Zwischen Rheinstadion und Kaiserswerth

Lohauser Deich

Folge 9 von 22 in Schöne Plätze

lohauser_deichAls vor etwas mehr als fünf Jahren Pina zu uns kam, dachten wir natürlich, man müsse dem Hund genügen Auslauf und vor allem Abwechslung bieten. Das ist ja im Prinzip auch richtig und gehört zur artgerechten Hundehaltung. Da hatten wir uns als einen der ersten Spazierwege das Gelände unterhalb des Lohauser Deichs ausgeguckt. Pina ist bekanntlich ein Galgo, also ein spanischer Windhund. Diese Sorte wird seit einigen Hundert Jahren nur zu einem Zweck gezüchtet: der Hasenjagd. Was das Vorhandensein eines so durch Zuchtwahl verstärkten Jagdtriebs in der Praxis bedeutet, war uns bis dahin unklar. Wir leinten die Töle ab, die das prima fand und heftig rumschnüffelte. Nun ist der Weg anfangs unproblematisch: links fließt der Rhein, rechts befindet sich ein Zaun, der die Wassergewinnungsböschung (ja, so heißt das…) begrenzt. Unser Schnellköter konnte als frei laufen, ohne abhauen zu können. Leider endet der Zaun irgendwann, und genau an dieser Stelle wurde Pina vom Trieb ergriffen. Kurz und gut: Sie verfolgte diverse echte und/oder imaginierte Kaninchen, die Böschung hoch, über den Deich und wieder runter, in ein abgezäuntes Gelände, durch dieses hindurch bis zu einem Feldweg, den sie überquerte weil da ein Feld lockte.

Stromkilometer 749

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Dieser Stromkilometer steht unterhalb des Parkplatzes.

Vom Deich aus sahen wir also in der Ferne, fast schon an der Flughafenbrücke unseren neuen Hund und waren uns sicher, dass es das gewesen sein müsste. Dass wir Pina nie wieder finden würden. Und so weiter. Tatsächlich trafen wir sie dann an einem Gebüsch etwa fünfzehn Gehminuten entfernt vom Rheinufer. Sie hechelte vor Erschöpfung und zog dabei ein Gesicht, wie es nur erschöpfte Windhunde ziehen können. Wir zogen allerdings eine Lehre aus dem Vorfall. Nämlich dass der Hund ausgebildet werden müsse. Um ehrlich zu sein: Einen Windhund, den der Jagdtrieb beißt, ruft der beste Hundehalter nicht mehr ab. Sieht der Köter ein rennendes Kaninchen, kippt in dessen Erbsenhirn ein Schalter um, aus dem friedlichen Jekyll wird ein moderlüsterner Hyde. Ja, das ist eine völlige Persönlichkeitsverwandlung. Also kann man dem Tierchen nur beibringen, VORHER zum Herrchen resp. Frauchen zu kommen, wenn die das wünschen. Und um erneut ehrlich zu sein: Pina ist in den folgenden Jahren noch acht-, neun-, zehnmal abgehauen. Aber immer von selbst zurückgekommen – ist das nichts?
Tatsächlich haben wir uns angewöhnt, dem Hund das Jagen in Gegenden zu erlauben, wo sie sich auskennt (und wir auch), wo es wirklich nur Kaninchen gibt (und keine geschützten Arten) und wo sie nicht versehentlich auf eine Autobahn oder Eisenbahnstrecke rennen kann. Inzwischen zählt das Gelände am Wasserwerk dazu. Sie weiß mittlerweile, dass jeder Versuch, in Richtung Deich zu jagen, durch Befehle unterbunden werden und versucht es nicht einmal mehr. Okay, sie ist mit ihren mindestens sechs Jahren jetzt auch aus dem wilden Windhundalter raus…

Voll der Niederrhein
Aber auch ohne Hund eignet sich die Gegend für nette Spaziergänge und sonstige Freiluftaktivitäten. Ausgangspunkt ist jeweils der Parkplatz Am Staad. Mit dem Auto erreicht man den einfach, indem aus der Innenstadt kommend schnellstmöglich zum Rhein runter fährt und dann immergeradeaus in Richtung Messe und Rheinstadion. Apropos: Ich weigere mich konstant, diesen eckigen Kasten, der mehr einer Messehalle denn einem Fußballstadion ähnelt, “Arena” zu nennen. An dieser Stelle stand das wunderschöne (wenn auch zugige) Rheinstadion, deshalb wird das Ding eben auch immer Rheinstadionn heißen – egal welche Firma gerade Kohle genug hat, ihren Namen dranzuschreiben!
Der Parkplatz beginnt an der Einmündung zur Rotterdamer Straße und zieht sich zweihundert Meter die Straße Am Staad entlang. Wochentags wird man hier immer ein Plätzchen fürs Autochen finden; an Wochenenden kann das, je nach Wetter, sehr, sehr schwer werden. Aber auch öffentlich-rechtlich ist diese schöne Stelle bequem zu erreichen. Die U78 braucht vom Hauptbahnhof bis zur Endhaltestelle Messe/Arena kaum mehr als eine Viertelstunde. Man steigt aus und klettert die Stufen hoch zur Südplattform. Da findet sich bei Spielen der wunderbaren Fortuna der Einlass. Nun klettert man aber gleich wieder runter und wendet sich in Richtung Rhein. Die Rotterdamer Straße, die hier nur noch Zufahrt zu den großen Meseeparkplätzen nördlich ist, überquert man auf Höhe des Kreisverkehrs. Den schmückt der Speerwerfer, der im alten Rheinstadion früher unter der Anzeigetafel stand.

