Was alles wächst, wenn man wachsen lässt, was wachsen will
Mein hochgeschätzter Blogger-Kollege Richard Gleim kennt sich als erfahrener Gärtner richtig gut aus mit den Pflanzen und vertritt in seinem Blog Gnogongo mit Vehemenz Positionen zum Grün in der Stadt, die ich mit meinem eher laienhaften Verständnis jederzeit unterschreiben würde. Mit seinen Fotos von Pionierpflänzen, die sich in Spalten und Rissen einnisten, und der städtischen Flora hat er bei mir das ökologische Bewusstsein für dieses Thema wiedererweckt. Gepflanzt hat es einst mein verehrter Bio- und Mathelehrer Dr. Reinhold Feuerstein am Leiniz-Gymnasium, der aus jedem Wandertag eine botanische Exkursion machte – und das war auch gut so. Nun habe ich meinen eigenen Garten entdeckt. Er ist um die 500 Quadratmeter groß und wild. Da darf wachsen, was da wachsen will.
Allerdings teile ich diesen Garten mit rund 600.000 anderen Bürgern der schönsten Stadt am Rhein, denn es handelt sich um ein Stück des Volksgartens, diesen beliebten Park zwischen Bilk und Oberbilk, der zusammen mit dem damals neu angelegten Südpark das Gelände der Bundesgartenschau 1987 bildete. Seit jenem Jahr schlängelte sich an Weg parallel zum Bahndamm auf der einen und der Düssel zur anderen Seite vom Hennekamp bis zur Unterführung Emmastraße. Zwei Brücken führen über den Bach, und am Ende steht die Imbissbude, die derzeit verwaist ist.
Lange war diese Ecke des Volksgarten verrufen und hieß im Volksmund “Junkie-Weg”, den die Heroinabhängigen der Stadt nutzten die dunklen und verwunschenen Eckene jahrelang, um sich in Ruhe ihre Schüsse zu setzen. So um 2002 machte man es den Junkie durch eine stärkere Ausleuchung und dauernde Kontrollen ungemütlich, und mit der Einführung der Fixerstuben wurden Plätze wie dieser eher unattraktiv.
Seit Jahren gehe ich diesen Weg mehrmals die Woche mit dem Hund. Natürlich fallen mir deshalb die Veränderungen an der Botanik auf. Aus einem mir unerklärlichen Grund hat das Gartenamt im vergangenen Herbst eine Hälfte des Geländes zwischen der zweiten Brücke und dem Imbiss radikal gerodet. Bis auf die größeren Sträucher und die Bäume kam alles weg, statt dessen wurde Rasen gesät. Außerdem hat man diesen Teil mit Bauzäunen abgesperrt – dieser Zustand hält jetzt seit mehr als neun Monaten an.
Größer könnte ein Gegensatz kaum sein. Die andere, zum Hennekamp hin gelegene Hälfte, haben die Gartenämtler nicht nur nicht gerodet, sondern seit dem Sommer 2010 nicht mehr angefasst. Und so ist hier ein wunderschöner, wilder Garten entstanden, in dem sich die einst zur Zierde gesetzten Pflanzen aufs Feinste mit allem Grün vermischen, was sich selbst diesen Platz zum Wachsen ausgesucht hat. Wer also mal in aller Nachdrücklichkeit diesen Gegensatz – hier gandelos kultiviertes Parkgrün, da artenreicher Wildwuchs – einmal selbst sehen möchte, sollte sich auf den Weg zum Volksgarten machen und den Schlängelweg gehen.
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Sieht ja aus wie an der Düssel zu Zeiten des Alten Volksgartens an der Ballonwiese
Naja ich persönlich finde es ja nicht so schön , wenn der Garten so wild aussieht , aber jeden das seine.
nicht wild — naturbelassen !!!
ich finde das perfekt