage parken), sondern hauptsächlich für Taxen, die Metallstäbe wurden vor einigen Jahren eingelassen, um die andauernde Zerstörung der Plattenkanten durch Skater zu verhindern, und die zwei TG-Ausfahrten sind weder exklusiv noch mit der Ampelsteuerung gekoppelt. Die eine Ausfahrt ist die des öffentlichen Parkhauses, und aus der zweiten kommen die WestLB-Angestellten. Die sind immer froh, wenn sie oben einfädeln dürfen..und ja, die fahren auch ganz normale kleine Autos, denn es sind in den meisten Fällen auch “nur” Tarifangestellte..
Übrigens: Die tolle Skulptur vor dem ehemaligen Provinzialbau am Kirchplatz wird “Friedels Hüftgelenk” genannt..
rennhamster Antwort vom 22.07.09 01:11:
apropos west-lb-parkhaus-unterloecherung:
bleibt noch zu erwaehnen … das west-lb-parkhaus an der elisabethstrasse richtung kirchfeldstrasse. (da steht ja noch so eine residenz, nicht zu vergessen!)
und dort parken auch nur “normal”-angestellte.
aber die dortige warn-ampel hatte man seinerzeit bei der eroeffnung derart eigenmaechtig in den strassenraum regend gehaengt, dass es zu aeusserst deftigen vollbremsungen von fahrern auf der elisabethstrasse kam.
kann passieren. sollte aber nicht. sollte auch korrigierbar sein.
ausser man heisst west-lb und ist der unbestrittene und unbestreitbare platzhirsch am kirchplatz.
interessant war naemlich das interesse und die motivation selbiger bank, diesen offenkundigen missstand mit ein paar handgriffen zu beseitigen und so unfaelle zu vermeiden.
NICHTS GING!
grosskotz war angesagt.
eine lehrstunde in deutschem finanzherrschaftsdenken.
ignoranz und arroganz im finanzfeudalen duett.
geduld, guter wille, appell an die vernunft … erwartungsgemaess kam kein arsch ausm sessel hoch, um die gefaehrliche fehlkonstruktion zu korrigieren.
von zustaendigkeiten und kompetenzen und huch-was-soll-das-denn-kosten?! gar nicht zu reden.
und ausserdem gabs ja die abnahme, das abhaken, das abnicken seitens der stadt.
naja, eben durch das sattsam bekannte unruehmlich amt fuer verkehrsmanagement.
hast du sowas – bist du koenig und kackst aufm thron, ohne dich zu erheben!
um es endlich kurz zu machen:
erst die ultimativ-massiv-konkrete ankuendigung einer oeffentlichen aktion mit presse, rundfunk, fernsehen, das illegale ding oeffentlich passend zur adventszeit als plakativen und plakatierten tannenbaum umzuwidmen, brachte schlagartig bewegung in die sache. puenktlich zum ultimatum stand eine gruppe edelbezwirnter flachdenker und tiefschuerfer am locus, inklusive beamteter staedtischer staunender … und siehe da … razzfazz hing das ding so, wie es heute noch haengt und wie es von anfang an haette haengen sollen. richtig gut und wirksam nach innen statt nach aussen und seitdem bremst da niemand mehr irrtuemlich.
und was lernt uns das?!
heisst du west-lb, machst du erstmal, was du fuer richtig haeltst, und die stadt nickt brav und dazu und denkt nicht mal was sinnvolles eigenes, geschweige denn wenigstens etwas den-vorschriften-entsprechendes.
hach ja, was waer das leben ohne solche armen dummdeubel!?
langweilig, genau.
danke, west-lb!
rennhamster Antwort vom 22.07.09 01:16:
ergaenzung und erlaeuterung:
am “locus” = lateinisch fuer am “ort”.
das war eine hochkaraetig besetzte ortsbegehung.
ehrlich jetzt.
aber wenigstens gabs da endlich mal freiluftfurzen statt sesselpupsen!
Interessanter Artikel.
Leider bleibt zu befürchten, dass die Architektur nach dem Abriss auch nicht besser wird. Viel Glas, viel Stahl usw… Da hilft ja nur ein Verweis auf den “richtungsweisenden” Kö-Bogen.
Wenn das Ding abgerissen ist, sollte man an Reichsstraße und Elisabethstraße eine geschlossene Bebauung vornehmen, die genug Platz für das laufende Volk vorsieht und zur Reichsgasse hin – da wo jetzt das Parkdeck steht – eine Grünanlage anlegen.
Wie gesagt: sollte…
Darf ich an dieser Stelle auf eine kurze, aber interessante Debatte beim Kollegen Ritchie (http://www.gnogongo.de) und die hochinteressanten Webseiten des Kommentators Kay verweisen? Danke.
Hallo Gerolsteiner,
im Zentrum so viel Parkmöglichkeiten zu nehmen wäre fatal. Natürlich bin ich auch für mehr Grün und das die Leute lieber ihre Autos öfter mal zuhause lassen,dies ist aber leider nicht so. Es wäre überhaupt nicht mehr möglich genügend Möglichkeiten zum Parken zu verfügung zu stellen. Allerdings müssten sich die Leute dan schnell umstellen und das währe bestimmt nicht verkehrt!