Vom Parkplatz aus führt eine Fahrstraße runter an den Fluss. Wendet man sich nach rechts, gelangt man an die Stelle, wo diese Straße im Rhein versinkt. Tatsächlich handelt es sich um einen von insgesamt drei Panzerrampen im Düsseldorfer Süden. Sie waren (und/oder sind immer noch…) dazu gedacht, dass Panzer den Fluss auf dessen Grund durchfahren – das spart Brücken. Kurz vor der Rampe beginnt rechterhand der Spazierweg. Wie gesagt: Für zwei-, dreihundert Meter ist dieser zur Rechten abgezäunt. Denn oberhalb arbeitet das Wasserwerk Am Staad, das Sickerwasser aus dem Rhein gewinnt und aufbereitet. Dazu später mehr.
Links fließt der Rhein, und der Blick fällt dauernd auf eine typische Niederrheinlandschaft. Rein geografisch betrachtet weiß niemand genau, wo die Landschaft, die man “Niederrhein” nennt, beginnt. Offiziell gehört das gesamte Rheinufer auf Düsseldorfer Seite und auch das Neusser Ufer schon dazu. Aber ich bin der Ansicht, dass sich die Landschaft im Süden der Stadt – zum Beispiel in der Urdenbacher Kämpe oder auch auf der Ölganginsel – deutlich von der unterscheidet, die man in Lörick oder eben am Lohauser Deich findet. Deshalb gilt für mich die Faustregel: Der Niederrhein beginnt linksrheinisch am Löricker Yachthafen und rechtsrheinisch genau hier am Wasserwerk.

Buchten und Strände
Der Startpunkt liegt genau bei Stromkilometer 749. Ein Spaziergang ist skalierbar. Die kurze Variante besteht darin, bis zum Stromkilometer 751 zu wandern und dann umzukehren. Das bietet sich an, wenn man zwischendurch die vielen kleinen Buchten inspizieren möchte, die je nach Wasserstand mit feinen Strändchen versehen sind. In den Sommermonaten lassen sich hier prima Picknicks abhalten. Leider hat die Unsitte des Grillens im öffentlichen Raum auch auf diese Gegend übergegriffen, sodass an Freitag- und Samstagabenden bei schönem Wetter keine Bucht mehr frei ist und alles nach verbranntem Fleisch und billigem Alkohol stinkt. Leider sieht das Gelände nach solchen Nächten auch entsprechend scheiße aus…
Ansonsten kann man die Füße mit dem wunderbaren Rheinwasser benetzen oder – wenn der Fluss sich aufgewärmt hat – sogar darin baden. Vom Schwimmen ist generell abzuraten, denn die Strömung innerhalb der Buchten ist unberechenbar. Deshalb ist es dringend empfehlenswert, nie weiter ins Wasser zu waten als bis zu dem Punkt, wo man noch Sand unter den Füßen spürt.

Die Perlenkette der Buchten zieht sich allerdings nur etwa über anderthalb Kilometer hin. Später besteht das Ufer aus Kieselböschungen, die mal mehr, mal weniger gut zu betreten sind. Wo das Wasserwerksgelände endet, beginnen die Wiesen. Der Abstand zwischen dem Deich, auf dem durchgeknallte Radfahrer und Skater ihrem fußgängergefährdenden Treiben nachgehen, und dem Weg wird größer. Und das bleibt jetzt auch so bis zur Flughafenbrücke. Die bietet dem Fußgänger eine akustische Sensation: Jedes Auto, das eine der Schwellen überfährt, erzeugt einen Knall. Tolle Sache…
Wer jetzt beidrehen will, wählt für die erste Etappe des Rückwegs den Weg, der auf halber Höhe durch die Wiese führt und im Sommer von mannshohen Gräsern umgeben ist. So kommt man wieder bis zum Wasserschutzgelände und muss dann auf dem bereist bekannten Weg zurück. Allerdings sollte man auf dem Rückweg vorher links den Weg hochgehen, der zum Eingang des Wasserwerkgeländes führt. An diesem Eingang gibt es nämlich einen Brunnen, der frischestes Düsseldorfer Trinkwasser ausspuckt. Da kann man testen, wie juut dat Wasser von Düsseldorf ess. Und für Hunde jibbet sogar Trinknäpfe.

Kein Rundweg
Der einzige Nachteil dieser Region besteht darin, dass es keine sinnvollen Möglichkeiten für Rundwege gibt. Bis auf eine Ausnahme. Man geht zu Fuß nach Kaiserswerth. Die Autofähre nach Langst findet sich bekanntermaßen bei Stromkilometer 755; bis in den Ort ist das noch etwas mehr als ein Kilometer. Man hat bei der Ankunft am Kaiserswerther Markt also eine Strecke von etwa sieben Kilometern absolviert. Das darf dann noch unter Spaziergang abgebucht werden. Nun macht man es sich in diesem hübschen Städtchen gemütlich und wendet sich später Richtung Klemensplatz.
Dort entert man eine U79 aus Richtung Duisburg, die einen in nur sechs Minuten zum Freiligrathplatz bringt. Hat man am Wasserwerk geparkt, kann man jetzt in die U78 umsteigen und zur Messe fahren, dort aussteigen und rüber gehen. War man ohnehin mit dem ÖPNV unterwegs, fährt man weiter Richtung Innenstadt.

[Alle Fotos wurden heute vormittags am 04.06.2010 von mir persönlich aufgenommen.]


» Ortsangabe von Rainer Bartel am 04.06.10 um 16:46 » in Kategorien: Düsseldorf » 1,502 x gelesen » noch kein Kommentar
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