Was war denn bloß los?

Rainer’scher Jahresrückblick 2008

erwin_beerdigung.jpgWenn einer auf das gerade abrauchende Jahr zurückblickt, dann entscheidet der persönliche Blickwinkel über die Auswahl der Ereignisse. Mein subjektiver Ausschnitt der Welt wird zu einem bedeutenden Teil von der schönen Stadt Düsseldorf ausgefüllt. Dahinter steckt dann noch eine Haltung, die man als aufklärerisch bezeichnen kann, weil sie davon ausgeht, dass es den Menschen besser ginge, wenn sie ihren Verstand einsetzen und alle verfügbaren Fakten zur eigenen Urteilsfindung nutzen würden. Statt dessen lässt sich ein großer Teil der Menschheit, der bundesdeutschen Bevölkerung zumal, von den Politikern und den Managern qua medialer Gehirnwäsche verblöden was das Zeug hält. So auch wieder im Jahr 2008, das den einen oder anderen Hoffnungsschimmer brachte. Es begann mit einem Wahlkampf auf Bundeslandebene, der einige Erschütterungen mit sich brachte.

Januar
Der gewissenlose Hetzer Adolf Koch will sich in Hessen erneut wählen lassen, um seine perfide Politik der Ausländerfeindlichkeit weiter betreiben zu können. Dabei wird er von einer gewissen Andrea Ypsilanti angegriffen, die für die Sozen antritt und mehrheitlich Positionen vertritt, die der Linken gut zu Gesicht stehen würden. Koch überzieht seine rechtslastigen Forderungen und verliert die Gunst der Wähler. Im Hintergtund arbeiten Ex-Bunz Schröder, die Gazprom-Nutte, und Wolfgang Clemente, das RWE-Luder, an einem Schwanzlängenvergleich.

Februar
Düsseldorf erlebt wieder eine original Erwin’sche Despotat. Die allmächtige Ergo-Gruppe will in Gestalt der Victoria-Versicherung einen neuen Bauklotz berrichten – und zwar auf dem Parkplatz an der Fischerstraße, direkt neben dem Golzheimer Friedhof. Eine wegen ihrer Parkmöglichkeiten besorgte Nachbarschaft organisiert einen Bürgerentscheid dagegen. OB Erwin zieht alle Register und beeinflusst das Volk so, dass der Bürgerentscheid am 17.02. nicht die nötigen Stimmen erhält. Die Victoria kann bauen und beginnt schon im Sommer mit dem Buddeln. Inzwischen – womöglich als Folge der Spekulationsverluste der Ergo-Gruppe (dazu demnächst mehr…) – stocken die Arbeiten.

März
Der übel aussehende Wetterfrosch Kachelmann entfacht schwere Sturmhysterie und warnt vor Emma. Das führt zu einer Ansage in der Bundesliga und sorgt für spaziergängerfreie Parks. Letztlich erweisen sich Emmas Äußerungen als lauer Pups, was aber dem Ruf des Multimillionen-Unternehmens Kachelmann nicht schadet. Gleichzeitig verwickelt sich Rainersacht in eine skurrile Auseinandersetzung mit den Plakatverarschern, die sinnlose Plakate für teuer Geld an üblen Plätzen aufhängen und dann auch noch vom G-Wert faseln.

April
OB Erwin hat erneut zugeschlagen. Gegen seine monolithischen und bankfreundlichen Pläne zur Bebauung des Jan-Wellem-Platzes (aka “Kö-Bogen“) hat sich breiter Widerstand geregt, der einen zweiten Düsseldorfer Bürgerentscheid nach sich zog. Leider war das Volk nicht interessiert genug, und außerdem waren die Alternativen durch allerlei Juristengeklängel (Ja, Herr Erwin war von Berufs wegen Anwalt…) so formuliert, dass kaum einer durchstieg. Also wurde auch diese Initiative abgeschmettert. Allerdings hatte der Stadtfürst ein bisschen zu sehr mit der Trinkaus-Bank gemauschelt, sodass die EU-Richtlinien einen Durchmarsch verhinderten. Inzwischen wurde ein Planungswettbewerb ausgeschrieben, der demnächst entschieden wird. Bis dahin bleibt die Ecke wie sie seit langem schon war.

Mai
Nach langer Darmkrebserkrankung stirbt der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin. Die ihm hörigen Medien, allen voran das zunehmend qualitätsarme Lokalblatt Rheinische Post und der kriecherische Lokalsender center.tv ergehen sich in Phantasien à la Pharonentod. Während der Feierlichkeiten bereitet Erwin-Tochter Angela mit einer rührenden Rede ihre politische Karriere vor.

