Gartenbauer runinieren Grünanlage
Landschaftspflege mit der Kettensäge
Zwischen dem Hennekamp und der Erasmusstraße in Bilk verläuft ein Stück der südlichen Düssel. Es beginnt mit einer steinernen Brücke an der stark befahrenen Durchgangsstraße und endet an einer identischen Brücke am TuRU-Platz. Auf der nördlichen Seite begleitet ein Weg den Bach, der durch eine gut zweieinhalb Meter hohe Böschung von der Feuerbachstraße getrennt ist. Dies ist ein beliebter Spazierweg, der leider auch gern als Fahrradweg missbraucht wird. Dort gehe ich fast täglich mit dem Hund. Dort aber bin ich auch aufgewachsen. Meine ersten zehn Lebensjahre habe ich an der Corneliusstraße verbracht, und die Düssel war unser Abenteuerspielplatz. Kürzlich berichtete ich von einem umgestürzten Baum. Nun hat man dessen Gegenüber, eine stolze Buche von mindestens 67 Lebensjahren gefällt. Wie sich herausstellt, war das nicht nötig, sondern ein Akt der Faulheit.
Tatsächlich hatten die größeren Bäume in den vergangenen sechs Jahren bei Stürmen den einen oder anderen Ast abgeworfen. Dabei fielen auch oberschenkeldicke Stücke von zwei, drei Meter Länge auf den Weg. Die hätten einen Spaziergänger erschlagen können. Das ist korrekt. Deshalb war es vermutlich eine Sicherheitsmaßnahme, dass gerade die großen Buchen in letzter Zeit massiv gestutzt wurden. Trotzdem behaupte ich, dass die alten Stämme in sich kerngesund waren. Das Opfer des letzten Sturms war nicht abgebrochen, sondern mitsamt dem Wurzelwerk umgestürzt. Dieser Tage sah ich den Lkw eines Garten- und Landschaftsbautriebs auf dem Parkplatz am TuRU-Platz. Von einer Plattform aus sägte ein Arbeiter die dicken Äste der letzten großen Buche ab.
Ich sprach einen der Männer an: “Ihr werdet den Baum doch nicht etwa fällen?” Er zögerte und sagte dann: “Doch, der kommt weg?” Ich: “Aber warum?” Er sah sich um. “Hören Sie, ich versteh das auch nicht. Schätze, das war denen zuviel Arbeit, jedes Jahr die Äste zu schneiden.” Mit anderen Worten: Der Kollege meint, der Auftraggeber der Aktion, das Gartenamt der Stadt Düsseldorf, hat die Fällung angeordnet, um Pflegekosten zu sparen. Wenn das stimmt, dann ist das ein Skandal.
Es würde aber ins Bild passen. Denn einige Mitarbeiter des Gartenamts verhalten sich nicht so, als läge ihnen der Zustand dieses Stücks Düssel am Herzen. Besonders aufällig ist das, wenn die orange-farbigen Pritschenwagen des Gartenamts den Fußweg entlang fahren. Sie tun dies nicht, weil dort irgendwas zu erledigen wäre, sondern, weil’s eine schöne Abkürzung ist: Man biegt am TuRU-Platz auf den Pfad ein, und kommt an der Erasmusstraße wieder raus. So spart man sich den dichten Verkehr auf dem Hennekamp sowie per saldo sechs Ampeln. Die Folge der Faulheit sind Beschädigungen am Weg. Wenn es geregnet hat und der Pfad aufgeweicht ist, sorgen die Wagen für tiefe Fahrrinnen, die voll Wasser laufen. Tatsächlich sind so einige Bereiche des Fußwegs bei Regen nicht mehr passierbar.
Auch die vom Gartenamt beauftragten Dienstleister ergeben sich zunehmend dem Schlendrian. Zugegeben: Eine Böschung sachgemäß zu pflegen, ist aufwändige Handarbeit. Bis vor zwei Jahren wurden diese Arbeiten aber tatsächlich von Arbeitern mit Motorsicheln, Rechen und Besen erledigt. Aber im vergangenen Spätsommer beschloss irgendwer, die Sache mit schwerem Gerät zu erledigen. So karriolte ein schwerer Motormäher über die Böschung und vernichtete alles mit Stumpf und Stiel. Die Folgen sind deutlich sichtbar. In einigen Bereichen ist die Böschung bis tief in die Grasnarbe aufgerissen. Ob da dieses Jahr was wachsen wird, ist fraglich.
