Worringer Platz umbenennen - jetzt!

Initiative “Ein Platz für Erwin”

worringer_platz.jpgObwohl der große Oberbürgermeister dieser Stadt, der nimmermüde Joachim Erwin, in seinem Testament ausdrücklich verfügt hat, die Stadt solle sich keine Gedanken darüber machen, eine Straße, einen Platz oder eine Hausnummer (hä?) nach ihm zu benennen, hat die ebenso nimmermüde Erwinista kurz nach dessen Dahinscheiden alle Hebel in Bewegung gesetzt, den großen Sohn Stadtrhodas durch die Benennung eines markanten Teils Düsseldorfs zu ehren. In schier unglaublicher Verwirrung fiel die Wahl von Hofschranzen und Klüngel auf die Brücke im Norden, die als Anfang einer Autobahnschneise durch Naturschutzgebiet und die Fleckgemeinde Meerbusch dient. Dabei muss der Mann, der Düsseldorf eigenhändig entschuldet hat, doch unbedingt im Herzen der Stadt geehrt werden. Was läge da näher, als den Worringer Platz, den Joachim Erwin persönlich hat wohnlich machen lassen, nach ihm zu benennen?

Dies forderte bereits vor einiger Zeit ein einsamer Leserbriefschreiber in seiner Zuschrift an die Rheinische Post. Leider verhallte seine Petition so gut wie ungehört. Nun wird dieser Tage ein breites Bündnis aufrechter und dankbarere Düsseldorfer Bürger die Initiative ergreifen und die rasche Umbenennung des Worringer Platzes in Joachim-Erwin-Platz vorantreiben. Geplant sind Straßenfeste, Unterschriftensammlungen und Eingaben an den Rat der Stadt. Bereits jetzt kursieren unter der Hand Papiere mit den Argumenten der Initiatoren. Der Rainer’schen Post gelang es, Einblick in diese Dokumente zu nehmen. Hier die wichtigsten Punkte:

“Wir alle wissen, dass Oberbürgermeister Joachim Erwin das Wohl aller Bürger der Stadt am Herzen lag. Wir wissen weiterhin, dass er unermüdlich bemüht war, die Stadt zu entschulden und so den Weg frei zu machen für Investitionen, deren Ertrag letztlich uns allen zugute kommen sollte. So entstand eine Reihe bemerkenswerter Bauten wie die architektonisch optimal gelungene Mehrzweckarena, das Schmuckkästchen namens ‘Düsseldorf Arkaden‘, der gemütliche Dome in Rath und die Mehrzweckhalle auf dem Gelände der Freien Christlichen Schule – allesamt Einrichtungen, die nicht nur Stadtbild schmücken, sondern von vornherein auf einen profitablen Betrieb ausgerichtet waren. Leider hat das Versagen vieler Zurückgebliebener die Pläne des OB zunichte gemacht. Natürlich konnte Joachim Erwin nicht absehen, dass die Arena über Jahre ein Zuschussbetrieb bleiben würde oder dass das Einkaufszentrum am Bilker Bahnhof von der undankbaren Bevölkerung nicht angenommen würde. Auch die mangelhafte Verkehrsanbindung der DEG-Spielstätte hat er nicht zu verantworten. Dies wird die Geschichte einst erweisen. Aber Joachim Erwin war auch besorgt um die Sicherheit und das ästhetische Empfinden seiner Bevölkerung. Darüber legen zahlreiche Verschönerungsmaßnahmen Zeugnis ab. Man denke nur an den Lichtmasterplan, seit dessen Umsetzung die Stadt Nacht für Nacht verschiedenfarbig glimmt. Das Projekt aber, bei dem der OB seine Vorstellungen in besonders großem Maße hat realisieren können, ist mit Sicherheit der Worringer Platz. In den Jahrzehnten der sozialdemokratischen Regierung der Stadt verkam dieses Herzstück immer mehr zum Schandfleck. Hier trafen sich in Dreck und Müll und schlechter Beleuchtung die Säufer und Fixer, die trotz aller Bemühungen Erwins das schöne Düsseldorf und seine Bürger mit ihrer Existenz belästigten. Mit einem Volumen von lediglich 1,2 Millionen Euro ließ er nach einem ambitionierten Konzept aus dem Treffpunkt der störenden Elementen eine Oase formen. Bequeme Bänke aus transparenten Material laden zum Verweilen ein, zwei Pavillons bieten Speis, Trank und Gemüse, und das grüne Pflaster sorgt für die Illusion einer frischen Wiese. Mehr noch: Des Nachts wird der Platz farbig illuminiert. Das Licht gibt den flanierenden Bürger Sicherheit und sorgt für ein angenehmes Ambiente. Keine Frage: Der Worringer Platz ist die größte städtebauliche Tat des verstorbenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin. Wir Bürger der Stadt fordern deshalb: Umbenennung des Worringer Platzes in Joachim-Erwin-Platz – jetzt!”

Dem ist wenig hinzuzufügen. Die Rainer’sche Post wird über diese lobenswerte Initiative weiter berichten.

[Foto: Richard "ar/gee" Gleim via gnogongo]


» Satire von Rainer Bartel am 25.02.09 um 12:58 » in Kategorien: Düsseldorf » 1.120 x gelesen » 3 x kommentiert
» Schlagworte: , , , , , , , , ,   

  1. Gerne würde ich dieser Inititative meine Unterstützung anbieten. Allerdings unter einer Bedingungung: Niemand darf verändernde Hand an diesen diesen wunderschönen Ort Düsseldorfer Platzkultur anlegen und wenn doch, sei es auch nur aufgrund eines vermeitlich weiteren Verschönerungsdenken, dann sollte der Platz unbedingt wieder Worringer Platz heißen.

    Wenn obige Initiative mißlingt, hätte ich noch den in seiner Schlichteit glänzenden arkadianischen Hain vor dem Einkaufszsentrum in Bilk vorzuschlagen. Dieser könnte in Nutzung und in seinem international touristisch interessanten Flair dem Worringer Platz bald den Ruhm streitig machen. Ach diesen Platz könnte man nach dem Großen Vordenker der urbanen Lebensqualität bennennen.

    Ach was, noch viel besser: Wir benenen den Jan-Wellem-Platz in Erwin-Platz um, bauen ein Haus drauf und weg ist er, der Platz… und der Name auch.

    PS: Man stelle sich einmal vor: Da ist eine Frau in selbstmörderischer Mission von der Flughafenbrücke gesprungen. Wie hätten unserer CDU wohl die Schlagzeile gefallen? “Lebensmüde Frau springt von Erwin-Brücke!”

     
    Kommentar von deejay am 27.02.09 um 18:09
  2. [...] Jahr verschiedenen OB. Hiermit plädiere ich erneut dafür, den Worringer Platz in Joachim-Erwin-Platz umzutaufen. Denn für diesen ehemaligen Schandfleck der Stadt hat Joachim Erwin wahrhaft [...]

     
  3. [...] Weg frei für die einzig sinnvolle Umbennenung. Ich plädiere also erneut dafür, den Worringer Platz nach Erwin zu benennen, denn die Umgestaltung des ewigen Schandflecks der Stadt ist die wahre [...]

     

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL

Sie müssen eingelogged sein um kommentieren zu können.

blogoscoop