Kö-Bogen-Wettbewerb: Einer blieb übrig

Habense mal 346 Mio für’n Kö-Bogen?

libeskind_koebogen.jpgIm wirklichen Leben ist es ja so, dass man ein Erbe ausschlagen kann. Eine Stadt, deren OB verstorben ist, kann sich gegen das, was dieser vermacht hat, nicht so einfach wehren. Eines der Lieblingsprojekte des ehemaligen Düsseldorfer OB Erwin war die Bebauung des mit voller euphemistischer Wucht so genannten “Kö-Bogens”. Aber er hatte sich das ganz anders vorgestellt, als es bis jetzt gelaufen ist – und versucht, seine Vorstellungen wie gewohnt gegen jeden Widerstand durchzupeitschen. Es geht nach wie vor darum, dass der Jan-Wellem-Platz zwischen dem südlichen Hofgarten, dem Nordende der Kö und der Fischerstraße komplett bebaut werden soll. Dazu hatte sich J.Erwin die Trinkaus-Bank ausgeguckt und alle Randbedingungen so gestaltet, dass das Unternehmen der HSBC-Bankengruppe den Zuschlag kriegen musste. Zum Glück waren die EU-Richtlinien dagegen, und so musste ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Nur fünf Kontrahenten wollten sich dem ursprünglich stellen. Aber dann ging’s wie bei den zehn kleinen Jägermeistern:

Zwei nichtgenannte Interessenten sprangen noch vor der Angabe der Unterlagen ab. Und dann verabschiedete sich auch die Trinkaus-Bank mit großem Genöle über die angeblich investorenfeindlichen Bedingungen. Klar, die von der Bank mit Erwins Segen geplante Verunstaltung des Geländes mit massiven hässlichen Klötze hätte keine Chance gehabt. Blieben nur noch zwei. Rechtzeitig zur Abgabe der Unterlagen rief dann auch noch die niederländische Bouwfonds (gehört zur Rabobank-Gruppe) den hiesigen Dezernenten Gregor Bonin an, um sich ebenfalls zurückzuziehen.

Da war’s dann nur noch einer: Eine Immobilienentwicklungs-Company namens “Die Developer” aus Düsseldorf hat kampflos gewonnen. Das bemerkenswert junge Unternehmen tritt mit dem Stararchitekten Daniel Libeskind an, der hierzulande vor allem für die Konzeption und den Bau des grandiosen jüdischen Museums in Berlin bekannt ist. Seine Beteiligung an der Planung zur Bebauung von Ground Zero in New York verlief dagegen eher unglücklich; obwohl er 2003 mit großem Applaus den Gestaltungswettbewerb gewann, kam er nicht zum Zuge, weil der Investor eher auf Geschossflächen als auf Ästhetik und Bedeutung setzt. Sicher zählt Libeskind zu den großen Architekten unserer Zeit, aber ein dem Kö-Bogen vergleichbares Projekt hat er in den vergangenen Jahrzehnten nie realisiert. Bekannt ist er vorwiegend für Museen, Gedenkstätten und andere Kulturbauten; nur das noch im Bau befindliche Fiera Milano ähnelt in seinen Rahmenbedingungen dem Düsseldorfer Projekt.

