Bilker Arcaden im Abwind

[Upd.] Jetzt rappelt’s im Karton

arcaden_oeffnung.jpgUpdate: Die Arcaden-Betreiber machen fröhlich weiter Reklame für lange Öffnungszeiten; gesehen in der Bahnunterführung an der Oberbilker Allee am 11.01.09 (Klick aufs Bild macht groß).

Die Geschichte der Entstehung dieses Shopping-Centers ist auch eine Geschichte von Lüge und Mauschelei, wenn auch im relativ kleinen Maßstab – verglichen mit anderen Skandalen der Erwin-Ära. Das für gewisse Verfahren bei der Finanzierung und dem Betrieb von solchen Einkaufszentren bekannte Unternehmen mfi hatte versucht, mehr Verkaufsfläche in den Kasten zu erbringen als vom Stadtrat genehmigt. Die FDP-Ratstante Strack-Zimmermann hat dies im Sommer 2006 eindrucksvoll mit ihrem inzwischen legendären Schuhkartonexperiment belegt. Nun stellt sich heraus, dass man ruhig hätte noch mehr Verkaufsfläche einbauen können – denn auch die wäre montags bis donnerstags um 20:00 geschlossen worden. In diesen Tagen rumort es zwischen der Betreibergesellschaft mfi (die einst Invvestor war, dann aber klammheimlich die Mehrheit der Anteile an einen kanadischen Investor vertickt hat) und den Ladenbesitzer bzw. Ladenmanagern.

Die mfi hat mit dem bescheuerten Slogan “Shopping-Spaß pur (fast) rund um die Uhr” suggeriert, der geneigte Konsumist könne in den Arcaden länger einkaufen als sonstwo in der Stadt, was noch nie gestimmt hat. Um dieses Versprechen einzulösen, hat die Betreibergesellschaft die Läden vetraglich verpflichtet, jeden Tag bis 21:30 geöffnet zu bleiben. Tatsächlich aber – und das war bereits ab der dritten Woche nach der Eröffnung zu besichtigen – kaufte kaum ein Schwein nach 20:00 im ungemütlichen, schlecht beleuchteten und klimatisierten Kasten ein. Nun hat die mfi beschlossen, die Mall nur noch freitags und samstags bis halb zehn offen zu halten – sagt das Centermanagement und lügt. Der Ladenvirturner von H&M hat es der RP erzählt: Die Veränderung der Öffnungszeiten basiert auf dem Vorschlag der Mieter, die damit dem Beispiel von H&M und Media Markt folgen, die wiederum keine Klausel über die Öffnungszeit im Vertrag haben.

Es rappelt also im Karton, und die Betreibergesellschaft versucht Verstecken zu spielen. Das aus einem guten Grund: Die Öffentlichkeit soll nicht erfahren, dass die Geschäfte in den Arcaden nicht wirklich gut laufen. Dabei kann jedes Mitglied der Öffentlichkeit sich vom Misserfolg des Centers per Augenschein überzeugen. Selbst in der konsumistischen Vorweihnachtszeit konnte der interessierte Shopper jeden Tag zu jeder Zeit auf einen freien Platz im Parkhaus hoffen und musste sich drinnen nirgendwo irgendwelchem Gedränge ergeben. Die Bude war beispielsweise am 09.12.08, einem Dienstag, gegen 14:00 so leer, dass der Einkauf eines Notebooks samt Zubehör von der Einfahrt ins Parkhaus bis zum Auschecken dort nachweisbar (Parkschein!) in weniger als 20 Minuten zu bewerkstelligen war. Der Erwerb eines Buches am 16.12.09 gegen Mittag bei Thalia dauerte sogar nur zwölf Minuten – allerdings kamen rund fünfzehn Minuten hinzu, weil einer der Automaten im Parkhaus kaputt war. Selbst am letzten Samstag vor Weihnachten (20.12.09) war es um 11:00 kein Problem, zu parken, den Karton zu betreten, drei Läden abzuklappern und einzukaufen, ohne irgendwo Schlange stehen zu müssen.
Nein, die Kiste läuft nicht gut. Schön zu beobachten auch am ALDI, das schön versteckt, aber nah am Parkhaus vor sich hin dümpelt. Für diese wenig angenommene Niederlassung wurde übrigens die Filiale am Fürstenplatz aufgegeben, die besonders bei älteren Käufern beliebt, weil füßläufig zu erreichen war.

Dass die Arcaden nicht einmal so gut laufen wie das gegenüberliegende Ramschkaufhaus Real,- lässt sich durch schlichtes Zählen geparkter Autos belegen. Und das Management dieses Real,-s hat sich vorher fast in die Hosen gemacht vor Angst. Auch die Einzelhändler rund um Friedrichstraße und Kirchplatz zeigen inzwischen Gelassenheit, weil ihnen die Arcaden nicht einen Cent Umsatzeinbuße gebracht haben. So erweist sich das vom verstorbenen OB Erwin mit großer Vehemenz durchgepeitschte Projekt, für das er sich mit dem gesamten Einzelhandel der Stadt angelegt hat, als weiterer Flop in der Bilanz des großen Machers, nach dem man sogar eine Brücke benennen will. Wie hat es ein Leserbriefschreiber in der RP so schön ausgedrückt: “Dönerbude, Erotik Kino, Handyshop, Sonnenstudio Seite an Seite. Das ”Premium Angebot” hat sich bis dahin dann heimlich durch die Hintertür verabschiedet. Und die flammenden Befürworter von einst sind dann jene, die am lautesten jammern. Wie immer, wenn Ignoranz der Wahrheit weichen muss …”.


» Bericht von Rainer Bartel am 11.01.09 um 19:50 » in Kategorien: Düsseldorf » 1.396 x gelesen » 3 x kommentiert
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  1. Wegen einer Veranstaltung im dortigen Bürgersaal habe ich mir diesen Konsumklotz kurz vor Weihnachten dann doch mal bisschen angeguckt. Mein Bauchgefühl sagt mir, das Ding ist ein Flop, wenn dort eine Woche vor Weihnachten nicht mehr los ist als die paar Hanseln, die da rumschlurften.

     
    Kommentar von mark793 am 10.01.09 um 16:20
  2. [...] wie die architektonisch optimal gelungene Mehrzweckarena, das Schmuckkästchen namens ‘Düsseldorf Arkaden‘, der gemütliche Dome in Rath und die Mehrzweckhalle auf dem Gelände der Freien [...]

     
  3. [...] als sie dem OB Erwin anschaulich vorführte, dass er in Sachen Bilker Arkaden (heute “Düsseldorf Arcaden“) die Lügen der Bauherren deckte. An der Erwin’schen Gewaltaktion, durch die die [...]

     

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