Was wollen die Kölner von uns?
Macht das Boulevardblättchen Politik?
Nun je, werden Sie sagen, ist doch normal, dass eine Tageszeitung sich in die Politik einmischt und nicht bloß drüber berichtet. Und da haben Sie Recht. In der Stadt, in der ich geboren bin, aufgewachsen wurde und alle Jahres meines Lebens bis auf eines verbrachte, ist das Angebot an Tageszeitungen – im Vergleich z.B. zu Berlin, Hamburg und München – sehr dünn. Es sind genau fünf Papierhaufen, die miteinander konkurrieren, zwei davon zählt man gemeinhin zur Kategorie der Boulevardzeitungen. Eine davon ist die BILD-Zeitung, die andernorts überwacht wird. Über das andere zeitungsähnliche Produkt mit den nackten Titten soll hier die Rede sein. Der EXPRESS ist ursächlich eine Zeitung aus der Stadt mit dem hässlichen Kapellchen gleich am Bahnhof. Das merkt man vor allem dem Online-Auftritt an, der aus Sicht eines Nicht-K***ers nur als Realsatire verstanden werden kann, denn im Mittelpunkt der “Berichterstattung” stehen der Äff-Zeh, Lukas Podolski oder das närrischen Dreigestöhn. Düsseldorf kommt nur an vierter Stelle, auch weil die Redaktion in meiner Stadt relativ dünn besetzt ist. Und diesen Schreibfinken mal auf die Finger zu gucken, soll Ziel dieser neuen Serie sein.
Ausgangspunkt ist, dass dieser Tage für wenige Stunden in diesem heimatverbundenen Online-Magazin ein erheblich polemischer Artikel zu diesem Stück EXPRESS und diesem Kommentar dort zu lesen war. Ich habe den Beitrag nach einigem Nachdenken gelöscht, weil er zu polemisch war und man, das lehrt uns das BILDblog, diesen Blättern mit Polemik nicht beikommt.
Betrachtet man die beiden verlinkten EXPRESS-Artikel, fragt sich der geneigte Düsseldorfer, der zu Zeiten des verstorbenen OB Joachim Erwin dessen Umgang mit Stadt kritisch begleitet hat: Was wollen uns die Herren Grixa und Kerst damit sagen, dass sie auf einmal die ehemalige Praktikantin, Assistentin und Büroleiterin des OB ans Tageslicht zerren? Die Dame, die schon mal aus Sorge um ihre Highheels den Rathausmarkt neu verfugen ließ und ansonsten gelegentlich durch rüdes Benehmen und eine Wortwahl auffiel, die man eher in anderen Millieus vermutet, war vom neuen OB stufenweise in die Leitung der so genannten “Sportagentur” verklappt worden, weil sich keine Aufgabe für sie fand und auch keiner eine finden wollte. Warum, also, bringt der Herr Grixa eine peinliche Home-Story, und warum zitiert der Herr Kerst sie bei seiner Polemik zur Umbenennung der Flughafenbrücke? Kann es sein, fragt sich der neutrale Beobachter, dass Frau Christina Begale systematisch promotet werden soll? Und wenn ja, wohin?
Die Lösung könnte in diesem Artikel des Herrn Kerst liegen, der wenige Tage später erschien. Zu Recht und dankenswerterweise thematisiert der Volljournalist, dass die Düsseldorf Marketing & Tourismus (DMT) eine Umfrage mit großem Bohei veröffentlichen ließ, die mit 218 ausgewerteten Antworten alles andere als repräsentativ ist. Nun muss man wissen, dass die Geschäftsführung der DMT sich aus den Damen Illigen und Begale zusammensetzt und das Verhältnis der Ladies untereinander, nun ja, schwierig ist. Da nun Frau Begale auf die Sportagentur konzentriert ist, führt Frau Doktor Illigen die DMT faktisch im Alleingang – und das ist damit verantwortlich für die misslungene Umfrage.
Wenn bei einer solchen Konstellation ein Lokalblatt die eine Dame promotet und der anderen einen reinwürgt, dann passiert so etwas – das weiß ich als ehemaliger Lokaljournalist – nicht ohne Sinn, Zweck und Ziel. Sollte also nach der Beagle’schen Elternzeit plötzlich Frau Illigen aus der Geschäftsführung der DMT ausscheiden und diese in Alleinherrschaft von Frau Begale übernommen werden, dann wüssten wir, was die Herren Grixa und Kerst mit ihrem aktuellen Artikeln erreichen wollten. Wir werden das sehr genau beobachten.
Man sollte hierzu erwähnen, dass die WZ in ihrer Print-Ausgabe am 10.02.2009 bezüglich der o. g. Umfrage, die von Frau Illigen-Günther lanciert wurde, nicht auf die “enorme” Teilnehmerzahl ebendieser hinweißt. Die Darstellung des Ergebnisses liest sich hier wie folgt:
Zitat WZ: Überwiegend positiv wird die Altstadt von Außen gesehen. 86 Prozent beurteilten das gastronomische Angebot positiv. Immerhin 69 Prozent fühlen sich in der Altstadt sicher. Die Einkaufs-Möglichkeiten werden von 78 Prozent mit “richtig gut” und “ganz prima” beurteilt. Anders sieht es beim Parkplatzangebot aus, das nur von 29 Prozent der Teilnehmer gute Noten bekommt. Wer bisher noch nicht in der Altstadt war, wurde nach dem Grund gefragt. Die ist für 18 Prozent “nichts Besonderes”. Zitat Ende.
Der Rest des Artikels befasst sich mit der geplanten Förderung der Ratschläger und dem Bestreben, Düsseldorf den offiziellen Stempel “Touristenstadt” aufdrücken zu dürfen, der u. a. zur Folge hat, dass die “zahlreichen” Souvenir-Läden längere Öffnungszeiten haben dürfen. Die nächste Schlagzeile dürfte dann wohl lauten:
Friedlicher Einheimischer von scheißvolllgesoffenen Radschläger-Junggesellen aus Oer-Erkenschwick mit Zinnnachahmung des Rheinturms erstochen!
Auch wenn’s schwer fällt: dem Herrn Kerst darf man hier durchaus für diesen investigativen Dschornalismus danken…