Aber die Düsseldorfer Bürger sollten sich nicht zu früh auf einen architektonische Sensation à la Gehrys Bauten im Medienhafen freuen, denn vor die Verwirklichung haben die Götter die Investition gestellt. Wer den Jan-Wellem-Platz bebauen will, muss der Stadt das Grundstück für 46 Millionen Euro abkaufen. Der Betrag selbst ist schon für die städtebaulichen Umbaumaßnahmen rund um die Gegend verplant. Erwin wollte den Autoverkehr unbedingt in Tunnel zwingen und vor allem die denkmalgeschützte Hochstraße zwischen Fischerstraße und Berliner Allee, allgemein “Tausendfüßler” genannt, abreißen lassen. Nicht nur dagegen wehren sich ganz unterschiedliche Gruppen in der Stadt. Auch die konkreten Planungen für den Ost-West-Tunnel, der zwischen Parkhotel und Kö-Kaufhof einen acht Meter tiefen Graben ziehen wird, und vor allem den Nord-Süd-Tunnel sind heftig umstritten. Geködert wurde das Stimmvieh mit der Legende vom Zusammenwachsen des Hofgartens; allein, der vom Ex-OB gewollte Tunnel würde auf halbem Wege enden und den Schnitt zwischen Landskrone und Grönem-Jong-Becken zementieren. Zum Glück sind in Sachen Unterführungen die letzten Sätze noch nicht gesprochen.
Wie gesagt: Erst Kohle, dann bauen. Der potenzielle Investor muss nicht nur das Grundstück kaufen, sondern mindestens 300 Millionen Euro in die Bebauung investieren. Macht tutto completto 346 Mio Euro in den Zeiten der Finanzkrise. Nun steht hinter dem Libeskind-Projekt die Zech-Group, ein altes Bauunternehmen mit einem weit verzweigten Unternehmensnetz. Diese Gruppe hat sich aber auch nocht wirklich überregional hervorgetan und zeichnet im Wesentlichen für Projekte in Hamburg und Bremen aus. Ob und wie die Zech-Group die Investitionssumme zusammenbekommen will, ist unklar. Unklar ist auch, wie der Bauherr nach der geplanten Fertigstellung, die am liebsten schon 2011 stattfinden soll, die Flächen in den Bauten vermarkten will. Wenn annähernd 95 Prozent der Geschossflächen als Büros und Läden vorgesehen sind, fragt man sich angesichts des gewaltigen Leerstands in der Stadt, wer sich da einmieten soll.

Es bleibt also spannend rund um den zur Zeit öden Jan-Wellem-Platz, der tatsächlich schleunigst verändert gehört, Ob es je zu einer Bebauung wie im Libeskind-Konzept vorgezeigt, kommt, steht in den Sternen. Und das ist auch gut so.


» Kommentar von Rainer Bartel am 15.01.09 um 22:41 » in Kategorien: Düsseldorf » 3,801 x gelesen » 4 x kommentiert
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  1. 2011 als Fertigstellungstermin ist absolut utopisch. Schließlich müßte bis dahin auch noch die Untertunnelung des Jan-Wellem-Platzes und somit auch der ganze übrige Tunnelwahnsinn erledigt sein. Das alles gehört dann zum zweiten Bauabschnitt, zu dem eigentlich noch ein Wettbewerb stattfinden soll. Außerdem, wenn der Jan-Wellem-Platz vor Fertigstellung der unsinnigen U-Bahn bebaut werden soll, dann müßte der vollständige Schienenverkehr in Richtung Altstadt bis zum Graf-Adolf-Platz gekappt und über die Berliner Allee umgelenkt werden. Na, das wird noch Beschwerden überraschter Bürger geben!
    Was den Abriß des denkmalgeschützten Tausendfüßlers angeht, befürchte ich, ein weiteres Erlahmen des Protestes. Man läßt ihn und seine Umgebung vorerst weiter verkommen, damit die Vertreter der “Schandfleckfraktion” leichtes Spiel haben. Außerdem kann sich Schmusebär Elbers ganz einfach darauf zurückziehen, daß der Abrißbeschluß längst gefallen sei. Überraschenderweise hört man auch nichts von der zuständigen Denkmalbehörde im Lande. Ob es da einen Deal gibt, von dem wir nichts wissen?

    [Antwort]

     
    Kommentar von deejay am 18.01.09 um 19:18
  2. [...] ins Gewicht. In Düsseldorf steht ein Großprojekt vor der Tür: Der so genannte “Kö-Bogen“. Es geht dabei um die Bebauung des Jan-Wellem-Platzes, einem innerstädtischen [...]

     
  3. [...] hierorts bereits vor zwei Wochen angesprochen, muss sich jeder wohlmeinende Düsseldorfer die Frage [...]

     
    Pingback von Rainer’sche Post » Zweifel an Zechbau am 28.01.09 um 11:08
  4. [...] als ob nichts wäre, könnte dies Düsseldorf eine städtbauliche Katastrophe – Bauruinen inklusive – [...]

     

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