Der frühere Busbahnhof am Graf-Adolf-Platz
Öffentlicher Personennahverkehr anno 1959
Dieses alte Dia [Klick aufs Bild macht's groß] wurde vermutlich im Sommer 1959 oder 1969 aufgenommen und zeigt einen der Bahnsteige des ehemaligen Busbahnhofs am Graf-Adolf-Platz. Soweit ich mich erinnere, hat mein Vater diese Busschlange deshalb fotografiert, weil es die Abfahrt zum Betriebsausflug der Hirschbrauerei zeigt. Da hatte die Geschäftsleitung einfach eine paar Rheinbahnbusse gechartert, die dann die versammelte Belegschaft in ein nettes Ausflugslokal kutschierte. In Sachen Mitarbeiterbespaßing waren die Chefs der Brauerei ziemlich gut. Neben dem obligatorischen Betriebsausflug gab es noch drei weitere Highlights:
Zu Beginn der Spargelsaison lud man die Arbeiter und Angestellten samt Familie in das Gartenlokal nach Mönchenwerth ein, wo es vom Stangengemüse gab, das man aus Walbeck oder Bracht oder sonstwo vom Niederrhein holte. Ebenfalls ein wichtiger Feiertag war der Kirmesmontag. An diesem Montag während der Großen Oberkasseler Kirmes hatten die Leute frei, und es gab Kirmesgeld für die ganze Familie von der Firma. Noch doller ging’s aber zu Weihnachten ab. Die Vorbereitungen der Weihnachtsfeier begannen bereits im Frühherbst. Herr Moser lud eine Auswahl Kinder der Angestellten ein und übte mit ihnen das Weihnachtsstück ein – dazu demnächst mehr.
So großzügig die Unternehmensleitung war, so sehr stand dieses Verhalten aber auch in der Tradition der Unternehmenskultur während der Nazizeit. Selbst der Betriebsratsvorsitzende, ein altgedienter Soze, sprach noch von “Gefolgschaft”, wenn er eigentlich “Belegschaft” meinte. Der alte Paefgen war aber auch ein Patriarch wie aus dem Bilderbuch; wie ein gptiger Gottvater hielt er seine schützende Hand über die Brauer, die Handwerker, die Bierkutscher und die Verwaltungsangestellten.
Tuff, tuff, tuff, die Eisenbahn
Wie gesagt: Ende der fünfziger Jahre war der Graf-Adolf-Platz verkehrstechnisch das, was heute (noch) der Jan-Wellem-Platz ist: Der Knotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs. Hier kreuzten sich mehrere Straßenbahnlinie; sowohl die aus dem Osten (Eller und so…) kommenden und nach Südwesten (Volmerswerth etc.) führenden, als auch die Nod-Süd-Verbindungen. Zudem bestand hier der Busbahnhof. Man kann die räumliche Situation heute noch einigermaßen erkennen. Wo das Gebäude mit dem Berliner Imbiss steht, befand sich die Niederlassung der Rheinbahn. Am heutigen Taxistand gab es einen Bahnsteig, daneben einen zweiten. Und vor dem Rheinbahn-Häuschen existierten sogar drei oder vier weitere Bahnsteige.
Gegenüber – da wo jetzt das eleganze Hochhaus mit dem blöden Namen “GAP” steht – lag das Postamt. Und das schon immer. Denn der damalige Graf-Adolf-Platz zwischen Kasernen- und Hüttenstraße sowie Königsallee und Friedrichstraße war schon seit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts die Verkehrzentrale Düsseldorfs. Tatsächlich lag das Gelände bis etwa 1860 außerhalb der Stadtgrenze. An der Stelle des Postamts hatte es schon über Jahrhunderte eine Postmeisterei gegeben, also quasi einen Postkutschenbahnhof.
Mit der Ausdehnung der Eisenbahn endete an diesem Ort folgerichtig auch der aus dem Osten kommende Schienenstrang. 1838 wurde an dieser Stelle dann der Bergisch-Märkische Bahnhof errichtet. Sieben Jahre später kam wenige Meter entfernt der Köln-Mindener Bahnhof hinzu, in dem die aus Süden kommende Linie endete. Beide Bahnhöfe waren Sackbahnhöfe, eine durch Düsseldorf führende Direktverbindung gab es weder in Nord-Süd-, noch in Ost-West-Richtung.
