Städtebauliche Katastrophe
Wer heute durch Düsseldorfs Straßen flaniert und dabei einen Blick auf die Verkaufskästen der BILD-Zeitung wirft, könnte schockiert sein: Das Blatt wirbt mit der Headline “Wird der Kö-Bogen nie gebaut?” Damit sprechen die BILD-Macher aus, was viele Beobachter seit dem vergangenen Freitag bereits annehmen. Die Tatsache, dass der vom verstorbenen OB Joachim Erwin favorisierte Investor, die Trinkaus-Bank, seine Bewerbung zurückgezogen hat, wird von Kenner der Lokalpolitik als klares Zeichen gewertet, dass das Projekt in der jetzigen Form gestorben ist. Die Begründung des zum HSBC-Konzern gehörenden Finanzinstituts spricht Bände. Denn die Verantwortlichen beklagen, dass die Bedingungen von der Stadt erheblich zu Lasten eines Bauherrn gesetzt wurden. Das hörte sich vor gut einem Jahr noch anders an. Damals wollte Erwin auf bekannte Weise die Bebauung des Jan-Wellem-Platzes durch Trinkaus durchpeitschen – von ungünstigen Bedingungen war seitens der Bank damals nichts zu hören.
Wer das Gebaren des OB und seiner Erwinista über die Jahre beobachtet hatte, dem war klar, dass das gesamte Projekt bereits im Vorfeld zwischen Erwin und seinen Schranzen auf der einen Seite und den Honoratioren der Bank abgesprochen war und der städtebauliche Wettbewerb sowie der Verkauf des Grundstücks an Trinkaus per Mauschelei erledigt werden sollte.
Mit großem Aufwand ließ Erwin eine 3D-Animation der Bebauung zwischen Hofgarten und Königsallee erstellen und – nachdem sich erster Widerstand regte – ein informelle Bürgerabstimmung organisieren. Dabei konnte das Stimmvieh sich aber nur zwischen verschieden schlimmen Fassadenentwürfen entscheiden. Deshalb bildete sich eine Initiative, die per Bürgerentscheid für einen Bürgerbeteiligung bei der Planung sorgen wollte. Am 13.04.2008 scheiterte dieser Bürgerentscheid, und die Erwinista wähnte alle Hindernisse aus dem Weg geräumt.
Dann aber stellte sich heraus, dass für ein Projekt dieser Grüße qua EU-Richtlinien ein internationaler Wettbewerb auszuschreiben sei. Einsendeschluss war der vergangene Freitag. Bereist Tage zuvor zeigte sich Neu-OB Elbers enttäuscht darüber, dass nur fünf Konsortien teilnehmen würden. Aber bis Ende vergangener Woche sprangen zwei der Bewerber ab, und die Trinkaus-Bank gab ihren Verzicht erst Stunden vor dem Annahmeschluss bekannt.
Nun sind noch zwei Gruppen im Rennen: die Bouwfonds MAB Development mit dem Architekten Jürgen Meyer und „Die Developer“ mit dem Star-Architekten Daniel Libeskind.
Die Bewerber
Die niederländische Bouwfonds NV ist die Immobilientochter der Rabobank, einem genossenschaftlichen Verbund verschiedener niederländischer Banken, die nach dem Raiffeisen-Prinzip wirtschaften. Bouwfonds selbst enstand 1946 aus einer ebenfalls genossenschaftlich organisierten Bausparkasse. Mutter- und Tochterunternehmen gelten als solide bis konservativ. In Deutschland sind die Bouwfonds seit einigen Jahren im Bereich Wohnimmobilien tätig; in Düsseldorf realisierte das Unternehmen u.a. die Wohnbebauung an der Bilker Vlattenstraße. Die Bouwfonds sind in Deutschland an verschiedenen städtebaulichen Projekten – u.a. in Frankfurt und Nürnberg – beteiligt.
Durch die Zugehörigkeit zur Rabo-Gruppe scheint die Bouwfonds in der Lage, die finanziellen Voraussetzungen erfüllen zu können. Weder die Bauplanung, noch das Nutzungskonzept sind zurzeit öffentlich zugänglich.
Für Aufsehen sorgte das Planungsbüro “Die Developer” des Ex-Strabag-Mannes Mühling. Der konnte nämlich den Stararchitekten Daniel Libeskind für das Projekt gewinnen. Die Developer haben allerdings im Gegensatz zum letzten verbliebenen Konkurrenten keine vergleichbaren Referenzprojekte vorzuweisen. Zudem sind die Details von Finanzierung und Nutzung noch völlig unbekannt.
Das Grundproblem
Bereits vor einigen Monaten hat die Initiative “Forum Kö-Bogen” insgesamt sieben Hochschulen zu einem offenen Ideenwettbewerb eingeladen. Natürlich wichen die eingereichten Vorschläge deutlich von dem ab, was sich die Erwinista vorgestellt hat: Anstelle massiver Bauklötze sahen die Studenten erweiterte Wasserflächen und einen in die Stadt wachsenden Hofgarten vor.
Dem Durchpeitschprojekt des Ex-OB Erwin lag die Idee zugrunde, durch den Verkauf des absoluten Filetstücks der Stadt eine große städtebauliche Lösung für das gesamte Areal zwischen Johanneskirche, Schauspielhaus, Schadowstraße, Kö und Heinrich-Heine-Allee zu realisieren. Kernstück der Idee ist die weitreichende Untertunnelung des Gebiets. So sollen sowohl die Ost-West-, als auch die Nord-Süd-Verbindungen für den Autoverkehr unterirdisch verlegt werden. Damit soll endlich die unschöne Trennung von Hofgarten und Corneliusplatz am Ende der Kö aufgehoben werden. Die von der Stadt für das Grundstück auf dem Jan-Wellem-Platz geforderte Summe soll zum Bau der Tunnel dienen.
Dass sich eine Investitionen in der Größenordnung von mindestens 160 Millionen Euro für einen Investor nur dann lohnt, wenn ordentlich Büro- und Ladenflächen gebaut werden, kann jedes Milchmädchen errechnen. Der Bau von mindestens siebengeschossigen, die Freifläche füllenden Baumassen scheint so unvermeidlich. Dass es auch etwas ästhetischer geht, hat Architekt Ingenhoven seinerzeit mit seinem ersten städtbaulichen Entwurf bewiesen, der aber nicht die Zustimmung des Wunschinvestors Trinkaus fand.
So stehen auch nach dem Desaster des Wettbewerbs zwei sich widerstreitende Interessen gegeneinander: Der Zwang des Investors zu maximaler Baukörpergröße und der Wunsch der Düsseldorfer Bürger nach einem wahren Zusammenwachsen von Kö und Hofgarten mit bürgerfreundlicher Bebauung. Ein Kompromiss – so die Forderung verschiedener Gruppen – kann nur in Form eines neuen, offenen Ideenwettbewerbs gefunden werden.
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is doch gut so.
der kö-bogen, den niemand braucht, wird nit jebaut, basta!
wat sollet denn mit büroräumen, wo man jetzt schon reichlich unvermietbare objekte hat. mal die leute von rdm fragen.
wer spricht eigentlich davon, dass trinkaus, das altehrwürdige düssseldorfer traditionsunternehmen seit jahren den chinesen gehört?
Wers nich glaubt, solle sich informieren. am besten direkt bei der bank selbst.
tschö panzerfrank
[Antwort]
[...] nichtgenannte Interessenten sprangen noch vor der Angabe der Unterlagen ab. Und dann verabschiedete sich auch die Trinkaus-Bank mit großem Genöle über die angeblich investorenfeindlichen Bedingungen. Klar, die [...]