Als Düsseldorfer Bürger fragt man sich, welche Strategie hinter dieser Art Landschaftspflege mit der Kettensäge steckt. Und ob sich diese brachiale Behandlung auch auf andere Grünanlagen erstreckt. Im Südpark, wo das Gartenamt sich raushält und die Pflege der Werkstatt für angepasste Arbeit überantwortet wurde, sieht das ganz anders aus. Da werken engagierte Menschen mit großer Sorgfalt am Grün der Stadt.
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
|
Trackback-URL
Man könnte allerdings auch vermuten, dass diese Art von Grün”pflege” nicht zufällig in Bilk (Igitt!) stattfindet…
Der gesamte Düsseldorfer Süden ist doch mindestens seit 1999 das ekelige Stiefkind, das man nur ungern vorzeigt.
Man stelle sich eine solche Aktion mal in Kalkum, Wittlaer, Derendorf oder einer anderen Perle des Düsseldorfer Nordens vor!
Ich warte nur darauf, wann die Kölner Landstraße dauerhaft gesperrt wird und die U 74/ U 77 nur noch einmal pro Stunde in Richtung Süden (Bah! Pfui! Prollvolk!)und zurück verkehren – dann muss das schmuddelige Volk endlich in seinen Nissenhütten bleiben und macht nicht mehr den Business-High-tech-Mode-Norden der Stadt mit seinen Dreckspfoten unsicher…
Bisschen polemisch?
Vielleicht…aber manchmal kommt man sich als Bewohner des südlichen Teils unserer Stadt ja wirklich so vor.
Tommy
[Antwort]
Hallo Rainer,
das ist wohl keine Buche sondern eine Pappel.
Und wenn dem so ist, dann lässt sich das harmloser erklären. Nach dem Krieg wurden in der Stadt unzählige Pappeln (ich meine, es seien Populus canadensis ‘Robusta’ gewesen) gepflanzt. So eine Pappel wächst schnell und bringt bald ordentlich Grün. Das war seinerzeit aus der Not geboren. Heute würde man das nicht mehr machen, denn diese Pappeln werde nicht alt, außerdem leiden sie stark unter Windbruch, was, wie Du richtig siehst, gefährlich ist. Viele dieser Pappeln beginnen jetzt, von innen her zu faulen. Das Gartenamt geht nun hin und fällt diese Bäume auch bevor sie lebensgefährlich werden und z.B. samt Wurzel umkippen. Es sollen neue, bessere Bäume gepflanzt werden. Je früher, umso besser.
Ob das alles so gemacht wird und jede Entscheidung richtig ist, mag ich nicht zu beurteilen. Die Mitarbeiter nicht richtig zu informieren, ist allerdings ein ernsthaftes Manko. So en Mitarbeiter sollte schon wissen, was er weshalb macht. Anders ist sinnvolle und überzeugte Arbeit nicht möglich. Aber das trifft nicht nur auf das Gartenamt zu.
[Antwort]
Oha, richie, wenn das so ist, dann muss ich wohl doch noch mal einen Baumerkennungskurs machen. Danke für die Aufklärung. Entschuldigung für den Fehler.
[Antwort]
Solche Radikal-Abholzungsmaßnahmen fallen mir in den letzten Tagen an mehreren Stellen in und um Düsseldorf auf. Rund um den “Uni-See” auf dem Campus der HHU sowie rund um den P+R-Parkplatz Haus Meer in Meerbusch wurden sämtliche Bäume gefällt.
Allerdings könnte beides natürlich auch mit geplanten Baumaßnahmen zu tun haben. Zumindest im Falle der Uni ist ein Neubau der Wirtschaftswissenschaften geplant. Eventuell war das schon eine Vorbereitungs-Maßnahme dafür. Oder aber die Gartenämter gehen jetzt tatsächlich radikaler mit sturmgefährdeten Bäumen um…
[Antwort]
[...] Jungbäumen an der Düssel zwischen Hennekamp und Erasmusstraße direkte Reaktion auf diesen Artikel ist, darf bezweifelt werden. Denn selbst wenn die Leute vom Gartenamt es gelesen haben, würden [...]