Erst in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstand die Bahnschneise, die sich heute von Hamm über den Hauptbahnhof und weiter bis nach Unterrath hinzieht. Im Norden wurde 1877 der Rheinische Bahnhof für die Nord-Süd-Verbindung von Trosidorf bis Mülheim/Ruhr gebaut. Er hat bis heute als Bahnhof Düsseldorf-Derendorf überlebt, auch wenn vom ursprünglichen Gebäude keine Spur mehr zu finden ist.
Bisschen Stadtgeschichte
Eigentlich war Düsseldorf über Jahrhunderte – gerade im Vergleich zum großmächtigen Köln – selten mehr als ein Dorf. Erst in der napoleonischen Zeit konnte man von einer Kleinstadt sprechen. Umso rasanter verlief die Entwicklung ab etwa 1850:
1850 ist auch das Jahr, in dem in Düsseldorf die Industrialisierung begann. Vornehmlich belgische Industrielle, so 1852 die Gebrüder Richard, 1854 Gobiet, 1857 Bourouxhe und Piedboeuf, machten mit der Anlage von Puddelstahlwerken in Oberbilk den Anfang. 1860 verlegten die Poensgen aus Schleiden in der Eifel ihre Röhrenwalzwerke nach Düsseldorf. Der Grund für diese Industrieansiedlungen wird zunächst in dem reichlich vorhandenen und billigen Bauland zu sehen sein, dann vor allem in den günstigen Verkehrswegen, die der Rhein und die Eisenbahnlinien in das Ruhrgebiet darstellten.
Das schnelle Wachstum der Eisenindustrie, aber auch das Ansteigen der Textilindustrie bis noch etwa 1880 bewirkten eine explosionsartige Zunahme der Bevölkerung. Betrug die Einwohnerzahl Düsseldorfs um 1840 etwa 35.000, so verdoppelte sie sich in nur 30 Jahren auf über 70.000 im Jahre 1870. Fünfzig Prozent davon waren zugezogen, vor allem aus dem Bergischen Land, Westfalen, den östlichen Landesteilen Preussens, aber auch aus Polen und den Niederlanden. [Quelle: Stadtarchiv]
Die Straßenbahn
Die allererste Straßenbahn fuhr ab 1876 vom Burgplatz im Herzen der Altstadt zum Graf-Adolf-Platz, genauer gesagt: zum Bergisch-Märkischen Bahnhof. Das war natürlich noch eine Pferdebahn. Die Linie führte natürlich über die Königsallee (die damals noch zwei Straßen war, denn die Westseite hieß “Promenadenstraße”). Die Ostseite trug in den Jahren nach ihrem Bau verschiedene Namen; bis 1850 wurde sie “Kastanienallee” genannt. Nachdem der preussische König bei seinem Besuch im Jahr 1850 von republikanisch gesinnten Bürger mit Pferdeäpfeln beworfen wurde, beschloss der Rat der Stadt, die Prachtallee quasi as Entschuldigung in “Königsallee” umzubennen. Und über diesen Boulevard führte die Linie 1 – an selber Stelle lagen dann auch die Geleise für die erste Elektrische.
Aus dieser Linie entwickelte sich nach und nach die längste aller Düsseldorfer Straßenbahnlinien. Ab 1934 stellte die Linie 1 dann die direkte Verbindung zwischen Benrath im Süden und Rath im Norden dar. Aber bis 1955 führte sie tatsächlich noch über die östliche Kö. Denn erst 1955 war die Berliner Allee als autogerechte Schneise fertiggestellt.
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Unter dieser Adresse findet man auch noch einige Infos zum Nahverkehr der früheren Jahre in Düsseldorf/dem Ruhrgebiet:
http://www.tramtracks.de/sitemap.htm
Ist schon interessant, wie sich das alles entwickelt hat.
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Und wieder was gelernt – 1895 war AUCH das Gründungsjahr der Rheinischen Bahngesellschaft AG…
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Klasse Serie mit den Dias. Passend hierzu auch dieser Link zu alten Stadtplänen:
http://www.landkartenarchiv.de/deutschland_stadtplaene_shell.htm
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Lolo 95 Antwort vom 21.01.10 11:37:
Im Düsseldorf Atlas ist eine schöne Karte drin, die die Stadterweiterungspläne vor dem Bau der von Rainer beschriebenen Eisenbahnlinien zeigt. Diese sind in der Planung schon berücksichtigt und auch der alte Bahnhof am Graf Adolf Platz ist noch mit drauf.
Leider habe ich die online nicht gefunden. Das wäre ein schöner Vergleich gewesen.
[Antwort]