Juni
Ganz im Stile des Sblatter’schen Kommerzstils veranstaltet die UEFA eine Fußball-EM in der Schweiz und in Österreich – ganz ohne England. Die Gruppenspiele dümpeln dahin, und jeder kriegt sein Fett weg – nur die Spaniolis nicht. Die werden dann auch Europameister und verhindern, dass Deutschland in einer Siegesorgie aus Bier, Schweiß und Sperma versinkt.

Juli
Düsseldorf befindet sich im Wahlkampf. Die CDU stellt den lieben Onkel Dirk auf, während die Sozen auf eine katholische Sozialtusse setzen. Politik findet angesichts des Wetters und der aussichtlosen Kandidatin dabei nicht statt. Statt dessen verfällt Deutschland dem Obama-Rausch. Gutmenschen aller Coleur kriegen angesichts des schönen Mannes feuchte Unterwäsche, und würde Barack eine Platte aufnehmen, wäre sie sich noch im Juli Nummer Eins geworden.

August
Die Düsseldorfer wählen natürlich den Onkel Dirk zum OB, damit der nicht mehr den fürstlichen Hausmeister spielen muss. Aber der ungelenke, große Kerl erweist sich als umgänglicher Typ, der annähernd geräuschlos die Erwinista ausmistet und für ein neues Klima im Stadtrat sorgt. So wird Dirk Elbers zum role model für den hessischen Schäfer-Gümpel. Putin lässt Georgien überfallen und löst damit den Niedergang seines Zarenreiches aus. Und überhaupt riecht es langsam nach Krise.

September
Das Wirken des verstorbenen OBs zeigt weiter Wirkung. Am Bilker Bahnhof wird ein Shopping-Center eröffnet, das nämlicher Stadtfürst gegen jeden Widerstand durchgepeitscht hat. Ein überaus hässlicher Kasten voller sinnloser Läden wird von Neugierigen gestürmt. Licht und Klima lösen allfälligen Kopfschmerz aus, und die Besucher sind so verkatert, dass die Konsumentenmassen schon nach wenigen Wochen verdunsten. Nun steht mitten in Bilk ein monströses Gebäude, das niemand wollte. Und dann ist da noch die Finanzkrise, die mit der Wucht eines Jumbojets in die Gebäude der Investmentbanken kracht. Dieses Mal ist nicht Bin Laden schuld, sondern die gewissenlosen und gierigen Geldhuren selbst.

Oktober
Das Ende des Kapitalismusses ist eingeläutet. Darüber lassen die TV-Sender debattieren, bis keiner mehr was blickt. Börsennachrichten bestimmten das Geschehen. Schließlich fährt sich der Haider mit besoffenem Kopp und überhöhter Gescwhindigkeit tot; der windige Burschi aus Kärnten, der wie kaum ein anderer europäischer Politiker die Ausländerfeindlichkeit salonfähig gemacht hat.

November
Die Sozen begehen kollektiven Suizid. Vier Atomfreunde stürzen das Ypsilanti, sodass man in Hessen jetzt einen Schäfer-Gümpel wählen können. Zudem kriegt der Clement eine Rüge und tritt aus der Partei von Bebel und Brandt aus. Das ändert nichts daran, dass jetzt auch die Automobilindustrie vor dem finalen Aus steht.

Dezember
In Athen brennt der Baum. Prototypisch für die verlausten Korruptionsstaaten der freien, kapitalistischen Welt haben die Mächtigen ihre Bullen aufs Volk gehetzt, das sich das in Gestalt ihrer Jugend nicht gefallen lässt. Angesichts der verfaulten Strukturen Griechenlands kommen sich plötzlich Länder wie Italien, Frankreich und auch Deutschland tierisch stabil vor. Wer weiß, was zu Ostern oder um den 1. Mai herum in Paris, Berlin und vielleicht auch Rom abgehen wird.

Ausblick 2009
Die Krise wird in den scheinbar zivilisierten Ländern, die sich ein Raubtier als System halten, ungeahnte Kräfte freisetzen. Im Kreise der Angepassten werden wieder die Ellenbogen ausgefahren werden, während die wahren Opfer der Ackermänner in Wut geraten und dieser freien Lauf lassen werden. Es wird mit Demos beginnen und möglicherweise in Hungeraufständen enden. Dann ist der Markt bereinigt, und das Spiel beginnt mit dem folgenden Jahrzehnt erneut.


» Rückblick von Rainer Bartel am 27.12.08 um 14:39 » in Kategorien: Ausland,Deutschland,Düsseldorf » 927 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. [...] turbulentes Jahr ist fast rum… By frusti Finanzkrise, Datenskandale und vieles mehr ist geschehen. Um Kabel Deutschland gibt es Übernahmegerüchte und [...]

     

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